FINKENAUER "Finkenauer"

 
Erscheinungsdatum: 06. 09. 2004
Label: Smd Kiddo (Sony)
Format: Audio CD
 

Hallo, kennst Du vielleicht JAW? Und, wie fandst Du das... GUT? Naja, im Grunde brauchst jetzt nicht weiterlesen. Pascal FINKENHAUER ist zwar deren Frontmann, Sänger und Englischtexter, den man einst, vollkommen zu unrecht, einem Vergleich mit Herrn Heppner aussetzte. Jedoch, nichts davon ist wahr und nichts davon ist übrig.

FINKENAUER, das Solodebüt des Schreibers und Sängers, ist nämlich deutschsprachig- und das hochklassig. Allerdings erst auf den zweiten Hinhörer- und das ist auch gut so. Denn hochklassig deutsch, schon beim ersten Anhören, ist zumeist zu kopflastig. FINKENAUER bewegt sich, in der Darbietung seiner Lyrik... nein, nicht aufhören mit Lesen ... seiner Texte, irgendwo zwischen Rap, nein, nicht "kuckst du, hejhoh", Minimal Electro, Rock und Liedermacher, drückt seine Botschaft, die keine ist, in immer neue Zeilenformate und Bilder, zeichnet so eine neue, kompromißlose Kategorie von Solokünstler: Der junge, vom Leben zehrende, und sich verzehrende Mensch mit Geist und dickem Schädel, mit krankhaft anmutender NonKonformität und ... mit dem in Rezession, Jammertal und Schnellschußmentalität abhanden kommenden Mut zum offenen Umgang mit Befindlichkeiten.

"Merkst Du nicht auch, daß die anderen Steine fressen, um sie zu schlucken, nicht zum Spucken, nicht zum Werfen." Dem folgt die Deklaration, da eben nicht hinzugehören. Nein, Deutschrock ist es nicht, dafür fehlen einfach die pathetisch peinlichen Momente. Auch in anderen Gefilden entzieht sich FINKENAUER jeder Beschreibung. "Danke" ist ein unglaublich intensives Liebeslied, weil es eben nicht mit den dafür gängigen Klischees zwischen tragisch bestätigter Verlustangst und schmackhaft verpackter Geilheit spielt. Dafür ein "Danke, daß Du bei mir Ruhe findest"... von einem eigenbrötlerischen, trink- und thinkfesten Musiker mit butterweichem Kern und mit abgeschälter Haut...

Sperrige Stücke, wie "Winde rückwärts" warten darauf, erhört zu werden bzw. auf den Text zum Mitlesen, denn zuviele Weißheiten drängen sich da in den Takten, als das man sie alle mitbekommen könnte, bevor der Song sich verselbständigt und exzessiv schreiend endet. Die meisten Stücke sind aber ruhig, nicht ausufernd, beschränkt auf das Wesentliche und melodisch, allerdings ohne langweilig zu werden, denn sie sind kaschierte Abgründe, in denen sich Hörer und Protagonist dezent suhlen können, sind "beziehungsweise", graben sich mit einer schleichenden Beweisführung, wirklich erlebt worden zu sein, auch in das Herz des Skeptikers.

Natürlich muß man das mögen, und es ist mir bewußt, daß nicht jeder Mensch eine Brücke zu FINKENAUER bauen kann- in welchem Klischee er sich auch aufhalten mag. Wem allerdings deutschsprachige Popmusik nicht sofort Magengeschwüre beschert, wer mit Lyrik etwas anfangen und mit Seelenstrips umgehen kann... dem sollte FINKENAUER Bestätigung und Inspiration sein, vielleicht, weil das Album jeder musikalischen Einordnung trotzt.

Für mich ist FINKENAUER die außergewöhnlichste Veröffentlichung seit Langem und in Sachen Germanenmusik so wichtig, wie die erste Zinoba Scheibe als anspruchvoller Gegensatz zur Masse der flachen Reimereien.

Danke an alle Beteiligten für den Mut zu diesem Werk.

Thomas Manegold

 

Tracklist:

1.Wir schreiben die Gedichte neu
2.Feuer
3.Völlig egal
4.Danke
5.Wind rückwärts
6.Im Park
7.Wieder mal
8.Wenn Du mal gehst
9.Spiegel
10.Oh, meine Freunde
11.Ändern
12.Gedichte

SNIPPET HÖREN

 
         
 

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