EISBRECHER "Eisbrecher"  
Erscheinungsdatum: 26. 01. 2004
Label: Zyx/Golden (ZYX)
Format: Audio CD
   

Ein Schiff sticht in See. Tiefgang: 14,21 m. An Board Alexx Wesselsky und Noel Pix, die beide mit Vollgas durch die Arktis heizen, um das Eis zu brechen. Im Hafen steht traurig Megaherz und winkt zum Abschied mit dem weißen Taschentuch. Die Devise lautet: Auf zu neuen Horizonten - für die Daheimgebliebenen und die zwei Abenteurer. Der Speed-Dampfer läuft mit neuem Sound und legt ein ganz schönes Tempo vor. Grund genug für eine kleine Inspektion.

Der kleine 70 PS Corsa fährt auf die A9 ein und bekommt zum ersten Mal in seiner Existenz Egoprobleme. Er denkt nämlich, daß er ein Sportwagen sei, obwohl er leider nur die geringfügig- phänomenale Höchstgeschwindigkeiten von 130 km/h schafft. Der harte, schnelle Beat lässt die Armaturen vibrieren und die Finger auf dem Lenkrad im Takt klopfen. Was passiert also? Man ertappt sich, beim Zick-Zack Kurs um lahme Lastwagen Spaß zu haben und darauf zu hoffen, von keiner Radarkontrolle geblitzt zu werden.

Vermutlich ist ein besserer und weitaus sicherer Platz, um die neue EISBRECHER CD zu hören, die Tanzfläche. Die Synthese aus Elektroelementen und Gitarrensound spricht verschiedene Zielgruppen an und fährt sofort in die Knochen, denn das ist eben "der Rhythmus, wo jeder mit muss". daß die Aussage der Texte sehr puristisch, minimalistisch, reduziert und sicherlich mit einem Deut Selbstironie gewürzt ist, stört dabei gar nicht. Wer in tieftrauriger Melancholie versinken will, ist hier also fehl am Platze. Die melodiösen Lieder verleiten zum Mitsingen und dabei fängt der Spaß an, denn das kann man - freilich unter Vorbehalten - schon beim ersten Mal. Frei nach der Klabauter- Devise "alles was sich reimt ist gut", lassen sich einige Textstellen erraten…oder auch nicht. Elektrisch…hektisch…fantastisch…elastisch….narkotisch….hyperhypnotisch?!! Das war nicht vorhersehbar, aber wenigstens haben wir der Deutschen Sprache einen Dienst erwiesen und ein neues Wort geschaffen, was ja auch nicht schaden kann. Vielleicht brauchen wir es ja noch...

"Mein Blut", der sich selbst Aufopfernde, der Fetish, die Blutspende. Man spielt gekonnt mit dramatischer, altbekannter Symbolik. Der Pathos wird überspitzt, unterstrichen durch den Enomine-Chor im Hintergrund. Aber warum nicht? Denn Alexxs tiefe Stimme wirkt überzeugend hyperhypnotisch. "Fanatica", die zweite Singleauskopplung - der Titel stellt eine "Bayer-Bedingte" Doppeldeutigkeit her- spricht vor allem die "Tanz-Fanatica" an. Zwischendrin mal das kurze Aufblinken der soften Seite in "Frage", was beweist wir können auch anders. Der versprochene Tiefgang (14,21 m - noch mal zur Erinnerung) stellt sich beim mehrfachen Hören der Cd ein. Die Aussagen sind vage genug, um erst nach und nach durch den Spaßfilter zu tröpfeln. "Willkommen im Nichts" schießt dem geneigten Hörer sofort in die Beine, doch irgendwann filtert sich auch der Text ins Bewusstsein. Ups! Wir dürfen uns angesprochen fühlen und übrigens noch einen lieben Gruß an Bohlen und Konsorten.... und musikalisch der Wink mit der fetten Gitarre- an vergangene Zeiten, denn besagtes Lied hätte auch ein Höhepunkt auf einer megaherzenen CD sein können.

Der Konsument wird in vielerlei Hinsicht von vornherein wohlgemut gestimmt. Sei es durch die ästhetische Aufmachung des Albums oder durch Käuferfreundlichkeit, bedingt durch die zwei Beipackrohlinge, die die musikalische Omnipräsenz von Eisbrecher im gesamten Haushalt ermöglichen. Einen kleinen Wehrmutstropfen gibt es aber. Zu Gunsten der farblichen Harmonie von Cover und Schrift, gestaltet sich das Lesen der Trackliste als eine herausfordernde Aufgabe für interessierte Rätselfreunde, denn nur bei richtigem Lichteinfall, lassen sich die gesuchten Informationen entnehmen. Alles in allem ist EISBRECHER aber ein gelungener Einstieg geglückt, der Lust auf mehr von allem macht.

Und rein zufällig dürfen wir uns auf EISBRECHER LIVE freuen. Ein passenderes Datum, bezogen auf besagtes "Mein Blut", hätte man sich nicht aussuchen können: OSTERSONNTAG, 11.04.04 Top Act Zapfendorf. "Auf die Knie..."

Nadine Judas

 

Polarstern
Herz steht still
Willkommen im Nichts
Schwarze Witwe
Ruhe (Instrumental)
Angst?
Fanatica
Taub-stumm-blind
Dornentanz
Hoffnung (Instrumental)
Eisbrecher
Frage
Zeichen der Venus
Mein Blut
Sakrileg 11
Fanatica-Club-Mix

   

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