EMPYRIUM "Weiland"
 
(CD/Prophecy/Sony/2002)
Mystic-Folk-Music
     

Schade. Nach nur vier Longplay-Alben soll es das auch schon gewesen sein. Empyrium sagen selbst, sie hätten im Bereich mystisch-folkloristischer Musik nichts Neues mehr zu sagen und veröffentlichen in Konsequenz dessen mit "Weiland" ihren Abgesang.

Unterteilt ist das Album in die drei Kapitel "Heidestimmung", "Waldpoesie" und "Wassergeister", die den verschiedenen Facetten der Natur Tribut zollen. Im ersten Szenario fühlt man sich unweigerlich an den rein akustischen Vorgänger "Where At Night The Wood Grouse Plays" erinnert. Auch hier zaubert das Zusammenspiel von Wandergitarren und Streichern mit dem betörenden, klassisch inspirierten Gesang eine sonderbare Atmosphäre herbei, die am ehesten eine Klassifizierung als düster-melancholische Folklore erlaubt. Im Gegensatz zu ihren metallisch geprägten Frühwerken gehen Empyrium hier gänzlich ruhig und besonnen zu Werke. Auf der ganzen Platte findet sich keine verzerrte Gitarre und auch der Einsatz eines Schlagzeugs ist auf ein Minimum reduziert. Allerdings ist es auch wesentlich schwerer, sich auf diese Seite von Empyrium einzulassen, weil die Songs erst nach mehreren Durchläufen ihre wahre Pracht entfalten, keine 08/15-Harmonien beinhalten und überwiegend komplex arrangiert sind. Zwar erscheint mir der aggressive Black Metal Kreischgesang beim überaus romantisch geoprägten "Fortgang" etwas unpassend, aber zumindest wird dadurch der Bogen zu den ersten beiden Veröffentlichungen der Formation gespannt.

Mein persönlicher Favorit ist das zweite Kapitel "Waldpoesie", das in einem einzigen, gut 13minütigen Stück Bearbeitung findet und über einen sehr ungewöhnlichen Spannungsaufbau verfügt. Durch die grobe Orientierung an traditionellen Songstrukturen und Instrumentierungen kommt hier auch erstmals wieder das Gefühl der Eingängigkeit auf. Besonders imposant ist dabei der an die Dynamik von Dornenreich erinnernde erste ruhige Zwischenteil, samt ergreifender Gesänge, imposanter Streicher und sanften Bläsereinsätzen. Alles in allem ist "Waldpoesie" der intensivste und bedrückenste Teil des Albums weil er den Hörer in seine morbide, rastlose Stimmung mitreißt.

Einen stimmungsvollen Ausklang findet "Weiland", und somit das gesamte Kapitel Empyrium, in "Wassergeister", das vor allem von stimmungsvollen Piano-Klängen dominiert wird. Noch nie zuvor waren Empyrium klassischer Musik näher als hier. Aber genau darin liegt auch der große Schwachpunkt dieser Stücke, denn im Vergleich zu den großen Komponisten der Musikgeschichte sind Empyrium eben doch nur eine "kleine Band", und auch wenn sie durchaus hochwertige Musik fabrizieren, halten sie diesem übermächtigen Vergleich doch nicht stand. Und so ziehe ich es vor, mir die Klavierkonzerte von Beethoven, Bach oder Mozart anzuhören, anstatt mich in die Welt der "Wassergeister" zu begeben. Davon ausgenommen ist das eröffnende "Die Schwäne im Schilf", das klingt als würden Empyrium ihre neue Ausrichtung in die eigene Vergangenheit transponieren und rein musikalisch auch in das Kapitel "Waldpoesie" gepasst hätte.

Fazit: "Weiland" ist kein gewöhnliches Rock-/ Metal-Album sondern eine Adaption klassischer und folkloristischer Klänge, die zu einer sehr eigenständigen Mischung verarbeitet wurden und viel Zeit von Seiten des Hörers erfordert. Entsprechend eingestellt sollte man auch an die Rezeption dieser CD gehen und sie in einer ruhigen und entspannten Stunde hören. Freunde von Ulvers "Kveldsfanger" werden auf jeden Fall ihre helle Freude daran haben! Sascha Blach

 


Tracklist:

Heidestimmung
1. Kein Hirtenfeuer Glimmt Mehr
2. Heimwärts
3. Nebel
4. Fortgang
5. A Cappella
6. Nachhall

Waldpoesie
7. Waldpoesie

Wassergeister
8. Die Schwäne Im Schilf
9. Am Wasserfall
10. Fossegrim
11. Der Nix
12.Das Blau-Kristallene Kämmerlein

www.empyrium.de - www.prophecy-productions.de  
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