AND ONE "Aggressor"
Erscheinungsdatum: 25. 08. 2003
Label: Virgin (EMI)
Format: Audio CD

Steve Naghavi hat, mit Blick auf die Ereignisse seit dem letzten AND ONE Album, einiges durch. Zerbröckeltes privates Glück und ... nein, ich sag das Datum nicht nochmal... Vielleicht so... auf Grund seiner Herkunft ist Herr Naghavi, nach einem Hochhausabriß in New York, doch glatt mit jener Rasterfahndung in Berührung gekommen, die unsere Hochhäuser vor dem selben Schicksal bewahren soll. Der frischgebackene Popmusikterrorist hat sich, berechtigt frustriert, von der öffentlichen Bildfläche verabschiedet, seiner Wahlheimat im Harz dann zwangsläufig den Rücken gekehrt und ist wieder nach Berlin gezogen. So ist nach über 2 Jahren Sendepause "Aggressor" auch eine musikalische Heimkehr von AND ONE geworden, allerdings leider nicht sooo gründlich, wie es der Titel vermuten läßt.

Denn gar so aggressiv ist das neue AND ONE Album nicht ausgefallen, sieht man mal von einigen bitterbösen Textpassagen ab. Da wäre "Strafbomber" zu erwähnen, daß sich heftig über den modern gewordenen PräventivKrieg ausläßt. Mein unschlagbarer Favourit ist "Fehlschlag", ein sarkastisch krasser Gegensatz zwischen netter Popmelodei und brisantem Textwerk.

Ansonsten ist "Aggressor" irgendwie eine Mischung aus allen musikalischen Stationen der Combo, klingt wieder nach "Panzermensch" und "Deutschmaschine", auch wenn man vergebens nach einem vergleichbaren Klassiker Ausschau hält. Die alten Sounds haben uns wieder und die neuen sind nicht ganz verschwunden. Damit würde AND ONE auch auf dem, von langer Hand vorbereiteten NDW Revival mitreiten können, zumal AND ONE nun wieder komplett der deutschen Sprache fröhnt ... und AND ONE hatte schon immer das krasseste Melotron auf den Tasten und so einen netten "musikalischen" Humor...

"Fernsehapparat" wird sich, neben "Krieger" auf den Floors etablieren. Darüber hinaus entdecke ich viele Facetten, die das Album hörenswert gestalten, habe aber mit den Texten manchmal so meine Probleme. Die vertrackten, absichtlich verunglückten und manchmal beliebig anmutenden Reime malen Bilder, surreal, zeitgeisttriefend und bedeutungschwanger. Das muß man mögen. Und damit dürften AND ONE Jünger keine Problem haben.

Insgesamt ist "Aggressor" ein solider Beitrag zur Neuen Deutschen Popmusik, das innerhalb und außerhalb der großen AND ONE Fanschar eine Menge Freunde finden wird.

Thomas Manegold


Tracklist:

1.Kein Anfang
2.Schwarz
3.Krieger
4.Sternradio
5.Speicherbar
6.Fehlschlag
7.Nicht für immer
8.Strafbomber
9.Tote Tulpen
10.Fernsehapparat
11.Kein Ende

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