PAATOS "Kallocain"  
Erscheinungsdatum: 7. 06. 2004
Label: Inside Out (SPV)
Format: Audio CD
   
Melancholic Post Rock

Ganz und gar nicht pathetisch schwebt die Musik der schwedischen Band PAATOS durch den Raum. Statt einem Übermaß an Pathos zu frönen, setzen die fünf Musiker auf jene typisch nordische Schwermut, die den Hörer ganz sanft in eine schwarze Decke hüllt. Und zusammen mit der nötigen Ruhe und Gefühlsintensität ergibt dies ein wahres Juwel tiefsinniger Musik fernab aller Konventionen...

Beim ersten Anlauf waren die neun Stücke indes nicht mehr als eine angenehme Hintergrundbeschallung. Zu unscheinbar erwiesen sich die Klänge, kein Song sprang den Rezipienten direkt an und auch der Faktor Eingängigkeit erwies sich als kaum vorhanden. Anders der zweite Durchlauf, der aus der sanften Hintergrund-Berieselung weitaus subtilere Nuancen an die Oberfläche brachte und langsam aber sicher die Ahnung nährte, daß hier eine nicht geahnte Tiefe versteckt ist. Und so galt es während der nächsten Durchläufe langsam immer tiefer hinab zu tauchen in ein kleines Königreich der Phantasie und der Melancholie.

Eine enge Freundschaft verbindet PAATOS mit den Landsmännern von Landberk, zu denen die musikalischen Ähnlichkeiten also nicht von irgendwoher kommen und auch Pale Forest und Can dürfen guten Gewissens als Vergleiche ins Feld geführt werden. Allerdings agiert die Formation um Sängerin Petronella Nettermalm freier, sprich jazziger und schwebender ... häufig scheint es sogar als wären einzelne Parts komplett improvisiert, was sie umso intensiver und authentischer erscheinenen lässt. Das Info spricht in diesem Zusammenhang von einer hypnotischen Sogwirkung, die an alte Led Zeppelin erinnert und hat damit in der Tat recht, denn wie schon Page & Plant begnügen sich auch PAATOS nicht mit konstruierten dreieinhalb Minuten Kompositionen, die zu zwei Dritteln aus dem Refrain bestehen, sondern lassen den musikalischen Geist einfach fließen; auch wenn es manchmal etwas länger dauert. Aber gut Ding will Weile haben und so treiben sich die Musiker auf entspannte Weise gegenseitig durch teils sehr traurige, teils etwas strange, teils aber auch einfach nur schöne Stücke, in denen sich die versierte Instrumentalseite (meist leicht angezerrte Gitarren, dezent jazziges Drumming sowie Streicher, Mellotron, Klavier, Harmonium und Hammondorgeln) und die zauberhafte Gesangsdarbietung von Mrs. Nettermalm (die zumeist recht kindlich und zerbrechlich klingt) geschickt ergänzen, anstatt einen egoistischen Wettkampf um die Vorherrschaft an den Lautstärkereglern auszutragen. Musik und Gesang funktionieren also als homogene Einheit und genau so soll es sein.

Einzelne Songs heraus zu heben wäre müßig, denn "Hits" gibt es hier schlichtweg keine, da die Stücke allesamt nicht vor dem dritten Durchlauf zünden. Aber wenn man sich erstmal eingehört hat, lassen sich in jedem einzelnen Song überaus magische Momente entdecken, die den Hörer eher sanft verführen anstatt ihm wie ein Blitz ins Rückmark zu fahren. Und so kann jedes Stück dieses von Steve Wilson (Porcupine Tree) gemixten Albums gleichsam als Anspieltipp dienen. Zumal "Kallocain" kein Werk ist, aus dem man sich nur einzelne Tracks anhört, denn wenn dann will es mit der nötigen Ruhe am Stück genossen werden. Und wenn Euch PAATOS dann erstmal umgarnt haben, gibt es kein Zurück mehr. Fragt mich mal...


Sascha Blach

P.S.: "Kallocain" erscheint in der Erstauflage als SpecialEdition mit einer Bonus Disc.

 


Tracklist:

1.Gasoline
2.Holding On
3.Happiness
4.Absinth Minded
5.Look At Us
6.Reality
7.Stream
8.Won't Be Coming Back
9.In time

 

Disc 2 (Bonus)
1.Won't be coming back
2.Gasoline
3.Reality
4.Hypnotique

     

Links: www.paatos.com

 
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