THE COLD "After All"

 

Erscheinungsdatum: Juli 2004
Label: Sonorium/SX Distribution
Format: Audio CD

 

Mein erster Blick mit qualitätsbedachter Prüferbrille in das Booklet der im Juli 2004 bei Sonorium und SX Distribution erschienen THE COLD - Platte „After All“ wird von einer düster-romantischen, auf merkwürdige Art ‚leisen' und ‚gesetzten' NostalgieIdylle gebannt...

Auf der Cover-Innenseite finde ich die Antwort auf meinen windeseiligen Anflug von Mißtrauen: hier wird – alles in Mystik ausbreitenden Sepia-Tönen gehalten – ein abgewetzter Stadtteil, vielleicht durch Bombenangriffe verletzt, mit dem Lauf der Zeit und Dinge eingegangen oder menschenverlassen und unbewohnt, abgebildet. Eine beklemmende, unbehagliche Ruhe macht sich auf den Kulissenportraits breit. „World came down“...Ja - „After All“ erzählt die Geschichte von einer Welt, die abseits unserer alltäglichen Wirklichkeit stattfindet – oder ein kleiner unbekannter und einflußgebender Teil von ihr ist...

Wer Old-School-Wave schätzt und sogar mag, wird sich beim Hörgenuß des ganzen Albums im Zeit- und Raumkontinuum auflösen, wird sich treiben lassen und die Hingabe zur Musik seines Kalibers neu entdecken. „After All“ ist eben von Haarpore bis Fußnagelende liebevoll und von schwerer Romantik durchflutet, daß es nur so trieft. Im Allgemeinen wird jeder Fan, Groupie oder Anhänger von namhaften Künstlern wie „The Cure“, „Joy Division“ und „Chameleons“ eine Sympathie für die Frankfurter Wave-Formation verspüren – wenn auch aus purem Mitleid ... (keine Macht der Schablonenschieberei).

Auf den Brettern ist die Combo ein vergnügendes Erlebnis. Man zeigt sich meist von seiner angeödeten, desinteressierten Toleranzschokoladenseite („Show must go on“); es wird niemandem weh getan (Selbstverstümmelung und Weltschmerz nicht einbezogen) und der Verzicht auf ein Schlagzeug aus Tierfellen wird sicherlich keine Protestaktionen bestimmter Organisationen, die sich in hysterischer Empörung krönen, verursachen.

„The Cold“ gingen mit diesem reizenden Longplayer einen sicheren und entschlossenen Schritt – aber wohin? Wohlbehütet, in pazifistischem Duktus, mit frischem Sexappeal und taffer Coolness bringt man das Trivial um die Ecke und demonstriert eine polyton-strukturelle Kompositionsarbeit mit interpretationsvariablem Konzept.Interessant, verlockend und bei genauerem Hinsehen erstaunlich, was deutsche Künstler zu gebären vermögen. Kinder dieser Welt, ihr müßt doch nur wollen...

Marco Reinbold

 

Tracklist:

1. Intro
2. The End
3. Never Let You Go
4. Summernight
5. In Your Eyes
6. Sorrow
7. Never Fall Again
8. No Time
9. Sleep But Never Dream
10. After All
11. Hate You
12. World Came Down

 
         
 

Links : www.thecold.de

 
 
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