NINE INCH NAILS "With Teeth"

 

Erscheinungsdatum: 2. Mai 2005
Label: Interscope (Universal)
Format: Audio CD
IndustrialRock

 

Trent Reznor hat, seit "The Downward Spiral" erschien und aus ihm eine Legende machte, immer schwere Geburten um das jeweils neue NIN Album inszeniert. Jeder Musiker hatte ihn bewundert, weil er das beste und wichtigste und superlativste Industrial Album aller Zeiten erschaffen hatte. Keiner hatte ihn darum beneidet, als er diesen Status toppen mußte. Dann kam "The Fragile" und war so ganz anders und dennoch vom selben großen Kaliber "wegweisend". "With Teeth" versucht ebenfalls gar nicht erst irgendwo anzuknüpfen. Es glänzt durch Schlichtheit.

6 Jahre und 100 Exzesse nach dem versörten und zugleich mächtigen "Fragile" Opus hat sich Herr Reznor wieder von sich selbst befreit und neu erfunden. Das Erscheinungsbild ist schlicht und modern. "With Teeth" glänzt optisch durch eine gute Graphik, kommt aber mit einer Aussattung daher, die anderen Künstlern das Genick brechen würde. In einer Zeit, in der man schwindende Verkaufszahlen mit Bonus CDs , fettesten Booklets und edelsten Hüllen kompensieren will, erscheint ein NIN Album gänzlich ohne Begleitheft, als nackte CD... Frechheit und Methode. Daß es brachial gut produziert ist und einmal mehr in Punkto Sound Maßstäbe setzt, versteht sich von selbst.

Der Inhalt, vom Kracher bis zur Ballade, setzt sich zusammen aus den strukturell kompaktesten NINE INCH NAILS Songs und den bislang belanglosesten Stücken aus der Reznorschen Klangschmiede. Trent Reznor will dabei weder den Rock retten noch den Industrial verraten. Er scheint einfach ein Faible für das Unmögliche zu haben. "With Teeth" ist offensichtlich der Versuch, eine ganz normale Musik CD herauszubringen, der man in einem Jahr nicht wundersame Dinge nachsagt. Und in der Tat glänzt das Album durch straighte Rocknummern und nervt mit ein paar monotonen Schräglagen. Höhepunkt ist die typische NIN Ballade "Right Where It Belongs", dicht gefolgt von den kompakten Sachen a la "The Hand Thats Feeds", wobei mir schleierhaft ist, wieso Herr Reznor den Song quasi schon entschuldigt hat....

In der Tat sympatisiere ich mit dieser gefälligen, konventionellen und rockigen Seite von Nine Inch Nails, die auf diesem Album zum Tragen kommt, weil sie die ehrlichste Momentaufnahme zu sein scheint und auch mit Blick auf das NIN Gesamtwerk sinnvoll ist. Die Single "The Hand That Feeds" ist diesbezügliches Glanzlicht. Ich vermisse einen ähnlichen weiteren Ohrwurm und doch gelingt es, beim wiederholten Durchlauf des Albums, das System, dahinter zu akzeptieren und "With Teeth" in die Reihe der würdigen Nachfolger eines Überalbums einzureihen. An "The Fragile" oder "The Downward Spiral" wird es nicht herankommen, geschweige deren Langlebigkleit erben, sollte es wohl auch nicht. Eines ist also auch 2005 noch nicht geschehen: Herr Reznor hat immer noch keine Erwartungen erfüllt und er hat sich immer noch nicht wiederholt. Gut so.

Thomas Manegold

 

Tracklist:

1.All the love in the world
2.You know who you are
3.The collector
4.The hand that feeds
5.Love is not enough
6.Every day is exactly the same
7.With teeth
8.Only
9.Getting smaller
10.Sunspots
11.The line begins to blur
12.Beside you in time
13.Right where it belongs
14.Home

 
       
 

Links : www.nin.com

 
 
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