CESIUM 137 "Elemental"

 

Erscheinungsdatum: 6. August 2004
Label: Metropolis (Sony)
Format: Audio CD

 

Cäsium 137 ist ein instabiles Cäsium- Isotop, mit dem wir Europäer kollektiv 1986 in Berührung kamen, als es im Kernkraftwerk Tschernobyl in Weißrußland zu einem Supergau kam. Cäsium 137 ist also radioaktiv, es zerfällt und strahlt und hat eine Halbwertszeit von 37 Jahren. Das aus Philadelphia stammende Duo hat aber mit Fallout nichts zu tun. Es produziert knackigen, tanzbaren Electro. Und so ist auch "Elemental", eine ganz und gar nicht elementare CD, die trotz Urlaubsprospekt-Cover nur bedingt Entspannung garantiert.

Der Anfang gestaltet sich mit "The Storm" noch sehr gefällig. Man denkt an Diary Of Dreams und hat das Gefühl, Adrian Hates hätte seine komplexen Kompositionen gegen einfache Techno-Rhythmen eingetauscht. Aber schlecht ist es deswegen nicht. Entspannung ist hier deswegen nicht garantiert, weil der Fuß - besonders bei laut aufgedrehter Anlage - unweigerlich mitwippt. Und auch die nachfolgenden "Atrophy" und besonders das düstere "Frayed" könnte der olle ToM auf Zapfenheims Tanzfluren sicherlich etablieren, denn eine fette, treibende Bassdrum sorgt zusammen mit knackigen Synthie-Bässen für den nötigen Drive und auch der eher tiefe Gesang kann überzeugen. Techno, Synthie-Pop und EMB - dies sind die Pole zwischen denen Cesium 137 beheimatet sind, sprich durchwegs elektronisch erzeugte Musik, mit einfachen Strukturen, nachvollziehbaren (um nicht zu sagen vorhersagbaren) Melodien und ebensolchen Arrangements. Und ins Ohr schmeichelt sich diese Mischung auch auf sanfte Weise. Den Song "Veil" hat dann sogar ein gewisser Bruno Kramm produziert. Na, den kennen wir doch alle. Klingt deswegen auch nicht besser oder schlechter als die vorherigen Nummern, aber so ein Sticker mit "produced by..." macht sich bekanntlich auch nicht schlecht...;-)

Hätte man sich mit einer EP begnügt, gäbe es kaum etwas an diesem Werk auszusetzen. Klar, der Faktor Innovation ist sehr niedrig, aber nachdem die Ansprüche der tanzwütigen Masse auch nicht höher sind, kann man den beiden Kerlen keinen Strick daraus drehen. Sparen sollen hätte man sich jedoch das Ende, denn da merkt man leider überdeutlich, daß Cesium 137 langsam die Ideen ausgegangen sind. Und ab "Pastlife" wird der ratlose Hörer dann mit überwiegend instrumentaler, fröhlicher Fahrstuhl-Musik konfrontiert, die auch bei "Space Night" oder den nächtlichen DSF-Strips williger Frauen laufen könnte... (sag mal, was kuckst Du eigentlich immer für ein Zeugs, wenn man Dich mit einem Fernbseher allein läßt- tom) wahlweise würde ein Jump & Run-Computerspiel sich auch ein gutes Opfer abgeben. Quasi als hätten hier ein paar findige Techno-Pop-Produzenten ihre Finger im Spiel gehabt und alles Gothic-Appeal rausgeworfen, nur um ein wenig Belanglosigkeit mehr für diese Welt zu erschaffen, denn sie braucht es schließlich! Entspannung endgültig adé, denn das entnervte Hetzen zur Stop-Taste sollte man sich im Urlaub schenken können!

Also lieber Käufer bzw. böser Brenner/Downloader, nach "Winters Edge" bitte abschalten, sonst kann diese CD zu bleibenden Schäden führen! In Weißrußland gilt der Boden als radioaktiv kontaminiert, wenn er mit mehr als 1 Curie (Ci)/km² Cäsium 137 belastet ist. Zu dieser Kategorie gehören heute 43 000 km² (dies entspricht der Fläche der Schweiz). Hier leben nach wie vor 1,56 Millionen Menschen (das sind 19 Prozent der Bevölkerung).
(Zahlen: http://www.chernobyl.com)

Sascha Blach & ToM

 

Tracklist:

1.The storm
2.Atrophy
3.Frayed
4.Apart
5.Echoes
6.Veil
7.Winters edge
8.Pastlife
9.Daybreak
10.Flashpoint
11.Hymn

 
         
 

Links : www.cesium137.com - www.metropolis-records.com - 3sat: 15 Jahre Tschernobyl

 
 
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