| HELIUM
VOLA "Liod" ToM- Tip des Monats |
Erscheinungsdatum:
26. 04. 2004
Label: Chrom (Indigo) Format: Audio CD |
|
|
Wie einst "Omnis Mundi Creatura", ist nun "Veni Veni" ein Zugangscode in die Welt des Ernst Horn, einer Synthese aus alter Musik, brillianter elektronischer Kultur, alten und neuen Texten. Da werden musikalische Vergangenheiten wiederbelebt, die tiefer als das vielverklärte Mittelalter reichen und weit darüber hinaus gehen, schwingt sich eine Tradition auf in neue Dimensionen, pulsiert jene verschollene Moderne, die sich nicht in Anleihen aktueller Popmusik erschöpft. Im Gegenteil. Ernst Horn ignoriert das Populäre. Wer das tut und trotzdem am Puls der Zeiten wandelt, ist ein Vorreiter. Das war Ernst Horn schon immer und schafft es, auch nach über 20 Jahren, Wege zu weisen. Ja. Helium Vola ist defintiv Avantgarde. "Ich schreibe keine Lieder für die Love Parade...." sagt Ernst Horn und kümmert sich um nichts, als um seine Vision, sein künstlerisches Ziel. Die vereinzelten musikalischen Brücken, auch in die Dark Wave/ Gothic Szene, sind zwar keine Zufälle, jedoch über die Maxi- Versionen hinaus ein wohltuendes Phänomen, denn damit ermöglicht der Meister vielen Menschen einen Trip in ungeahnte Höhen, auch was Anspruch, Komplexität und eben Schönheit anbelangt. Und so werden wir uns in den nächsten Jahren nicht nur an Stücken wie "Veni Veni" , "Printemps", "Chumenin" und dem "seligen" Ende "Im Lichter Farbe steht der Wald" im Tanzsaal zu Zapfendorf erfreuen. Vielmehr verspricht "Liod", der Flamma Flamma CD des Nicholas Lens mindestens ebenbürtig, ein dauerhafter Klassiker in meiner Sammlung zu werden, denn auch die ruhigen Stücke, wie z.B. "Frauenklage", entwickeln eine unglaubliche Intensität. Um das Genie und die Sängerin Sabine Lutzenberger agierten weitere brilliante Musiker. Wir hören Meister und Meisterinnen ihres Faches. Gesänge und Aufnahmen sind an Exaktheit nicht zu überbieten. Im Vergleich zum 2001 erschienen Album sind die Kompositionen, Arrangements und Sounds über weite Teile abgedehter, die Produktion druckvoller und die Stimmen des Ensembles atemberaubender denn je. Das Album wirkt sicherlich durch die Kollagen Liod 1- 3 und dem sakralen "Zur Heilung" sehr düster, versäumt aber nicht den hellen, fröhlichen Ausklang, sodaß der intensive Hörgenuß einen entspannten und positiven Ausgang hat. Und Helium Vola hat Konzept. Aus Fähigkeiten und Leidenschaften, aus Gefundenem, Geborgten und erschaffenen Facetten entsteht etwas inhaltlich und formell Neues. Das Werk beginnt zu leben, verselbständigt sich. "Liod" verwebt den Leidensweg eines Kindes mit den Sichtweisen der mittelalterlichen Frau auf Liebe und Tod. Ebenfalls erscheinen Fragmente von Themen aus dem ersten Helium Vola Album. Diese Dinge sind aber, selbst vom Standpunkt eines Konsumenten jenseits der Popkultur, nicht so einfach nachvollziehbar. Sie sind aber wichtige Stützpfeiler im Entstehungsprozeß dieses Kunstwerkes, dessen Konzept man erfühlen kann, ohne altprovinzialisch oder altportugiesisch sprechen zu können. Zwar gestattet das umfangreiche Texthandbuch mit deutschen Übersetzungen ungeahnt tiefe Einblicke in die Materie, jedoch ist das entscheidende für musiktheoretische Banausen, wie mich, wie sich so ein Werk anfühlt. Mehrstimmige Perfektion berührt die Seele. Wenn nichts "daneben" schwingt, gestatten sich die Nackenhaare eine Berg- und Talfahrt. Darin begründet sich auch, daß Ernst Horn mit Deine Lakaien, Qntal & Helium Vola schon eine ganze Reihe untanzbarer Lieder erschaffen hat, die für volle Tanzflächen sorgen, sofern der DJ ein Rad ab und Ausdauer hat ;-) Wer sich auf "Les habitants du soleil" eingelassen hat, weiß, was ich meine. Solche Stücke gibt es auch auf "Liod". Sie brauchen Zeit, ein studiertes Hirn oder ein staunendes Herz. Ich bin
schwer begeistert, ja verzückt. In Helium Vola "Liod"
habe ich ein Album gefunden, daß sich aus der Masse der Veröffentlichungen,
gleich welchen Genres, aus eigener Kraft erhebt und nach Superlativen
schreit. MUSS man haben. Danke!
|
Liod-1
Ernst
Horn Gerlinde
Sämann (voc) |
|
|
Links: offizielle Homepage |
Bestellen
bei
|
|
| (c) subKULTur 2004 - nach hause - inhalt - archiv - cd kritiken - thursday |