"Neosapiens"
ist nicht nur das bislang beste Album der Band aus Berlin, sondern
ein Werk, daß in seiner Tiefe "The Wall" von Pink
Floyd oder selbst "Operation Mindcrime" der damals so genialen
Queensryche in nichts nachsteht, eine exzessive Zukunftsvison, die
als Verfilmung so richtig zu "Matrix" und "Existenz"
passen würde, ohne auch nur ansatzweise davon abzukupfern...
Mastermind Nik Page scheint damit Faszination & Schrecken des technischen
Fortschritts auszuloten. Seit nunmehr drei Alben (zuvor "The
Trash Inside My Brain" & "Bastard") beschäftigt
ihn die Fusion von Mensch und Maschine im weitesten Sinne, die durch
des Menschen Gier und Wahn zwingend zu sein scheint. Die
einfache Logik, daß der Fortschritt günstigstenfalls zuerst
heilt und danach perfektioniert, ist einleuchtend und manifestiert
jene Welt, in der der Mensch von Implantaten gesteuert wird und so
etwas wie einen Symbionten darstellt. Die Neosapiens stellen sich
gegen diese Perfektion, überlassen die Genverteilung dem Zufall
und lassen sich nicht mit Chips, Platinen und Biomechanismen "verseuchen".
Selbstverständlich hat die Berliner Band um diese Thematik ein
passendes Soundgewand konstruiert. Schon beim ersten Durchlauf erinnerte
mich die CD an das legendäre letzte THE FAIR SEX Album "Labyrinth".
Die BlLIND PASSENGERS erschaffen ebenfalls mit wuchtigen Gitarrenriffs
und Noiseloops eine futuristische und doch authentische Welt. Nicht
zuletzt mit der ergreifenden Ballade am Schluß des Konzeptalbums
ähnelt "Neosapiens" also jenem älteren Epos, wobei
erwähnter Schlußstrich etwas heftiger ausgefallen ist.
Parallel zur CD wird im Februar dann das gleichnamige Buch erscheinen,
das zweifelsfrei mit der CD eine multimediale Einheit bildet. "Neosapiens"
/txt- version/ ist leicht zu lesen und trotzdem alles andere als trivial.Das
Buch stachelt in effektiv erstellten Momentaufnahen die Phantasie
des Lesers an, fordert auf, es dem Verfasser gleichzutun und in diese
Welt einzutauchen. Gleichzeitig liefert es einen Sachwortregister,
mit dem man sich im Buch besser zurechtfindet, denn wer weis schon,
was "momos" sind.
Der Protagonist wünscht sich am Ende des Buches, ein Neosapiens
zu sein... und läßt den Leser mit dieser Verlautbarung
stehen. Was ihm bleibt ist ein grandioser Soundtrack, der als erster
"New Metal" oder "Future Rock" Tonträger
durchgeht, Songs, die an Energie kaum zu überbieten sind und
die sich im Ohr festsetzen- und es bleiben eine Menge Fragen, über
die man sich nach Genuß des Gesamtwerkes gern den Kopf zerbricht.
Thomas
Manegold