Diary Of Dreams "MENSCHFEIND"

 

Erscheinungsdatum: 7. Februar 2005
Label: Accession (Indigo)
Format: Audio CD

 

Beklemmend, befremdlich, verfremdend, an manchen Stellen unangenehm nahe... Autsch. Das ist sie also, die EP zur anstehenden Tour, die fast im selben Turnus wie einst "Panik Manifesto", dem aktuellen Album der kleine Bruder sein soll. Gelungen, denn "MENSCHFEIND" ist alles Mögliche, nur eben nicht B- Ware vom Nigredo Album und nimmt grafisch das mit dem kleinen Bruder dann auch leicht sarkastisch betrachtet, wörtlich.

The (Six Years) Old Boy ... Das Cover setzt Maßstäbe (wie immer), gliedert sich nahtlos, wie auch die Musik, in die Serie der exzellenten Werke aus dem Hause Diary Of Dreams ein, ist vielleicht auch, durch jene zentrale Gestalt, das heftigste, ausdruckstärkste, was bisher von dort aus losgelassen wurde, die Welt der Gestalter in Verzückung zu stürzen (und vielleicht auch in Verzweiflung, es ihnen nicht gleichtun zu können). Mit 40 Minuten Spielzeit macht die EP dann auch so manchen sich "Album" nennenden Scheibchen quantitativ diese Bezeichnung streitig.

Sicher gibt es wiederum Parallelen zu den bereits bekannten Attributen von Diary Of Dreams, doch immer in dem Rahmen, den man Widererkennungswert nennt. Mit "MENSCHFEIND" , "Haus der Stille" und "Treibsand" ist der mutterprachliche Anteil dann schon mal 40% und auch die rhythmische, tanzbare Seite ist hier deutlich präsenter, als auf dem Album. Trotzdem brauchen die Lieder einen zweiten Durchlauf. Dann aber beißen sie sich fest. Fester...

Irgendwie ist es beängstigend, mit welchem Pensum hier Qualität zum Vorschein kommt, mit welcher gleichmäßigen Eleganz sich weder ein Schwachpunkt noch eine Oberflächlichkeit gegönnt wird. Lediglich "Treibsand" haftet ein Hauch von Pop, im Sinne von Eingängigkeit an. Der Rest ist Futter für die kranke Psyche. Ob sie davon genesen wird, oder noch tiefer in der Depression versinkt, erscheint Auslegungssache zu sein und für Werk und Künster nicht von Belang. In dem Maße, wie man das sich vorantreibende Konzept vermehrt philosophisch zerpflücken kann, gestatten Musik und Texte auch psychologische Betrachtungen, die uns aber immer nur einen Protagonisten zeichnen, der mal ein Schattendasein führt, dann wieder zur Lichtgestalt ersteht. Das schöne an Diary Of Dreams ist, daß man, neben allem Anspruch und den 100 Möglichkeiten, sich darob das Hirn zu zermartern, sich immer noch einfach nur verstanden fühlen darf und kann...

Thomas Manegold

 

Tracklist:

1.MenschFeind
2.Haus der Stille
3.Day-X-Relic
4.Killers
5.Treibsand
6.the cage
7.Pentaphobia

 
       
 

Links : www.diaryofdreams.de

 
 
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