DARKTHRONE "Soulside Journey", "A Blaze In The Northern Sky", "Under A Funeral Moon", "Transilvanian Hunger" (Digipak-Re-Releases)
(CD/Peaceville/Snapper Music/2003)
Black Metal
   

Neben Mayhem kann man DARKTHRONE als die wohl einflussreichste Band des frühen norwegischen Black Metals bezeichnen. Und mit über 13 Jahren Bandexistenz auf dem Buckel sind Nocturno Culto (Gitarre und Vocals) und Fenriz (Drums)auch eine der mittlerweile dienstältesten Formationen dieses Metiers. Nachdem die Erstwerke zwischenzeitlich nur noch schwer erhältlich waren, haben Peaceville die ersten vier Veröffentlichungen der Skandinavier nun noch einmal im edlen Digipak mit zusätzlichen Enhanced-Video-Interviews zum jeweiligen Album neu aufgelegt.

Der illustre Reigen beginnt mit "Soulside Journey", dem DARKTHRONE Debut aus dem Jahre 1991, welches laut Inlaytext "dedicated to the entire Death Metal Underground" ist. Entsprechend gestaltet sich auch die Musik des damals noch zu viert und ohne Gesichtsbemalung agierenden späteren Schwarzmetall-Flagschiffs eher todesbleiern; soll heißen die Musik orientierte sich verstärkt am typischen Schweden-Sound von Entombed, Dismember und Konsorten. Und auch ein Nocturno Occulto mit weißem T-Shirt und Holzfäller-Hemd wäre später nicht mehr denkbar gewesen. Die Produktion ist für die damalige Zeit recht anständig und hat kaum etwas mit dem klirrenden Schepper-Sound der späteren Zeit gemeinsam. Auch auf griffige Songstrukturen gab man durchaus noch acht und präsentierte alles in allem recht ansprechenden Death Metal, dem es allenfalls noch etwas an Groove und Eingängigkeit fehlte....Attribute die man im Falle von DARKTHRONE allenfalls noch beim Debut einfordern konnte. Und dennoch, noch heute betrachten viele Fans "Soulside Journey" als eines der besten Alben, das die Stilrichtung Death Metal bis heute hervorgebracht hat.

DARKTHRONE selbst hingegen fühlten sich vom Fun-Image, das sich im Death Metal mehr und mehr einschlich (beispielsweise Bands die in Bermuda-Shorts und bunten T'Shirts auftraten ohne sich dabei selbst allzu ernst zu nehmen...), deutlich angepisst und wagten den großen Schnitt. Ab dem folgenden - meiner Meinung nach besten - DARKTHRONE Album "A Blaze In The Northern Sky" spielten sie "True Norwegian Black Metal" oder wahlweise "Unholy Black Metal", zeigten sich mit schwarz-weißer Leichenbemalung in dunklen Wäldern und ebenso wie die Photos zierte auch das Artwork keinerlei "bunte Farbe" mehr. Die Produktion war bereits deutlich rauer, wenngleich längst nicht so höhenlastig und schrill wie die späteren Werke, und auch die Musik des zum Trip geschrumpften Gespanns (Bassist Dag Nilsen hatte die Band verlassen, das Album aber noch eingespielt) nahm an Intensität und Geschwindigkeit zu. Statt ausgeklügelter Riffs und tiefer Death Metal Vocals, gab es fortan relativ primitive Gitarren- und Drum-Arrangements und einen aggressiven Fauchgesang, der die Wut einer ganzen Generation an Metal-Fans in die Welt hinausspie. Häufig überschlagen sich die sechs Songs auf dem Album förmlich und auch die Spielzeiten der einzelnen Stücke ziehen sich im Vergleich zum Vorgänger deutlich in die Länge. Die Texte befassten sich vor allem mit der Kraft der Natur, heidnischen Ritualen und der Vorstellung ewiger Nacht, die symbolisch für die anbrechende Herrschaft eines neuen, nichtchristlichen Reiches stand. Symboliken, die sich - vermischt mit satanischem Gedankengut - bei fast allen Black Metal Bands der 90er Jahre wiederfanden. Allerdings wohnte den durchaus poetischen Texten von DARKTHRONE stets eine gewisse Tiefe und Dramatik inne, die mit den platten Aussagen vieler anderer Formationen nicht in einen Topf geworfen werden sollten. Und nach wie vor ziert vor allem dieses Album "A Blaze In The Northern Sky" eine gewisse Faszination, da die Songs trotz aller primitiven Aggressivität und Roheit eine sonderbare Aura ausstrahlen, die den Hörer zu fesseln vermag.

Auf dem ein Jahr später (1993) erscheinenden Longplayer "Under A Funeral Moon" führte die Formation die Linie des Vorgängers konsequent fort, diesmal allerdings mit einem noch kälteren und klirrenderen Sound, der Bandaussagen zufolge auf nur vier Spuren produziert wurde. Im Black Metal der frühen 90er Jahre entwickelte sich dieser Klang, welcher die bittere Kälte der skandinavischen Winter auch soundtechnisch einfangen sollte, plötzlich zu einem Ideal und noch heute werden große Bands wie Dimmu Borgir oder Cradle Of Filth von sich selbst als "true" bezeichneten Black Metal Anhängern aufgrund ihrer Studio-Hochglanzproduktionen und umfangreichen Marketingaktivitäten verdammt. DARKTHRONE selbst sahen sich als Teil eines entflammten Undergrounds und um Teil des selbigen zu bleiben, verweigerten sie über Jahre hinweg jegliche Interviewanfragen. In Zeiten als in Norwegen die Kirchen in Flammen aufgingen und die ersten Morde geschahen, wuchs weltweit die Faszination an dieser Musik, allerdings haftete der Band aufgrund zweifelhafter Aussagen auch jahrelang das Image als Nazis und Verbrecher an, das man erst in jüngster Zeit revidierte. Magazine wie das Rock Hard versagten der Band infolgedessen jegliche Berichterstattung und ignorierten die sich auftuende Black Metal Bewegung lange Zeit relativ konsequent.

DARKTHRONEs Drittwerk "Under A Funeral Moon" wird von dem Klassiker des Genres schlechthin - 'Nastassia In Eternal Sleep' - eröffnet und offenbart erneut ein Manifest der Morbidität, dessen Zutaten das kranke Krächzen Nocturno Occultos sowie das scheppernde Drumming von Fenriz und die nicht abgedämpften, rasenden, klirrenden Gitarrenriffs sind, die kaum Melodien erkennen lassen und häufig eher wie ein kalter Klangteppich anmuten. Blasphemisch und misanthropisch lesen sich auch die Texte und die haßerfüllte Atmosphäre des Albums lässt alles in allem kaum ein entspanntes Hörvergnügen zu, denn diese acht Stücke sind durchwegs aufreibend und durchtränkt von Wut und wüster Aggression.

Den produktionstechnischen Tiefpunkt erreichen die zum Duo Nocturno Culto und Fenriz geschrumpften DARKTHRONE (Gitarrist Zephyrous war ebenfalls gegangen) schließlich auf "Transilvanian Hunger" (das nachfolgende "Panzerfaust" setzt diesen Minimalismus fort, bevor es ab "Total Death" wieder etwas "gefälliger" wird....), ihrem letzten Album für Peaceville vor dem Wechsel zu Moonfog Records. Diese labelpolitischen Aktivitäten sind im übrigen auch der Grund weshalb es nur die ersten vier bei Peaceville veröffentlichten DARKTHRONE Alben in dieser Neuauflage zu erwerben gibt. "Transilvanian Hunger" jedenfalls klingt wie eine mittelmäßige Proberaumaufnahme, die mit einem Kassettenrekorder getätigt wurde, und kommt meiner Meinung nach nicht mal mehr ansatzweise an das grandiose "A Blaze In The Northern Sky" heran, da man sich häufig nur noch in einfältiges Geschrammel ergeht und auch Attribute wie Abwechslung oder dunkle Emotionalität hier durch Abwesenheit glänzen. Bleibt also ein überwiegend in norwegischer Sprache vorgetragenes Geschredder im Trash-Sound (Trash mit der Bedeutung von "Müll", der nicht mit der Thrash geschriebenen Stilrichtung zu verwechseln ist!) und teils wahrlich gruseligen Übergängen zwischen den Songs, denn hier wurde sich weder die Mühe gemacht ein gutes Ende für einen Song auszutüfteln oder ihn wenigestens auszublenden. Stattdessen enden die Stücke mit einem abrupten Ausschalten des Vierspurrekorders. Und anngesichts der Tatsache, daß eine DARKTHRONE CD für den gleichen Preis wie ein fett produzierte Studio-CD im Laden steht kann man über dieses zweifelhafte Gebähren hinsichtlich des Sounds durchaus geteilter Meinung sein. Zwar geht einerseits die dadurch erzeugte rohe Stimmung in einem professionellen Tonstudio sicher verloren, aber andererseits haben es die Norweger mit ihren ersten beiden Produktionen "Soulside Journey" und eben jenem "A Blaze In The Northern Sky" auch geschafft, ihr Inhalte authentisch zu vermitteln, ohne in Hochglanz-Gefilde abzudriften.

Fazit: Für den interessierten Fan sind diese vier Wiederveröffentlichungen im Digi-Pak Format durchaus eine feine Sache. Zwar hätte man sich das erneute Mastering der Alben sparen können, da es keinerlei Verbesserung mit sich bringt, aber zumindest die Interviews mit den beiden Protagonisten, in denen diese aus heutiger Sicht auf die jeweiligen Alben zurück blicken sind durchaus sehenswert, wenngleich hier leicht etwas von dieser düster-morbiden Faszination, die diese Werke umgibt, verloren gehen kann. In jedem Fall haben diese vier Longplayer Death/Black-Metal Geschichte geschrieben und gerade wegen ihrer radikalen Exzentrizität gehören DARKTHRONE nach wie vor zu wichtigsten Bands der (Black-) Metal-Szene.

Sascha Blach


"Soulside Journey" 1991


1. Cromlech
2. Sunrise Of Locus Mortis
3. Soulside Journey
4. Accumulation Of Generalization
5. Neptune Towers
6. Sempiternal Sepulchrality
7. Grave With A View
8. Iconoclasm Sweeps Cappadocin
9. Nor The Silent Whispers
10. The Watchtower
11. Eon



"A Blaze In The Northern Sky" 1992

1. Kathaarian Life Code
2. In The Shadow Of The Horns
3. Paragon Belial
4. Where Cold Winds Blow
5. A Blaze In The Nothern Sky
6. The Pagan Winter



"Under A Funeral Moon" 1993


1.Natassja in eternal sleep
2.Summer of the diabolical holo aust
3.The dance of eternal shadows
4.Unholy black metal
5.To walk the infernal fields
6.Under a funeral moon
7.Inn I de dype skogers favn
8.Crossing the triangle of flames



"Transilvanian Hunger" 1994


1.Transilvanian hunger
2.Over fjell og Gjennom torner
3.Skald av satans sol
4.Slottet I det fjerne
5.Graven takeheimens saler
6.I en hall med flesk of Mjod
7. As Flittermice As Stans Spys
8. En As I Dype Skogen

LINKS: www.darkthrone.no - www.peaceville.com

(c) subKULTur 2003 - nach hause - inhalt - archiv - cd kritiken - DIMMU BORGIR