KONTRAST – Industrie Romantik

 
Erscheinungsdatum: 22. März 2004
Label: Upscene (Indigo)
Format: Audio CD
   
„Nr.1 in der Hölle“ - so heißt ein von Kontrast als „Club-Hit“ konzipierte Song der Platte „Industrie Romantik“. „Nr.1 in der Hölle – das will ich sein,“ wird gefordert und solch nachhaltiges Verlangen soll man nicht zurückweisen…

Mitten auf meinem Lebenswege, fand ich mich plötzlich in einem dunklen Wald wieder - vom rechten Wege abgekommen. Alsbald erklomm ich einen Hügel und wart bedroht von blutrünstigen Bestien, doch das Schicksal zeigte sich gnädig. Es kam mir ein edler Fremder zur Hilfe, um mich zu erretten aus meiner Not. Die wilden Tiere wurden seiner einschüchternden Präsenz gewahr und entschwanden feige ins Dickicht. Mein Retter war in schwarze Gewänder gehüllt, das Antlitz im Schattenwurf der Kapuze versteckt. „Mein bleiches Kind, hinabsteigen müssen wir in die tiefsten Pfuhle der Hölle, um dann den Berg der Erkenntnis zu erklimmen, hinauf zur Stadt des Himmels“, sprach er mit einer angenehm tiefen Stimme, die schneidend und kalt war, wie Eiskristalle. Ich nickte eifrig, denn er war mir auf Anhieb sympathisch. Die Hölle zu sehen, klang verheißungsvoll aufregend und der kleine Sadist in mir, rieb sich bereits in heller Vorfreude die Hände.

Wir betraten nun tapfer den ersten Kreis der Hölle. Die Ebene war weit und kalt. Es lagen grausam misstönende Stimmen in der Luft, die wie apokalyptische Reiter auf Wellen von Bassgeschepper ritten und sich mit Mark Oh’s in den 90igern ausgedienten Elektrorhythmen, zu einem verstörenden Raunen – ja gar einer Kakophonie des Grauens, verbanden. Die verdammten Seelen schrieen in schier unglaublicher Agonie, als die espritlosen Plattitüden, wie Harpyien auf ihr nacktes Fleisch hinabstießen und es zerhackten.
Mein stürmisches Herz wollte gar stockten, als ich weiter hinten eine komplett ausgestattete Tanzfläche sah, auf der drei Gestalten schier gegen ihren Willen, eine wilde Tarantula tanzten. Aus den Lautsprechern tönten Wörter, die mein Trommelfell wie Peitschenschläge geißelten. „Boooooy, Menschentorte, Sternschnüppchen, Sonnenschein, Formulator von Beruf, Kennzeichen Geld wie Heu…,“ die letzten Worte hallten bedeutsam in die Leere nach.

„Werter Meister, sprecht! Wer sind diese armen Sünder dort?“ Die Neugierde stand mir ins Gesicht geschrieben.
„Einst waren diese Herren sehr despotisch und hießen die tristen Goten höhnend zu tanzen, doch nun ereilte sie die Strafe für ihr Treiben. Denn niemand darf den Kindern der Nacht spotten, sei es nicht auf kunstvoll kryptische Weise.“
Ich nickte eifrig (hauptsächlich auch um diesen Ort des Elends hinter mir zu lassen) und war auch sehr erleichtert, da wir uns schon zum Gehen wanden.
„Folge mir! Hinfort von dieser kalten Einöde und blicke nicht zurück! Noch gibt es Hoffnung für die armen Teufel, “ sprach mein Führer. Unversehens glitzerten seine harten schwarzen Augen verschlagen, „ Verzweifle nicht! Ich kenne weiter unten ein Knochenhaus, wo die Verheißung guter Musik uns erwartet und Labsal für die geschundene Seele verspricht.“

Nadine Judas

 


Tracklist:

Endlos (Intro)
Zeit
Nr. 1 in der Hölle
Der Komputer Nr. 3*
KND (KurzNachrichtenDienst)
Eisberg
Versprochen?* (Albumversion)
Hertzblatt
Synthetisches Leben
EKM (Elektronische Körper-Musik)
Der Elektro-Halm (Tanzbefehl!)
Fragen
Spieluhr (Outro)

   

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