The Birthday Massacre "Violet”

 

Erscheinungsdatum: 25. 10.2004
Label: Reporecords (Alive)
Format: Audio CD

 
„THE BIRTHDAY MASSACRE aus Toronto, Kanada sind die große Hoffnung der Wave & Gothic Szene. Mit ihrem perfekt durchgestylten Image….“

Scheiße, da war es wieder, das komische Gribbeln im Bauch. Als es den lieben Gott noch gab, hatte ich ihn gebeten, NIEMALS SO EINEN STUSS schreiben zu müssen. Erst einmal geht es der Szene nicht sooo schlecht, daß sie auf irgendetwas hoffen müßte. Zweitens ist die Szene ein Kollektiv, und das hat bekanntlich noch nicht einmal ein Hirn, mit dem es von einem violetten Albumcover auf die Rettung vor dem Untergang schließen könnte. Zudem können wir uns drittens vor durchgestylten Gothic Acts spätestens seit London After Midnight kaum retten. Und das ist jetzt 10 Jahre her. Seitdem gab es immer wieder Leute, die behaupten, wir müssen ab sofort auf irgendetwas hoffen. Dabei ist doch Hoffnungslosigkeit und chronische Depression, neben satanischen Versen, eines unserer nachgesagtesten Hobbies.

Es ist umgekehrt. Jede Menge Bands hoffen mit durchgestyltem Image auf die Szene, daß sie Appetit bekommt, anbeißt und nicht zuletzt auch zahlt. Zudem hat sich die Freude und die Berechnung, mit der man sich stylt, anmalt, armkauft längst anstelle des Hintersinns dieser Ästhetik breitgemacht. Allerdings kann man THE BIRTHDAY MASSACRE zumindest einen sehr guten Stylisten attestieren. Auch qualitativ haben die sechs nämlich gleich in der obersten Liga angefangen. Obwohl eigentlich aus dem Nichts kommend, gibt es nichts zu bemängeln, der Sound ist fett, die Lieder sind sehr dicht arrangiert und abwechslungsreich. Das ist wirklich guter, elektronisch aufgepeppter GothicWave, der allerdings auch niemandem weh tut. Zuweilen schnuppert man metallische Lüfte oder kokettiert mit Minimalelektro, PopAttitüden und mit den guten alten 80ern. Manchmal vermag mich ein eingestreuter Sound sogar an alte Tubeway Army Zeiten erinnern. Aber retro sind THE BIRTHDAY MASSACRE keineswegs. Ich würde das ganze eher als FutrueGoth bezeichnen.

Da wären Cinema Strange, Crüxshadows, Diva Destruction zu nennen, in deren Gesellschaft sich auch THE BIRTHDAY MASSACRE befinden. Auch sie überzeugen musikalisch auf ihrem Sektor, sind aber durchaus als Gesamtkunstwerk zu betrachten, wobei THE BIRTHDAY MASSACRE im "Drumherum" alle derzeitigen Mitbewerber absolut in den Schatten stellen. Die optische, graphische Umsetzung geht weit über Gothyklischees hinaus. Selbst ihre Webseite ist ganz ganz großes Kino ... oder, wie sagt man... Infotainment, selbst für einen Puristen wie mich.

Sehr selten hat man also ein so ausgereiftes Gesamtprodukt vorliegen und zudem mit „Love End“ und „Videokid“ auch waschechte Hits für die Gitarrenfraktion der Neogothikids. Zwar sind die Gesänge von Frontgirlie „Chibi“ zuweilen ein wenig dünn, aber dafür hat sie PlateauSchuhe und eine Schulmädchenuniform an. Die anderen Girlies können sie nachahmen und die alten Säcke können sie angeiern. Gut so.

Sollte also in nächster Zeit der Run auf diese Szene beginnen, wird diese Combo an vorderster Front kämpfen. Um Umsatzzahlen, BravoInterviews und Werbeverträge mit Black Velvet. Am Ende kann es dem Hörer egal sein, wo THE BIRTHDAY MASSAKER hinwollen, kann er sich durchaus von der Musik becircen lassen, denn „Violet“ ist eines der stärksten Alben, die derzeit die Redaktionstische bevölkern. Repo Records haben ihren Sitz übrigens in Hameln. Erst laufen also nur die Ratten hinterher, aber bald schon werdens alle Kinder sein ... und ihr könnt nix dagegen tun ;-)

Thomas Manegold

 

1.Prologue
2.Lovers end
3.Happy birthday
4.HorrorShow
5.Violet
6.Red
7.Play dead
8.Blue
9.Video kid
10.The dream
11.Black
12.Holiday
13.Nevermind

 
         
 

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