FEINDFLUG "Hirnschlacht"
 
(CD/ Black Rain/ Triton
Juni 2002)
Techno-Industrial
   

Au ja, damals, echter Ostgotischer Untergrund mit handnummerierten CDs. Von Anfang an simple, tanzbare Provokation mit Hintergedanken. Den inhaltlichen Konzepten zwischen Krieg und Gefangenschaft folgt mit "Hirnschlacht" nun allerdings die thematische Orientierungslosigkeit. Einerseits wirkt Feindflug nun soundmäßig aufgeräumter, andererseits eben etwas beliebiger, weil das lose Konzept etwas aus den Augen verloren wurde.

Doch das tut dem immer noch kontroversen Spaß an der technoiden Agromucke keinen Abbruch. Los gehts mit "Glaubenskrieg", einem Stück, das nach kurzem Sirenengeheul sofort geradlinig mit der Faust vehement auf die Stirn schlägt, kurzes Sample, Ohrwurmmelodie und - voll auf die Fresse... 6 Minuten, die uns die Oldies "Kahle Bedrohung" & "Stuckas" endlich von der Tanzfläche blasen. "Suchatzki Marsch" geht mit den selben Sounds das Ganze dann etwas differenzierter an und "Selbstsucht" wartet mit dem zweiten Sample aus Kinskis "Jesus Christus Erlöser" auf. "Blutorgel" ist eine gruselige Abrechnung mit zweifelhafter Justiz.

Damit ist Part 1 der stilistisch er an alte Zeiten erinnernden Stücke vorbei und es werden mit "Kalte Unschuld" wie Beats per Minute geklopft, was sich mit "Menschenjagd" dann geschwindigkeitsmäßig nochmal steigert... Allerdings ist dieses Rezept nun auch von -zig anderen Combos schon so oft durchgekaut, daß selbst das "Erkennen Sie das Sample" Spiel nicht mehr zieht... und so kommt der "Sturmwalzer" als ein ebensolcher als auflockernder Moment gerade recht, bevor "Faustrecht" und "Kopfschuß" nochmal mit den bewährten Mustern auftrumpfen. Insgesamt haben die Jungs von Feindflug damit die Gradwanderung geschafft, ihr selbsterschaffenes, musikalisch doch sehr eingeengtes Genre auf Albumlänge bereichernd zu bedienen.

Wie schon angedeutet, ist "Hirnschlacht" als Wohnzimmerbeschallung nur bedingt zu empfehlen. Autofahren geht da schon eher, auch wenn man da die Fenster zumachen muß, um die Textfetzen zu verstehen. Seine ganze Stärke entfaltet die Platte aber über die drei Wege Diskoanlage, da fegen die Stücke alles dezent die Kellertreppe hinunter und man ist gerade zur Sommerzeit dankbar für jeden Break, in dem man luftschnappend einem Leichenbeschau oder der Pofilerstellung eines Serienkillers beiwohnen darf.

Technonalien für den morbiden Geschmack mit Suchtfaktor und nicht zuletzt mit Sarkasmus. Das macht Feindflug einzigartig, haßbar, streitbar, tanzbar und eben auch sympathisch. Thomas Manegold

 

CD- COVER

01 Glaubenskrieg
02 Suchatzki Marsch
03 Selbstsucht
04 Blutorgel
05 Menschenjagd
06 Kalte Unschuld
07 Sturmwalze(r)
08 Faustrecht
09 Kopfschuss (Aeroflot-Mix)

(10) Video: "Roter Schnee"
(Nur für PC... schämt euch)

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