JERRY CANTRELL "Degradation Trip"
ToM - TIP DES MONATS
 
(CD/Roadrunner/ 2002)
Trip Rock
     

Album 1 nach einer weiteren Tragödie um ein Idol aus der Grunge Ära ... Da eröffnen sich Parallelen... die Metamorphose des Nirvana- Schlagzeugers zum Frontmann von Foo Fighters ... und es ergeben sich Eigenheiten, denn Jerry Cantrell war bis zum tragischen Tod von Layne Staley der kreative Kopf und Hauptsongwriter von Alice In Chains, und er hatte seine Solokarriere schon zu AIC Zeiten begonnen... Schon bei den ersten Klängen von "Degradation Trip" weiß der Sympatisant jener, mit dem Tod des charismatischen Sängers nun endgültig gestorbenen Depro Rock Legende: Ja, das ist sie, die neue Alice In Chains, auf die wir alle so lange gewartet haben.

Mit seinem zweiten Solo Album versucht Jerry Cantrell nun nicht mehr die aufkeimenden Parallelen mit seiner einstigen Hauptbeschäftigung zu vermeiden. Jetzt sind musikalische und gesangliche Parallelen unüberhörbar, denn die Stimme Jerry Cantrell´s war durch häufigen Backgroundgesang auch prägend für Alice In Chains. So ist "Degradation Trip" eine Mischung aus Cantrell´s erster Soloscheibe "Boogy Depot" und der letzten, unbetitelten Alice in Chains CD, und in der Tat mit dem Potential von "Dirt", bloß eben nicht ganz so einseitig depressiv und destruktiv. Die sich in düsteren Zeiten aufgestauten musikalischen Ideen haben also in dieser genialen Rockscheibe ein Ventil gefunden und sind nicht zuletzt auch Layne Staley gewidmet.

Es ist zwar schwer, diesen Background ganz außer Acht zu lassen, doch gelingt eine vorbehaltlose Betrachtung dieses Werkes, ist man dem Lebensgefühl "Grunge", jenseits aller Klischees und Trendreitereien aus den Neunzigern, näher als jemals zuvor. Wer nun glaubt, entsprechend altbackene Musik zu hören, wird enttäuscht, auch wenn hier traditionelle Musikertugenden hochgehalten werden. Gitarrist und Sänger Jerry Cantrell hat sich dafür nun zwei namhafte Mitsreiter ins Boot geholt. Drummer Mike Bordin dürfte vielen noch von Faith No More ein Begriff sein. Bassist Robert Trujillo groovte schon bei Suicidal Tendencies, inkl. Nebenprojekten und stand schon bei Ozzy Osbourne mit auf der Bühne. Komplettiert wird dieses Trio mit namhafter Vergangenheit von Produzent Jeff Tomei (u.a. Smashing Pumpkins), mit dem Cantrell nun "Degradation Trip" realisierte.

Bei aller hörbaren, nostalgisch verklärten Erinnerung an jenes "Damals", ist das doch eine Art Zukunftsmusik, die wir da hören (schön wär´s), besticht durch unkonventionell strukturierte Psychotrips ebenso, wie mit zurückhaltend instrumentierten, ja fast folkigen Passagen. Da wären die hypnotisierenden "Angel Eyes" und das alle Superlative überfordernde "Spiderbite", die ich hier als Einstieg empfehle, und natürlich "Anger Rising", das wohl wegen der nächsten Nähe zu Alice In Chains als Single auserkoren wurde. Aber das sind nur kleine Häppchen aus über 70 Minuten unvergleichlicher, vielseitiger und sehr emotionaler Rockmusik, die das Attribut "zeitlos" wieder mit Leben erfüllt und die sich in einem stimmigen, sehr gut umgesetzten graphischen Gewand präsentiert. Was für ein Tribut! Was für eine Offenbarung! Was für ein Neuanfang (hoffentlich!)

Thomas Manegold

 


Psychotic Break
Bargain Basement...
Anger Rising
Angel Eyes
Solitude
Mother´s Spinning ...
Hellbound
Give It A Name
Castaway
She Was My Girl
Chemical Tribe
Spiderbite
Locked On
Gone


Anger Rising.mp3

Links: Roadrunner, Jerry Cantrell ,    
   
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