QNTAL "Qntal III"
 
(CD/ Stars In The Dark / EFA/
02/ 2003/ Medieval X Over)
   

Nach acht Jahren ist es nun endlich soweit. Das einst mit "Ad mortem Festinamus" und dem "Palästinalied" fast schon legendär gewordene Projekt hat seine dritte CD fertiggestellt. Nach einem Labelwechsel und dem Weggang von Ernst Horn, der seine mittelalterlich- klassischen Ambitionen nun als Helium Vola auslebt, stand dies unter keinem glücklichen Stern, zumal es eine riesige Lücke zu füllen galt. Und Michael Popp (Instr.), Syrah (Gesänge) & Philipp Groth (electronics & produktion) mußten hohe Erwartungen erfüllen, ohne sich allerdings allzusehr auf Direktvergleiche mit Ernst Horns neuem Projekt einzulassen.

So ist Qntal anno 2003 eben Qntal ohne Ernst Horn. Und es ist sicherlich auch im Sinne des Projektes, ob der geneigte Hörer das nun verkraftet oder nicht. Verwunderlich ist nur, daß Qntal teilweise die selben Textquellen bearbeitet haben. Das impliziert Vergleiche, Wertungen und Streit, was aber wiederum sehr interessant ist, da z.B. "Name der Rose" eben kein "Omnis Mundi Creatura II" darstellt. Hier zeigt sich in der Schnittmenge deutlich, wie weit der interpretatorische Freiraum alter Musik und alter Texte gehen kann.

So wird die ganz spezielle Melange aus alter Musik und Electronics zu einer Art Selbstfindung für ein Projekt, das man durchaus zu den Pionieren dieses Crossovers zählen kann. "Qntal III" ist dabei eher verschlossen, wenn nicht gar verhalten, schreit nicht, sondern wirkt konzentriert und in sich gekehrt. QNTAL III folgte einem Konzept, baut mit den mittelalterlichen Texten eine fühlbare Variante der tragischen Liebesgeschichte von Tristan und Isolde. Musikalisch schweift das Trio in allen Belangen quer durch die Epochen, vereint Sprache und Instrumentarium aus dem Mittelalter mit klassischen Elementen und moderner Elektronik. Einzig ein paar zu vorhersehbar durchlaufende Drummloops stören mich ein wenig.

Mein persönlicher Fave ist "Maiden In The Mor", weil... aber das wird nicht verraten, weil es erst im letzten Drittel des Liedes geschieht. Das Stück ist jedenfalls am weitesten in stilistisches Neuland vorgedrungen, was sich aber nicht als Sumpf erweist, sondern als äußerst tragfähig... Darüber hinaus dürften "Name der Rose", "Am Morgen Fruo" sofort im Ohr des geneigten Hörers hängenbleiben und, ebenso wie die Singleauskopplung "Ecce Gratum", in den entsprechenden Tanztempeln auch einsetzbar sein. Beim Original von "Entre Moi Et Mon Amin" dauert es eine Weile, aber der umschmeichelnde Chorus ist einfach unwiderstehlich.

Überhaupt verlangt "Qntal III" viel Aufmerksamkeit vom Hörer. Nach dem dritten Durchlauf erst erschließt sich mir, trotz oder gerade wegen der fehlenden Pop Attitüde, eine smaragdgrüne Brillianz, eine Phantasiewelt, die sehr detailverliebt zum Klingen gebracht wird, ohne daß die mannigfaltigen Komponenten aus den verschiedenen Jahrhunderte sich beißen würden.

Thomas Manegold

 

CD Cover

Tracklist:

1.Owi, Tristan
2.Name der Rose
3.Maiden in the Mor
4.Lamento De Tristano
5.Am Morgen Fruo
6.Lasse
7.Ecce Gratum
8.Spiegelglas
9.Maravillosos
10.Entre Moi Et Mon Amin
11.Gottinne Minne
12.Vedes Amigo
13.Verirret

 

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