(CD/ Goldrush/BMG &
Buch / ed. Aleph 2001)
Future Drama
   

"Neosapiens" ist nicht nur das bislang beste Album der Band aus Berlin, sondern ein Werk, daß in seiner Tiefe "The Wall" von Pink Floyd oder selbst "Operation Mindcrime" der damals so genialen Queensryche in nichts nachsteht, eine exzessive Zukunftsvison, die als Verfilmung so richtig zu "Matrix" und "Existenz" passen würde, ohne auch nur ansatzweise davon abzukupfern...

Mastermind Nik Page scheint damit Faszination & Schrecken des technischen Fortschritts auszuloten. Seit nunmehr drei Alben (zuvor "The Trash Inside My Brain" & "Bastard") beschäftigt ihn die Fusion von Mensch und Maschine im weitesten Sinne, die durch des Menschen Gier und Wahn zwingend zu sein scheint.
Die einfache Logik, daß der Fortschritt günstigstenfalls zuerst heilt und danach perfektioniert, ist einleuchtend und manifestiert jene Welt, in der der Mensch von Implantaten gesteuert wird und so etwas wie einen Symbionten darstellt. Die Neosapiens stellen sich gegen diese Perfektion, überlassen die Genverteilung dem Zufall und lassen sich nicht mit Chips, Platinen und Biomechanismen "verseuchen". Selbstverständlich hat die Berliner Band um diese Thematik ein passendes Soundgewand konstruiert. Schon beim ersten Durchlauf erinnerte mich die CD an das legendäre letzte THE FAIR SEX Album "Labyrinth". Die BlLIND PASSENGERS erschaffen ebenfalls mit wuchtigen Gitarrenriffs und Noiseloops eine futuristische und doch authentische Welt. Nicht zuletzt mit der ergreifenden Ballade am Schluß des Konzeptalbums ähnelt "Neosapiens" also jenem älteren Epos, wobei erwähnter Schlußstrich etwas heftiger ausgefallen ist. Parallel zur CD wird im Februar dann das gleichnamige Buch erscheinen, das zweifelsfrei mit der CD eine multimediale Einheit bildet. "Neosapiens" /txt- version/ ist leicht zu lesen und trotzdem alles andere als trivial.Das Buch stachelt in effektiv erstellten Momentaufnahen die Phantasie des Lesers an, fordert auf, es dem Verfasser gleichzutun und in diese Welt einzutauchen. Gleichzeitig liefert es einen Sachwortregister, mit dem man sich im Buch besser zurechtfindet, denn wer weis schon, was "momos" sind.

Der Protagonist wünscht sich am Ende des Buches, ein Neosapiens zu sein... und läßt den Leser mit dieser Verlautbarung stehen. Was ihm bleibt ist ein grandioser Soundtrack, der als erster "New Metal" oder "Future Rock" Tonträger durchgeht, Songs, die an Energie kaum zu überbieten sind und die sich im Ohr festsetzen- und es bleiben eine Menge Fragen, über die man sich nach Genuß des Gesamtwerkes gern den Kopf zerbricht.

Thomas Manegold

NEOSAPIENS