DORO "Classic Diamonds"

 
Erscheinungsdatum: September 2004
Label: AFM Records
Format: Audio CD
 
         
 

Doro Pesch gehört ohne Zweifel zu den ganz großen Akteuren der Hardrock/Heavy-Welt. Ihr Auftritt während des diesjährigen Wacken-Open-Air, bei dem sie nicht nur von zahlreichen namhaften Gastsängern, sondern auch von einem Orchester begleitet wurde,  zählte zu den absoluten Höhepunkten des Festivals und gab einen Vorgeschmack auf das nun erhältliche Album der Rock-Diva.  

Doro ist ganz bestimmt nicht die Erste, die ein Orchester zur klanglichen Untermalung ihrer Stücke nutzt - ganz im Gegenteil: heute stehen derartige Aufwände in der Heavy-Szene ja schon fast auf der Tagesordnung, um komplexe Kompositionen mit der Soundgewalt eines vielköpfigen Ensembles dramatisch in Szene zu setzen.

Ganz anders verhält es sich bei Doro´s "Classic Diamonds". Hier werden die Songs - alte Klassiker ihrer langen Karriere und einige neue Stücke - einzig von der markanten Stimme ihrer Protagonistin getragen. Das Orchester untermalt nur, hält sich stets dezent im Hintergrund. Wer nun ein bombastisches Release erwartet hatte, wird also mit Sicherheit enttäuscht werden, ebenso wie all jene, die eine knackige Portion Heavy-Rock erhofft hatten. "Classic Diamonds" setzt sich nämlich vorwiegend aus langsamen und besinnlichen Balladen zusammen, ist also eher für ruhige Momente geeignet. Die wirklichen Leckerbissen des Silberlings sind aber die verhältnismäßig wenig schnellen Songs, wie "All we are" oder "Metal Tango", die dank der orchestralen Untermalung in völlig neuem Licht erscheinen.

Unter den sechs neuen Songs glänzt besonders die originelle Coverversion des Judas Priest Klassikers "Breaking the law", bei dem die Sängerin sogar einen männlichen Kollegen neben sich toleriert. Unterstützung erfährt sie von keinem geringeren als Udo Dirkschneider! Interessanterweise ist eine der Neuaufnahmen (She´s like thunder) sogar der deutschen Boxerin Regina Halmich gewidmet, deren Portrait auch gleich im Booklet abgebildet wurde. Da entpuppt sich die gute Doro doch tatsächlich als Boxfan. Um so schlimmer, dass sie beim Promi-Boxen, als es darum ging, die Ehre der Heavywelt zu bewahren, gegen Ex-Pornostar Gina Wild kläglich gescheitert ist.

Wohl nur für eingefleischte Die-Hard-Fans der Blondine ist das Video zum neuen Song "Let love rain on me" gedacht. Es zeigt die Sängerin andächtig durch alte Gemäuer schleichen, in deren verborgenen Winkeln bereits Streicher und mit roten Rosen bewaffnete Jünglinge auf sie lauern. Ganz ehrlich, so viel Schmalz habe ich bisher in noch keinem Rockvideo zu Gesicht bekommen. Im Grunde unterscheidet sich diese Schnulze nur durch die schwarze Gewandung aller beteiligten Akteure von jenen `Clips´, die man aus der Volkstümlichen Hitparade kennt (vorausgesetzt, man hat am Wochenende während des Zapping mal auf die Öffentlich-Rechtlichen verirrt und ein plötzliches Versagen der Batterien in der Fernbedienung verhinderte ein erfolgreiches Umsetzten des zwangsweise einsetzenden Umschaltreflexes des rechten Daumens). 

Insgesamt hätte ich mir von diesem Release wirklich ein wenig mehr erwartet, als eine musikalische Dosis Valium. All jene, die Doro auf dem W:O:A live erleben durften, sollten lieber dieses fantastische Event in Erinnerung behalten und die Finger von "Classic Diamonds" lassen. Glücklicherweise kann man wenigstens die optische Aufmachung des Digi-Packs als sehr gelungen beurteilen, das Video braucht man sich ja kein zweites mal anzusehen...

Dagger

 

Tracklist:

I rule the ruins
Metal tango
Breaking the law
All we are
Für immer
Let love rain on me
Burn it up
Tausend mal gelebt
I´m in love with you
Always live to win
Undying
Love me in black
She´s like thunder

 
         
 

Links : www.doropesch.de - www.doro.de - www.afm-records.de

 
 
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