DEMENTI "Für heute reichts" |
Erscheinungsdatum: 4. 10. 2005 |
|||
| "Für heute reichts" soll Robert Steinhäuser einem Lehrer entgegnet haben, als der ihn aufforderte, ihn zu erschießen und ihm dabei in die Augen zu sehen... Ob die sympathische Thüringer Band diese Verbindung zum Massaker im Erfuter Gutenberg Gymnasium anpeilte ist natürlich pure Mutmaßung. Aber sie ist angesichts des massiv neurotisch-kaputten Textwerkes sicher nicht allzu weit hergeholt. Denn Dementi werden auf ihrem zweiten Werk einen Tick härter und einen gehörige Portion kränker. Und das wird sicherlich einige Wogen auf den Wassern machen. Es werden gähnend langweilige, wie unzutreffende Rammstein Vergleiche bemüht werden, da sich das Familienunternehmen Dementi mit diversen erlebten oder erdachten sexuellen Frustrationen auseinandersetzt und mit Bratgitarren untermalt. Doch es verhallen einige bemüht bösartigen Phantasien in sperrigen Reimen und so mancher vielversprechende Ansatz ist dann doch, besonders gegen Ende des Werkes, eher ein Sturm im Wasserglas. Zu oft wir die Waffe gezückt, zu oft droht der Protagonist damit, durchzudrehen, ohne es schlußendlich zu tun. Doch man tut dem Album unrecht, wenn man es deshalb zerreißen würde. "Für heute reichts..." ist ein dicht arrangiertes Feuerwerk der Gefühle, kanalisierte Angst, angestauter Haß, ja empfundener Ekel beim Blick auf den Weltenlauf vor der Haustür und im Fernsehen. Dementi hat das, was gerade heute den meisten Bands fehlt: Dementi ist originell, paßt nicht in den konstruierten Massengeschmack und das ist, angesichts einer allseits angestrebten Einheitsästhetik, natürlich eher gewöhnungsbedürftig. Das einzige, was dem Quartett fehlt, ist eine außenstehende Instanz, ein Mensch, der emotional unbeteiligt ist. Der selbstkritische, korrigierende und selektierende Blick auf das eigene Werk ist nahezu unmöglich, wenn man dafür blutet und schwitzt, sich dafür geißelt und seine Gefühle offenbahrt. Deshalb sind, neben zwar eigentümlichen, aber doch großartigen Liedern, auch ein paar halbgare Brocken auf die CD gekommen, die das Gesamtbild ein wenig verzerren. Trotz des unzweifelhaften Quantensprungs in ihrem Schaffen bleibt zudem ein Fragezeichen stehen, daß sicherlich nicht dort stehen soll, denn es erscheinen mir Aussagen und der Symbolismus im Cover und in den Texten unfreiwillig kryptisch zu sein. Soll das Familienporträt mit dem ersten selbstbezahlten Auto eine Kritik an übertriebenen Männlichkeitswahn darstellen oder ein Bekenntnis dazu sein? Wahrscheinlich beides, denn das Chauvinistenschwein schlummert in uns allen. Jetzt wird Sänger und Texter Nico Amarell natürlich protestieren: Es ist kein Schwein... es ist ein Hengst... aber sei es drum, egal ob die Band sich in noch tiefere Abgründe hineinwagen oder über den Sonnenschein singen wird. Was sie in Zukunft braucht, sind ein paar mitreißende Choruspassagen und ein Produzent. Aber dann könnte es durchaus auch für die Top Of The Pops reichen und das wäre für Dementi sicherlich eher eine Drohung. Im Anbetracht des hier absolvierten totalen Alleingangs ist dem Vierer trotzdem oder gerade deshalb Anerkennung, Achtung und Ermutigung entgegenzubringen. Und "Für heute reichts..." ist eine sicherlich ungewohnte, aber dem gelangweilten Rockmusik- Konsumenten bestimmt willkommene Auseinandersetzung.
|
Tracklist: 1.Leise Stimmen |
|||
|---|---|---|---|---|
|
Links : www.DEMENTI-band.de |
||||
| (c) subKULTur 2005 - nach hause - inhalt - archiv - cd kritiken - DEMENTI |