THE INCHTABOKATABLES "Ultimate Live"(DCD/Strange Ways/Indigo/2002)
Medieval-Violin-Punk
 
     

THE INCHTABOKATABLES laden zum letzten Tanz. Ob sie wirklich fertig haben, wie sie schon auf ihrer Abschiedstour proklamierten, werden wir frühestens wissen, wenn die Herren BBreuler, B. Deutung, Titus, Moeh und der Herr Jeh im Rentenalter sind und keine Geige mehr in den zittrigen Fingern halten können. Denn bis dahin ist Reunionsgefahr angesagt ... und darauf macht "Ultimative Live", der Abschied auf Zeit, in jedem Fall schon einmal heiß!

Nach den beiden instrumentalen Einläutungsstücken "Intro" (sinnigerweise...) und "Paddy" wird dem nostalgischen Hörer ein Hit nach dem anderen aus elf bedeutungsschwangeren Jahren um die Lauscher geknallt. Nach "Wars Only Wars" und "Keep In Mind" gibt es mit "Birthing Of A Day" atmosphärische, fast schon psychedelische Klänge aus dem letzten Album "Mitten im Krieg" zu bewundern, auf dem ein Hauptaugenmerk liegt. In meinen Augen ist das nur verständlich, denn dieses Album wurde wurde aufgrund der darauf enthaltenen Experimentierfreude häufig zu unrecht verunglimpft.

Anyway, weiter geht es mit dem Mitgröhlhit "Übertrieben" und es ist keinesfalls "übertrieben" hier mitzuschreien, ebenso wenig wie man bei "Healing Hands" das Mitklatschen (aber bitte im Takt!) nicht vergessen sollte. Nachfolgend so gibt es noch freudige Versionen von "Endless Rail" und "Destination" eh "Escape", die erste CD würdig und erneut ruhig beendet. Und während man den mitreißen Sound-Mischmasch, bestehend aus einem laut jubelndem Publikum, Geigen, Bass und Cello noch in den Knochen hat und der Puls bei 180 angelangt ist, geht der Tanz schnell beim CD-Player vorbei, um CD 2 die Ehre zu erweisen (selig seien die CD-Wechsler...).

Und nachdem "Die Taube" eilig vorbei geflogen ist, besuchen uns auch schon "Three Gipsies", wobei ich als unwissender Konsument mir keinen so rechten Reim darauf machen kann, was die drei Herrschaften wiederum mit der sexuellen Ausrichting der Inchies zu tun haben. Egal, denken wir lieber über den "Tomatenfisch" nach, den es später sogar noch einmal in einer verhunzten Hip-Hop-Version zu hören gibt, oder gröhlen lauthals "You Chained Me Up" mit. Was da wohl die Nachbarn denken?! Aber was solls, es geht sogar noch lauter, denn die Geigen-Punk-Version von Nirvanas "Come As You Are" lässt einem gar keine andere Wahl als die Kehle und das Tanzbein noch etwas mehr zu strapazieren.

Tja, nach all den Anstregungen tut doch ein "Schlaflied 2001" nur gut und wenn zum guten Schluß sogar noch ein wohlgemeintes "Sleep Well" folgt (aufgenommen in einem Klavierladen in Berlin/Prenzlberg...), kann man doch gar nicht mehr anders, als die Inchtabokatables (vorerst) in Frieden ruhen zu lassen. Und nach soviel ungekünstelter Live-Energie verzeiht man den Sextett sogar den etwas undifferenzierten und drucklosen Sound dieser Doppel-CD, denn was für den kritischen Musikjournalisten Geschmackssache ist, ist für den wahren Fan durch und durch authentisch.

Und so höre ich Sänger BBreuler alias Robert in meinem inneren Ohr immer noch schreien, "Ich werd' in absehbarer Zeit keinen Geschlechtsverkehr mit dir vollziehen..." und muss sagen, ich beneide ihn nicht! Sascha Blach

 


Tracklist:

CD I:

1. Intro
2. Paddy
3. Rightful King
4. Wars Only Wars
5. Unsatisfied
6. Keep In Mind
7. Birthing Of A Day
8. Das Beil
9. Übertrieben
10. Healing Hands
11. Endless Fall
12. Destination
13. Escape

CD II:

1. Die Taube
2. Three Gipsies
3. Tomatenfisch
4. Hoywoi
5. Underdrive
6. You Chained Me Up
7. Come As You Are
8. One
9. Schlaflied 2001
10. Fuck-In-Tomatenfisch
(Version 23)
11. Sleep Well

   

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