THE CURE "THE CURE"

 
Erscheinungsdatum: 28. Juni 2004
Label: Geffen (Universal)
Format: Audio CD
 

Wenn eine Band nach fast 27 Jahren Existenz und 12 veröffentlichten Studioalben einen Longplayer nach sich selbst betitelt, zeugt dies von einer enormen Selbstsicherheit, die Essenz des eigenen Schaffens erreicht zu haben, und ist somit als Statement aufzufassen.

Und dabei galt das Kaptitel THE CURE nach dem gemeinhin zwiespältig aufgenommenen "Bloodflowers" Album schon als beendet. Doch Robert Smith konnte sich mit dem Altersruhestand scheinbar doch nicht so recht anfreunden und trommelte seine Mannschaft nach dem finsteren Ausklang der Cure-Karriere zu einem zweiten Frühling zusammen. Und versteht man "THE CURE" als ein Werk, das stellvertretend für diese Band steht (was der Titel impliziert...), wollte Smith wohl auch noch mal klarmachen, daß er nicht als ewiger Melancholiker in die ewigen Jagdgründe hinab schreiten will. So verbannte er die von Produzent Ross Robinson heiß geliebten Depri-Songs in die Tiefen des Archivs und wählte für die Veröffentlichung auf "THE CURE" vor allem jene Stücke, die trotz aller Schwermut auch ein paar Lichtblicke enthalten.

"THE CURE", der 13. Longplayer der Briten, ist letztendlich zwar immer noch weit davon entfernt, fröhlich zu sein, im Vergleich zu "Bloodflowers" geht es hier jedoch etwas optimistischer und hoffnungsvoller zu Werke, Euphorie und Melancholie halten sich in etwa die Waage. Die von Kindern gemalten Bilder im Inlay lassen sich somit unmißverständlich als Anspielung auf eine gewisse Unbeschwertheit verstehen, die hier in zahlreichen Songs wieder zum Tragen kommt, manchmal leider auch im Negativen, denn einige Stücke klingen etwas unausgereift. Die Songs sind durchwegs flotter und kürzer als auf dem Vorgänger (vom elfminütigen "The Promise" einmal abgesehen...), ohne dabei großes Hitpotential zu eröffnen, denn die Radiozeiten von THE CURE sind schon lange vorbei. Selbst die ausgekoppelte Single "The End Of The World" braucht - ebenso wie das restliche Album - etwas Zeit zur Erschließung, was aber nichts Schlechtes ist. Denn so eröffnen sich dem Hörer dann mit jedem Durchlauf neue Facetten, wenngleich richtig tiefgehende Momente wie auf "Bloodflowers" oder "Pornography" dennoch ausbleiben. Die meisten Songs sind zudem auch nicht so richtig ergreifend und packend. Schlimmer noch: Mit dem euphorisch-schiefen "(I Don't Know What's Going) On" erreicht man sogar einen hohen Nerv-Faktor.

Auch der Sound ist diesmal etwas anders geraten, denn statt einer überproduzierten Studio-Platte versuchte der als Nu Metal Pabst bekannte Ross Robinson auf "THE CURE" das Live-Feeling der Band einzufangen. Vielleicht klingt es auch deshalb etwas roher und ungeschliffener. Die Band spielte weite Teile des Albums live ein und verzichtete auf einen ausgiebigen Mix. Lediglich die Lautstärkenverhältnisse wurden laut Aussage von Robert Smith eingepegelt, so daß hier ein relativ ursprünglicher Sound heraus gekommen ist, dem es manchmal leider etwas an Wärme fehlt, was an den kaum zu vernehmenden Keyboards liegen mag.

Ob der Name "THE CURE" für dieses Album nun wirklich angemessen ist, läßt sich somit anzweifeln, denn trotz vieler guter Stücke, ist die neue CD im Punkto Songwriting definitiv nicht der Höhepunkt in der Karriere von THE CURE und auch die Essenz der Band stellt es keineswegs dar. Doch läßt man die Diskussion um den Titel und die damit einher gehenden Erwartungen einmal beiseite, ist "THE CURE" keinesfalls ein schlechtes Album, und der Großteil aller Fans wird sicherlich seine Freude daran haben...

Sascha Blach

 

Tracklist:

1.Lost
2.Labyrinth
3.Before Three
4.The End Of The World
5.Anniversary
6.Us Or Them
7.alt.end
8.I Don't Know What's Going On
9.Taking Off
10.Never
11.The Promise
12.Going Nowhere

 
         
 

Links : www.thecure.com - www.geffen.com

 
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