ESTAMPIE "Fin Amor"
(CD, Warner/ Feb. 2002) Celtic Medieval
   

Das keltische Mittelalter war die Inspiration und musikalische Grundlage für das neue ESTAMPIE Album "Fin Amor". Auch die früheren Veröffentlichungen des Münchner Ensembles waren schon vergleichbaren Themen gewidmet. So wurde der schwammige Begriff Mittelalter mit diversen Konzepten wie "Lieder der Kreuzritter", "Minnegesang" oder auch mit einer "Ode an Hildegard von Bingen" immer wieder zu neuem Leben erweckt, präzisiert und für unsere Zeit neu interpretiert. Neben diesem fast schon pädagogisch wertvollen Attribut zeichnet ESTAMPIE jene sehr eigene, hörbare Liebe zu den Klängen unserer mannigfaltigen Vergangenheit aus. "Modern und dennoch authentisch." ist die passende, wenn auch nicht erschöpfende Umschreibung der Interpretationen mittelalterlicher Musik der Gruppe um Michael Popp und die Sängerin Syrah (Sigrid Hausen), die seit 16 Jahren beständig hochwertige Alben veröffentlicht. So schickt auch "Fin Amor" die im Elektrosmog aufgeweichten Ohren des Digitalo Sapiens in einen zugleich alten und neuen Klangkosmos. "Fin Amor" lehrt unsereren taubgeschlagenen Löffeln das Lauschen, sofern sich der hektische Kopf darauf einläßt. Mit original mittelalterlichen Instrumenten wie Portativ, Ud, Fiedel oder Organistrum wird immer wieder in einer zwar angemessenen, aber doch keinesweg antiquierten Weise umgegangen. Somit ist hier Genießen angesagt, wenn Sängerin Syrah, die uns auch von Qntal in wohliger Erinnerung ist, ein Damals zwischen Blumenblüte, Sehnsucht, Liebe und einer damit verbundenen, leider nicht mehr nachvollziehbaren Religiösität, auferstehen läßt. Das umfangreiche Booklet zur CD gibt dabei, dank der Übersetzung aller Texte, einen tiefen Einblick in die Belange und Denkweisen jener Zeit.
Als Einstiegsdroge hat sich bei diesem Album das schwungvolle "Sancte Sator" bewährt. Der Rest von "Fin Amor" ist zumeist sensibler, sodaß ich dieses Werk denen ans Herz legen kann, deren Verständnis von Medieval sich nicht auf Dudelsack und Met beschränkt. Außerdem sei mir der Hinweis gestattet, daß jene filigrane Klanggebilde aus einer vermeindlich primitiveren Epoche, die doch arg beschränkten Liedstrukturen unserer derzeitigen Popkultur leise in den Schatten der Bedeutungslosigkeit versinken läßt. Dank dafür! Thomas Manegold

 

CD- COVER

1.Fol é desmesura
2.Hanter dro
3.Bluomenrot
4.Summerwunne
5.Sancte sator
6.Floret silva
7.Swa tac
8.Exiit diluculo
9.A la fontana
10.Fraeunlobs
11.ESTAMPIE VI
12.Fin amor
13.Wessobrunner gebet

 

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