GOETHES ERBEN - "Nichts bleibt wie es war"
 

(CD/ Strange Ways/ Indigo
29. Okt. 2001)

   

Die letzte Veröffentlichung von GOETHES ERBEN mit durchweg neuen Stücken war die Doppel- Live CD "Kondition: Macht!". Von da an mußte sich der Fan mit Editionen aus alten Stücken zufrieden geben. Dementsprechend hoch sind nun auch die Erwartungen. Die CD besticht erst einmal durch edles Ulrike Rank- Design und umfangreiches Booklet. Das beginnt mit dem vergeblichen Versuch, dem eher fragmentarischen Album eine inhaltliche Geschlossenheit zu verleihen. Doch dieses Geleit ist Tradition, da zuvor wohl jedes GOETHES ERBEN Album einem Konzept folgte. Dies ist nun nicht mehr der Fall, und so muß jeder Track für sich bestehen. Musikalisch beginnt die Reise mit der ersten Singleauskoplung "Eissturm" sehr elektronisch und gefällig. Doch spätestens bei "Vermißter Traum" bemerkt man, daß sich die Erben musikalisch doch treu geblieben sind und nicht gänzlich auf Tanzflure oder Hitkompatiblität schielen. Die Musik transportiert Emotionen und hat sich längst von der früheren, nur sprachbegleitenden Rolle zu einem typischen, festen Bestandteil gemausert. Sie klingt über weite Teile der neuen CD sehr organisch, auch wenn wir im Verlauf des Albums e- Gitarren und Drumloops zu hören bekommen. Mittlerweile sind also die Kompositionen von Mindy Kumbalek neben der Lyrik und Stimme Oswald Henkes ein Erkennungsmerkmal geworden. Oswald Henke hält sich allerdings bei der Darbietung seiner Texte erstaunlich zurück.Der SprachMonotonie wird nur mit Effekten Einhalt geboten. Die Gefühlsausbrüche sind seltener geworden. So sind "Vermißter Traum" und "Paradoxe Stille" sehr ruhige Stücke ohne emotionale Kurven . Ausgerechnet die Beats der Erben-mit-Heppner- Ballade "Glasgarten" reißen den Hörer etwas aus der Lethargie. Die handfeste Überraschung dürfte dann der Titelsong sein. "Nichts bleibt wie es war" ist eine deutsche Interpretation des STILL SILENT Krachers "Shockwaved". Ebenso wird wenig später "Was war bleibt" vom anderen Sideprojekt Erblast "gecovert". Der Grund dieser originellen Selbstironie erschließt sich mir allerdings nicht, da GOETHES ERBEN in ihren Nebenprojekten die eindeutig besseren Versionen dieser Stücke fabriziert haben. Mit "Fleischschuld" und "Zimmer 34" kommt es dann zur avantgardistischen Eskalation. Inhaltlich bedrückende Zukunftsvisonen, die mit langen gesprochenen Parts beginnen, um am Ende musikalisch vollkommen abzudrehen. Dann ein BREAK! Erinnern wir uns an damals, als Oswald Henke, nur vom Klavier begleitet, vom schwarzen Wesen erzählte. "Nur ein Narr" ist wie aus jener Zeit und markiert den größten Gegensatz auf dem Album. Insgesamt ist "Nichts bleibt wie es war" eine AchterbahnFahrt durch alle derzeitigen musikalischen und thematischen Felder der Musiktheaterformation, in einem emotionalen Spannungsbogen von verhalten bis zornig, thematisch vom Wangenkuss bis zum kommenden Abgrund allen Menschseins, allerdings immer -und leider - mit angezogener Handbremse. Ob es die Texte selbst sind, welche die Qualität von "Blau" oder "Schach ist nicht das Leben" nie erreichen, oder die Metrik, in die sie nun nach über 10 Jahren erfolgreicher freier Dichtkunst hinein sollen, ist hier nicht zu entscheiden. Drei Jahre nach "Kondition Macht!" endet dieser Exkurs für mich mit dem letzten Satz von "Nur ein Narr", dem besten Stück von "Nichts bleibt wie es war." Thomas Manegold

 

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