LOVE LIES BLEEDING "Ex Nihilo"
 
(CD/CCP Rec./SPV/Oktober 2002)
Black Metal
     

Über eine zu kleine Black Metal Szene kann sich derzeit wohl kaum jemand beschweren. Im Gegenteil - immer mehr oft gerademal durchschnittliche Veröffentlichungen machen es auch denen, die sich intensiver mit der Thematik beschäftigen, nahezu unmöglich, noch die Spreu vom Weizen trennen zu können. Da kommt es schon mal vor, daß talentierte Bands - Perlen in einem Meer voller Mist - lange Zeit unbeachtet bleiben, bevor sie den ihnen zustehenden Ruhm erlangen.

Love Lies Bleeding sind so eine Perle, und es kommt mir vor, als hätten sie ihr neuestes Werk "Ex Nihilo" wie aus dem Nichts herbeigezaubert. Dabei ist dies nicht ihr erstes, sondern bereits das dritte Album der Franzosen. Die fünf überlangen Songs befassen sich mit der Geburt aller Künste, vertont mittels bombastisch-orchestralem Schwarzmetall. Dichte Keyboardteppiche erzeugen eine gewisse Monumentalität oder sorgen für Gänsehaut. Tonangebend sind allerdings die Gitarren. Der genretypische Kreischgesang wird ergänzt von einem erstklassigem Gastsänger und zwei -sängerinnen, welche verstärkt für das hohe Niveau des vorliegenden Songmaterials verantwortlich sind. Die Stimmung innerhalb der Stücke wechselt zwischen ruhigen, verträumten Momenten, hymnischen Augenblicken und aggressiven Highspeedattacken. Das mag zwar alles schon in ähnlicher Weise dagewesen sein, die hohe Qualität der Aufnahmen sucht in der Szene allerdings ihresgleichen. Mit Sicherheit werden auch in diesem Fall wieder einige selbsternannte Spezialisten in Sachen Schwarzmetall der Band Verrat und Kommerz vorwerfen. Derartige Stimmen rate ich aber zu ignorieren und das Album wenigstens einer Hörprobe zu unterziehen. Ihr werdet überrascht sein!
Einzig negativer Bestandteil dieser Veröffentlichung ist das völlig überflüssige und nichtssagende Outro, welches erst nach fünfminütiger Leerlaufzeit zu Tage tritt und das Album nur künstlich in die Länge zieht. Interressant wiederum gestaltet sich das Coverartwort, besonders wenn man sein Augenmerk auf die eher unscheinbar dünnen Linien im Vordergrund richtet. Sie schematisieren jene These, nach der das Teilungsverhältnis des goldenen Schnittes in nahezu allen freigewachsenen Formen der Natur, beispielsweise in den Windungen eines Schneckenhauses, aufzufinden ist. Laut Le Corbusier taucht dieses Verhältnis ebenfalls in den Proportionen des menschlichen Körpers auf. Da keine Texte im Booklet enthalten sind, man nur mutmaßen, worauf dieses Artwork zurückzuführen ist. Nahelegend ist der Bezug zur Entwicklungsgeschichte der Schöpfung, welche im monumentalen Stück "Ex" eingehend behandelt wird. Vielleicht wollte Bandkopf Adrastis das Cover seines neuen Werkes aber lediglich nicht mit einem Pentagramm verzieren - dieses enthält nämlich auch in all seine Bestandteilen den goldenen Schnitt.
Dagger

 

CD Cover

Tracklist:
1.Acedia
2.As chaos ceased to be
3.Waiting for my end
4.Surrounded by infinite nihilism
5.Ex

LINKS : http://www.loveliesbleeding.fr.st/  
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