FINAL SELECTION "Anti Hero"
 
(CD/Black Flames/Indigo/2003)
Electro-Synth-Pop
     
Electro-Pop-Bands gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Leider schaffen es die wenigsten davon, sich ein eigenes Gesicht zu kreieren oder sich anderweitig als Sandburg auf dem kilometerlangen Strand zu etablieren. Im Falle von FINAL SELECTION haben wir es zwar ebenfalls mit Sandkörnchen zu tun, allerdings starten diese wenigstens schon einmal den Versuch, sich zu einer Burg zu formieren...

Kryptische Worte, die weniger besagen, daß der Herr Blach urlaubsreif ist, als vielmehr, daß man es bei FINAL SELECTION mit einem durchaus hoffnungsvollen Newcomer im überfüllten Electro-Pop-Sektor zu tun hat. "Anti Hero" ist das Debüt der Band aus dem sächsischen Plauen, die in der Vergangenheit bereits einige Demo-Tapes veröffentlicht hat und nun über das polnische Plattenlabel Black Flames die Welt erobern will. Die 11 Stücke tönen druckvoll und transparent produziert aus den Speakern, was angesichts der Tatsache, daß das Duo die Produktion im heimischen Studio selbst übernahm, durchaus ein Lob verdient. Natürlich gibt es auch hier fette Computer-Bass-Drums, pumpende Bässe, melodische Synthie-Lines, sphärische Keyboardflächen und einen verhallten Gesang, der in besseren Momenten etwas von Dave Gahan (Depeche Mode) hat, im Übermaß. Aber ausschlaggebend ist, was man daraus macht und FINAL SELECTION geben sich durchaus Mühe, ihre Songs eingängig und tanzbar zu gestalten ohne dabei in die Oberflächlichkeit abzudriften. Leider läßt sich dies nur auf musikalischer Ebene bestätigen, denn den Texte über die Antihelden des Altags wurde der Abdruck im Boklet verwährt. Stattdessen muß sich der Hörer anhand der Klänge sowie der Bilder im Booklet die eigene Bedeutung eines jeden Tracks erschließen. Am besten steht es FINAL SELECTION zu Gesicht, wenn sie wie im Opener "Salvation", "I Never Wanted More" oder beim hitverdächtigen "Divine Punishment" ordentlich Druck machen, während Tracks wie "Swamp" oder "Static City" etwas schwachbrüstig wirken und so leicht einmal etwas Langeweile aufkommt. Leider machen sich FINAL SELECTION auch kaum genrefremde oder experimentelle Klangerzeugungsmittel - egal welcher Art - zu Nutze, so daß man sich allein auf die Stärke des eigenen Songwritring verlassen muß, was nicht immer von Vorteil ist, da sich vor allem gegen Mitte der CD auch einige Durchhänger eingeschlichen haben. Auch könnte der Gesang häufig noch etwas mehr Melodieanteile und Ausbrüche aus der vorgebenen Gradliniegkeit vertragen. Zudem läßt man es über weite Strecken an Abwechslungsreichtum mangeln, was schade ist angesichts des vorhandenen Potentials. Aber sei es drum, all diese Mängel sollen nicht darüber hinweg täuschen, daß man es hier mit durchaus hoffnunsvollen Sandburgenbauern zu tun hat. Schließlich stehen FINAL SELECTION noch am Anfang ihrer Karriere und wenn es der Band gelingt, sich mit dem kommenden Album aus dem engen Korsett des Synthie-Pops zu entfesseln, steht uns noch Großes bevor.
Sascha Blach

 


Tracklist:

1. Salvation
2. Tears
3. Divine Punishment
4. Your Smile
5. When You Turn Your Back To Me
6. Swamp
7. Static City
8. Absent Minded
9. I Never Wanted More
10. Tears - still weepin' mix
11. Dead Hero

     

www.finalselection.de - www.blackflames.prv.pl

   
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