Babyland "The Finger"

 

Erscheinungsdatum: 18.10 2004
Label: Dependent (Alive)
ASIN: B00062RBUE
Format: Audio CD

 

Welcher frischgebackene Fledermaushöhlenmensch kann sich noch ein Leben ohne Klampfe vorstellen und welcher Technogrufti würde sich mit besagtem RetroGothic die Bürste föhnen lassen... Richtig, noch nie waren die Fronten so unerbittlich wie heute. Und da ist es nun: Das Missing Link, das sie wieder alle vereint."The Finger" ist das fünfte Album des seit bereits 12 Jahren agierenden Duos Babyland.

"Low End Technology Junk Punk" nennen sie es selbst und übersetzen würde ich das mit Punkrock ohne Gitarren, nur, daß Babyland nicht ansatzweise so eintönig daherbrüllt, wie diese Umschreibung es impliziert. Denn vom Punk kommt das "Röchel", das Dreckige, Kratzige und die "Songstruktur", die geradlinig zu sein hat, vielleicht auch simpel, aber eben nicht über Albumlänge immer die Selbe.

Realisiert wird das Ganze dann auch inhaltlich mit Wut und Humor (=) Sarkasmus, und musikalisch mit unkonventionellen Electronics, gelegentlichen Sprachsamples sowie viel geschlagenem oder zerflextem Metall. So gelingt es den beiden, aus Los Angeles stammenden Musikern, den guten Ruf, den sie als Liveband sich innerhalb kürzester Zeit und dank souveräner Labelbetreuung erspielt haben, zu untermauern. Klar ist Electropunk Geschmacksache, aber speziell Babyland ist weit mehr als das. Das dichte, aber keineswegs aufdringliche Schlagwerk läßt den eingeschworenen Fankreis zwar einerseits das Album getrost durchpogen, es erschöpft sich aber der Einfallsreichtum nicht nur in jener Tanz- oder Hüpfbarkeit...

"Defeated" ist definitiv eine Hymne, ebenso das bereits im Sommer ausgekoppelte "Past Lives". Es folgen dann auch zum Teil gemäßigte Stücke, die zumeist eingängig bleiben, mit dem gerade so hoffungslos hippen Analogfeeling koketieren, während sie im komprimierter Form Geschichten aus der Großstadt erzählen. ... und dann... der Suchtfaktor schlechthin: "Nativity", daß sicherlich in den Clubs ebenfalls rauf und runter laufen wird.

Was Babyland dann unterm Strich so sympatisch macht, ist jene Orginalität, das hörbare und immer wieder proklamierte "Istmirdochvollkommenegalwasmodernist", was man dem Konsumenten entgegenschmettert, immer bereit, als wahre, gesunde Alternative zwischen SequenzerMucke und Livehaftig in die Lücke zu springen, die man grad selbst geschlagen hat.

Thomas Manegold

 

1.Loss leader
2.Defeated
3.Fast space
4.Past lives
5.Reno machine
6.Guard dogs
7.Nowadays
8.Cabrini manor
9.Startled by the obvious
10.Nativity
11.Gehry
12.Lmya

 
         
 

Links: dependent

 
 
  (c) subKULTur 2004 - nach hause - inhalt - archiv - cd kritiken - BABYLAND