FEINDFLUG "Volk und Armee"

 

Erscheinungsdatum: 31.10.2005 BLACK RAIN
Format: Audio CD

 

Feindflug sind mit ihren kontroversen Industrial Dance Konzeptalben dabei, dem Untergrund zu entsteigen. Was mit Frühwerken, wie "Stuckas" & "Kahle Bedrohung" Inseln wissender und hüpfender Menschen hervorbrachte, zu denen auch das Top Act Zapfendorf gehörte (mußte mal gesagt werden), rief vor allem das mit Kriegssamples bestückte "Im Visier" und das erste selbstbetitelte Album die Moralisten und "Gegen Rechts" Fanatiker auf den Plan, die mit einer geistlosen Hetzkampagne aber den komerziellen Erfolg von Feindflug maßgeblich ermöglicht haben.

Inzwischen sind Samples aus diversen Kriegen in der ElectroSzene so hip, wie Glühwein zu Weihnachten. Leider, muß man sagen, denn längst schon sind markige Sprüche und einschlagende Bomben zum drögen sinnfreien Effekt geworden, ähnlich wie Labereien über Tod, Teufel, das Böse und über das, was man mit der zickigen Nachnarin anstellen möchte. Die Welt ist krank und diejenigen, die sich darüber aufregen, sind es zwangsläufig auch. Um dennoch gehört zu werden muß man gut sein und große Geschütze auffahren. Letzteres haben Feindflug wieder wörtlich genommen.

Auch wenn "Volk und Armee" nach der konzeptfreien Platte "Hirnschlacht" thematisch wiederum ein Kriegsalbum ist, so ist Feindflug weder eine zackige Gesinnung noch eine Verherrlichung der Kriegsthematik zu unterstellen. "Volk und Armee" suhlt sich eher in den totalitären "linken" Aufmärschen, Waffensystemen und Fahneneiden. Interessant ist dabei, daß die Stimmung der Scheibe sich nicht von den FF Stücken unterscheidet, die sich mit den überwiegend deutschen Fronten der ersten beide Weltkriege auseinandersetzten.

Die Band bemüht sich also wiederum um Inhalte, während sie versucht, die Fans zu bedienen, ohne sich musikalisch zu wiederholen. Das gelingt ansatzweise sehr gut, wenn bekannte Melodiebögen gewissermaßen "erwachsen" werden. Allerdings haben einige Lieder Brüder undSchwestern auf anderen Feindflug Platten und das ist manchmal etwas ermüdend. Dennoch wird die Tanzbein schwingende Fraktion sich weltweit über "AK 47" und "Ätherkrieg" freuen können, und vielleicht über "Gulag". Erstgenannte sind Meisterwerke im Schaffen des Duos, jedoch muß sich Feindflug diesmal einen derben Kritikpunkt gefallen lassen. Zwar waren Felix und Banane nie die Frickler, wenn es um das Einbetten von Samples ging, jedoch habe ich selten so grottenschlechte Samples hören dürfen, wie auf "Volk und Armee". Teilweise klingen sie, wie mit dem Diktiergerät von alten Tonbändern mitgeschnitten und machen damit jede Bemühung zunichte, ein nachvollziehbares Konzept zu gestalten.

Die Nachahmer und Konkurrenten schlafen nicht, deshalb sei es gestattet, bei den Pionieren sangesfreien Tanzindustrials etwas genauer hinzuschauen. Optisch, mit kohlrabenschwarzen Scheiben im schweren, mit Propaganda Plakaten und Motiven ausgestatteten Digipack, ist "Volk und Armee", bei allem Grundrauschen, eine wirklich gelungene Scheibe, ein wuchtiger Opus über die Abgründe des Menschseins, der musikalisch bei seinem Publikum keine Wünsche offen läßt.

Kontrovers ist das abschließende Statement, das eine "Todesstrafe für Kinderschänder" fordert und somit dem "Sterbehilfe" Konzept aus früheren Feindflug Tagen direkt widerspricht.

 

Thomas Manegold

 

Tracklist:

1.Einmarsch
2.Standgericht
3.Ak 47
4.Truppenschau
5.Feuerpause
6.Schmerzgrenze
7.Tauchfahrt
8.Feindbild
9.Sperrfeuer
10.Leere Gräben
11.Ätherkrieg
12.Gulag
13.Neue Sieger
14.Tsfks

 
         
 

Links : www.feindflug.info

 
 
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