Flesh Field "Strain"

 

Erscheinungsdatum: 8. 11. 2004
Label: Dependent (Alive)
Format: Audio CD

 

Drei Jahre hat sich Ian Ross für einen Nachfolger des vielbeachteten "Belief Control" Albums Zeit gelassen, welches er seinerzeit noch mit Herzensdame Rian Miller am Mikro einspielte, die Flesh Field im Endeffekt mit "My Savior" den ersten Erfolg und somit den sogenannten Durchbruch ersang. Mittlerweile ist viel geschehen. Flesh Field wurde von Dependent "entdeckt", Ian Ross denkt über Land und Leute nach und hat somit ein inhaltlich hochambitioniertes und musikalisch sehr wütendendes Album fabriziert.

"Strain" beleuchtet die politische und gesellschaftliche Situation Amerikas aus der Sicht des wissenden Einzelgängers. Und so wird diese Brisanz nur von etwas noch viel Wichtigerem überschattet, nämlich von der dreckigen Wäsche, die Ian Ross mit und über seine ehemalige Partnerin Rian Miller zu waschen hat. (auf diesem Wege eine "Farewell", liebe Grüße aus Zapfendorf und alles Gute für die Zukunft an Rian.)

In diesen Grundtenor mischen sich zuweilen selten unqualifizierte Bemerkungen aus den Reihen der männlichen schreibenden Zunft, die sich von lasziven Fotos der neuen Sängerin schwer beeindrucken lassen und sich eher über den Umstand ausließen, daß Rian mehr Klamotten anhatte, als Wendy. Diese sollte aber nicht nur die schwulen Schreiberlinge, zumindest wenn es um die Musik geht, ausschließlich mit Stimme überzeugen, die allerdings recht geschickt und effektiv verpackt ist. Es kann doch nicht so schwer sein, im Angesicht einer halbnackten Frau zwar Herzklopfen zu bekommen, allerdings ohne sein Urteilsvermögen einzubüßen. Am Ende sollte die hier als Mittel zum Zweck eingesetzte Privatsphäre egal sein können. Daß jetzt die Keyboarderin einer Vorband von Flesh Field die Sangesparts übernommen hat, läßt zwar tief in den PushUp blicken, ändert aber nichts an der Tatsache, daß "Strain" das Highlight der Saison ist.

Das Album ist wütend, bombastisch, tanzbar, äußerst vielseitig in Instrumentierung und Komposition und das inhaltliche Konzept von "Strain" ist einfach nur der Hammer, denn irgendwie wird es dem eigentlichen künstlerischen Ansinnen gerecht, sich dem Zwang zu unterwerfen, sich auszudrücken. Auch wenn Ian Ross weder vor aufgeblasenen Chören halt macht noch vor fetten Gitarren, bleibt ein äußerst homogener Eindruck und ein hoher Wiedererkennungsfaktor, der "Strain" und Flesh Field aus dem Meer der guten ElectroCombos hebt. Anspieltips kann man sich sparen. Zu sehr sind die Titel miteinander verwoben, zu intensiv sind die Gesänge, zu energisch sind die Breaks, als daß ich hier einem Song den Vortritt geben möchte. "Strain" verdient, trotz Eingängigkeit und einer nicht zu unterschätzenden technoiden Komponente, trotz dominanter Technik, den Namen "Album" und ist definitiv Pflichtkauf für die Düsterfraktion der Elektronischen Musik, egal ob Sex nun sellt oder nicht.

Thomas Manegold

 

1.Uprising
2.Haven
3.Reflect the enemy
4.The eucharist
5.Recoil
6.Seethe
7.Voice of dissent
8.Beneath contempt
9.Amoeba
10.The collapse
11.Epiphany
12.This broken dream



 
         
 

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