KING´S X "Ogre Tones"

 

Erscheinungsdatum: August 2005
Label: Inside Out (SPV)
Format: Audio CD

 

King´s X ist ein Trio, das schon mit seinen ersten Veröffentlichungen das Verständnis von Rock und Metal maßgeblich erweitert hat. Seit dem zweiten Album "Gretchen Goes To Nebraska" gehörte die Band zu meinen absoluten Faves, obwohl nichts ansatzweise Vergleichbares mich ebenfalls zu begeistern vermag. Trotz der alles überdauernden musikalischen Vision und die hier tonwerdenden Genialität blieb der Band bislang der große Durchbruch versagt, auch weil sich Plattenfirmen und Rezensenten bei der Einordung und Klassifizierung von King´s X immer wieder die Zähne ausbeißen.

Doch Kings X genießen, nicht nur in Amerika, sondern weltweit, einen gleichsam überirdischen Ruf bei Fans, Kollegen und renommierten Musikjournalisten. Ich erinnere mich an einen Kollegen namens Holger Stratmann, der für ein großes Metalmagazin damals gleich fünf KingsX- Liederkategorien entwarf, um beim Einordnen dann noch eine sechste erfinden zu müssen...

Auch heute noch sind Ty Tabors Gitarrenspiel und Doug Pinnicks Stimme Unverkennbarkeiten, denen eine immense Bandbreite musikalischer Ausdrucksformen gegenübersteht. Ausflüge in die psychedelischen 60er treffen auf straighte Abgehnummern, ein orgiastischer Groove auf sperrige Tempiwechsel. Kitschige Balladen wechseln sich mit wütenden Verlautbarungen ab und verklärte Religiösität trifft auf Bitterkeit und Enttäuschung. Freude und Leid werden Text und Ton...

Dennoch haben solche Bands wie Kings X in den frühen Neunzigern zu einem Verständnis und zu einer Offenheit bei den Hörern von Rock und Metal beigetragen, der dem heutigen Publikum eindeutig fehlt. Anfang der 90er waren Kings X Exoten unter vielen. Crossover nannte man das, was anfänglich noch eine Mischung aus Metal und Hardcore war, dann aber für eine Unmenge weiterer Einflüsse in die laute Stromgitarrenmusik herhalten mußte. Faith No More und Clawfinger sind da nur die bekanntesten Eckpfeiler, denn unter diesem Dach tummelten sich Bands, wie Mordred, Living Colour, oder die wiederauferstandenen Mothers Finest, die unter anderem Funk & Soul mit einbrachten. Der Warwick Baß feierte seine Hochzeit im Metal ebenso, wie dies die Blütezeit von progressivem Gefrickel war, aus der offensichtlich nur Dream Theater übrig geblieben ist.

Man kann in dieser Zeit ruhigen Gewissens auch Wurzeln des Grunge finden und die Anfänge des gegenwärtigen Extreme Metal Hypes. Und man kann behaupten, daß alle Spielarten in der gegenwärtigen Stromgitarrenmusik spätestens damals ihren Anfang nahmen. All diese unglaublich innovativen Bands trafen innerhalb der Metalszene auf eine nicht gerade kleine Gruppe von Leuten, die alle diese neuen Einflüsse mochten und bereit waren für waghalsige Mixturen- jenseits von inzwischen wieder vorherrschenden Klischees.

Selbst in dieser Zeit neigten Kings X dazu, Hörer zu überfordern. Jedes Album war zwar einerseits unverkennbar Kings X, andererseits aber immer vollkommen anders, als sein Vorgänger. Dies änderte sich erst mit den letzten Veröffentlichungen, in denen sich Routine und eine vorhersehbare stilistische Festlegung einschlich. "Ogre Tones" ist dann auch ein weiteres Unikat, ein grooviger, zum Teil psychedelischer Rock-Meilenstein, der den Klassikern der Band zur Ehre gereicht und der sich, nur durch sein Überangebot an Melodie und lyrischem Tiefgang, als "nostalgisch" erweist.

Da man "Ogre Tones" durchaus als ein Spätwerk sehen kann, wird dem Kenner der Band dennoch eine faszinierende Zeitlosigkeit auffallen, die das Kings X Schaffen ausmacht. Auch wenn der Dreier sich seit dem 96er Werk "Ear Candy" auch mal wiederholt, ist seine Musik alles andere als Retro. Sie klingt erfrischend zeitgemäß. und dennoch sollte der einstige Fan eher den Test machen, als der Neueinsteiger, denn eine King´s X CD solle jeder Musikliebhaber mindestens daheim haben.

Thomas Manegold

 



Alone
Stay
Hurricane
Fly
If
Bepop
Honesty
Open My Eyes
Freedom
Get Away
Sooner Or Later
Mudd
Bam

multimedia with video
Final version
extra surprise track

Musiker:
Doug Pinnick – bass, vocals
Jerry Gaskill – drums
Ty Tabor - guitars

 
         
 

Links: http://www.insideout.de

 
 
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