Knorkator "Ich hasse Musik"  
Erscheinungsdatum: 15.09. 2003
Label: Sanctuary Records / Neue Zeiten/ Vielklang
Format: Audio CD
   

Die Rettung! Jawoll! Knorkator rettet die Musik in unseren Landen einmal mehr! Mach der Gruftihymmne "Weg nach unten", dem ultimativen "Bööööse", mit dem sie sich in die Metalhetz brüllten, hatten die drei sich unter dem Decknamen "High Mud Leader" auch in die Herzen der Milkaschokojunkies, tauben Omas und Blasmusikfetishisten gespielt. Und jetzt die Offenbahrung: "Ich hasse Musik." Damit sprechen die drei aus, was allen auf der Seele brennt. JAAA, WIR HASSEN ALL DAS, WAS UNS TÄGLICH UM DIE OHREN GEHAUEN WIRD, WIR HASSEN DAS NÄCHSTE COMEBACK, DIE ÜBERNÄCHSTE COVERTECHNOVERSION, DEN NÄXTEN SUPERSTAR ebenso, wie DIE ALTEN MEISTER, die sie uns in der Schule austrieben.

Wir wissen zwar, daß die Frau nicht generell hinter den Herd gehört, aber eben auch nicht generell hinters Mikrofon. Was bliebe uns erspart, wenn die Tittenmäuse sich mit der Rolle der Muse reicher, zugekokster Produzentensäcke zufriedengäben? Ja, es wäre Stille auf MTVIVA. Toll. Wir hassen Musik, jedenfalls das, was daraus geworden ist. Was wäre, wenn die gealterten Streifenhörnchen mit Löwenmähne das Maul hielten und nicht Kids, die ihre Enkel sein könnten, glauben machen wollten, sie wären der wahre Metal? Was wäre, wenn wir nicht frustriert ob unseres Bauchansatzes und unserer krummen Beine irgendwelche illusorischen zwei oder dreibeinigen Gesamtkunstwerke begeiern müßten? Was wäre, wenn die "schlechte Kindheit" mit Korn & Papa Roach und Co. nicht zum einträglichen Geschäft geworden wäre, wenn mich jemand ernst nähme, obwohl mich mein Vater nicht geschlagen hat? Es gäbe diese Platte nicht...

Wir hassen es, immer hip sein zu müssen. Was wäre, wenn noch jemand Ideen hätte, die uns übersatten Konsumenten gefielen? Es gäbe keine Coverversionen und keine Remakes alter Filme. Wir hassen es, immer dann in den Kinos zu heulen, wie die es in Hollywood geplant hatten... Emotionshervorrufung im Akkord .... Wenn etwas bei den Konsumenten aus Versehen den Geldbeutel öffnet, wird das Phänomen in Rekordzeit analysiert und gnadenlos geklont, vervielfältigt, zwangsverfüttert, trendy... So zieht die Industrie grandiose Ideen a la Deutsch Hüpf Hop und Teutonenmetal sofort aufs Fliesband und damit in den Dreck, den wir alle dann gierig fressen. Mppf!

Und Knorkator ist die Rettung... denn das Trio zieht das alles gnadenlos in die Scheiße. Und die entpuppt sich dann als besagte Milka Schokolade... Besser kann man mit dem Geschlechterkrampf nicht umgehen. Ehrfürchtiger kann man AALIYAH nicht huldigen ... (JAAA, die Welt hat einen neuen Superlativ: Kategorie Beste Coverversion aller Zeiten: Knorkator "Try Again".) Nie war das Heranführen der Nu Metal Generation an Boney M pädagogisch so wertvoll. Und welches Werk hat heutzutage sooooo ein Grande Finale. (Beating Arround The Bush ... ist im Original also doch von irgendsoner Bigbänd....) Dazwischen drängeln sich die eigenen Werke, die an Einfaltsreichtum nicht zu überbieten sind. Man beantwortet Fragen unserer Zeit ("Wie weit ist es bis zum Horizont") mit dem Taschenrechner.

Ja, Knorkator sind das gute Gewissen unserer Zeit. Da die meisten Hörer und Macher von Popmusik, im Gegensatz zu Beethoven, mit ihrer Taubheit nicht klarkommen, habens die Kommödianten schwer. Dilletanz verarscht man eben am besten mit Können. Und so ist die geilste Blödelplatte unserer Zeit ein musikalischer Hochgenuß, vielseitiger als mancher Sampler, gesanglich gigantisch ... von perfekten Sobrettenquiecks bis zum evil DeathMetalGrunz... und musikalisch auf weite Strecken besser und einfallsreicher, als die Auswürfe des Zeitgeistes, die sie damit aufs Korn nimmt.

Thomas Manegold

 


Tracklist:

1. der ultimative mann
2.ich hasse musik
3. try again
4. ich bin überhaupt nicht da
5.mai kho djai
6. schmutzfink
7. schüchtern
8.aeger sum
9. ma baker
10. wie weit ist es bis zum horizont
11.makellos
12. schweigeminute
13. beating arround the bush

   

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