PINK FLOYD "London 1966/67 "

 
Erscheinungstermin: 19.09.2005
Produktion: 1967
Format: DVD
 
 

Avantgarde ist ein französischer Militärbegriff für die Spähtrupps einer Armee, für die Vorreiter. PINK FLOYD, die Band um Rick Wright, Nick Mason, Roger Waters und David Gilmour, war echte Avantgarde, dem Heer der Musiker meilenweit voraus und sie zählt zu den größten Innovatoren der Rockmusik.

Noch bevor das Doppelalbum "The Wall" 1979 zum Monument wurde, schrieb PINK FLOYD mit Alben, wie "Dark Side Of The Moon" und "Wish You Where Here" bereits in den frühen Siebzigern Musikgeschichte. Pink Floyd experimentierte bereits mit Quadrosound, als die meisten Menschen daheim noch mono hörten und gilt zudem als die erste Formation, die Synthesizer konsequent und dominant für Klang und Musik einsetzte. Seitdem und bis heute steht der Name Pink Floyd für herausragende, atmosphärische und großkonzeptionelle Klangkunst, denn ihre Pioniertaten im Bereich elektronischer und experimenteller Klangschöpfung sind auch heute alles andere als überholt.

Die ausufernden Werke kryptischer, sphärischer Melancholie hatten, neben Roger Waters späteren autobiographischen Bezügen, anfänglich eine weitere große Inspirationsquelle. Sie waren geprägt vom schrittweisen Ausstieg und Niedergang des Gründungsmitglieds und Namensgebers Syd Barrett, der anfangs wegen seines massiven Drogenkonsums zeitweise , und bereits 1968 ganz durch David Gilmour ersetzt wurde.

Wir begeben uns also mit vorliegendem Scheibchen in eine Zeit vor der Zeit, denn bevor all die heute noch allseits bekannten Dinge passierten, war die selbe Band wichtigster und bekanntester Bestandteil des Psychedelic Rock, einer Strömung, die selbst die Beatles prägte, die mit den Doors verknüpft ist und deren Aufstieg und Niedergang fest mit der Entdeckung, Popularisierung und dem Verbot von LSD zu tun hat.

Und um diese Zeit vor der Zeit dreht sich diese DVD und will also gar nicht ein neuerlich aufgeblasenes Konzert aus den Anfangstagen sein. Vielmehr ist der Dokumenarfilm „Tonight, let’s all make love in London” von Kultregisseur Peter Whitehead zu sehen, ein Zeitdokument über besagte Psychedelic-Szene Ende der 60er Jahre. Zu den Songs "Interstellar Overdrive" und "Nicks Boogie", beides in noch frühen Fassungen, sind hier Collagen aus schreienden Teens, bemalter und nackter Haut und doch immer wieder experimentelle Großaufnahmen der Musiker während einer Studio-Session zu sehen. Das ist unbestritten Kult und zudem ein Meilenstein hin zu jener Schnittästhetik, die wir seit den 80ern in unseren Musikvideos wiederfinden.Natürlich hat das Bildmaterial zuweilen mäßige Qualität und auch der Ton ist nicht auf dem Stand der Zeit, auch wenn der hier krendenzte 5:1 Sound überraschend gut geworden ist. Aber das ist keine Beanstandung.

So rein rechnerisch müßten das sogar die ersten Pink Floyd Tonaufnahmen überhaupt sein, denn sie entstanden im Jahr 1967, zwei Jahre nach den ersten gemeinsamen Gehversuchen der Musiker und noch vor der Veröffentlichung des ersten Pink Floyd Albums "THE PIPER AT THE GATES OF DAWN". Spontan mietete sich Whitehead ein Londoner Studio, nachdem er ein Konzert der Band gesehen hatte und ihre Musik als Untermalung für seinen Film benutzen wollte.

Die Faszination, die Pink Floyd auf Whitehead auslöste, bescherte uns also diese historischen Aufnahmen aus den ganz frühen Tagen einer der größten Rockbands aller Zeiten und somit die Möglichkeit, sie auch heute noch zu vestehen- im nun mittlerweile verfälschten Kontext der Auflösungen, Reunions und hochaufwendigen Welttourneen als technisierte Dinosaurier. Ob das allerdings den Namen der Band als Interpret und Darsteller in dieser Größe rechtfertigt, darf man anzweifeln, denn ursprünglich geht es hier um einen Kunstfilm und um eine bestimmte Ära der Musik, nicht aber primär um Pink Floyd.

Anzulasten ist der Scheibe außerdem, daß sie als vollwertige DVD dann doch versagt, da das verbratene Material insgesamt nicht ausreicht, dem Umfang und der Vielseitigkeit des Mediums gerecht zu werden. Das Bonusmaterial ist inhaltlich dünn, ua. weil die Befragten dann doch nicht sonderlich viel zum Thema sagen. Die Interviews sind also eher Beigaben und der Haupteil kein gewohntes, bonbonfarbenes Digital Entertainment, daß unsere pastell- plüschig- bunten Hör- und Sehgewohnheiten bedient, sondern körnige, Phantasie einfordernde Zeitgeschichte und Dokumentation. Allerdings nicht trocken, sondern mit einer hypnotisierenden Intensität.

 

ToM

 

TRACKLIST:

- Interstellar Overdrive
- Nick's Boogie
- Interview with Mick Jagger, Michael Caine, David Hockney & Julie Christie
- Footage capturing the London scene in the late sixties
- Overview with Director Peter Whitehead

AUS DER DISCOGRAPHIE

Pink Floyd Alben mit S. Barrett, psychedelische Phase:

The Piper at the Gates of Dawn (1967)
A Saucerful of Secrets (1968)

Pink Floyd Alben nach Barrett, atmosphärisch, ätherisch:

More (Soundtrack, 1969)
Ummagumma (1969)
Atom Heart Mother (1970)
Meddle (1971)
Obscured by Clouds (1972)
Dark Side of the Moon (1973)
Wish you were here (1975)
Animals (1977)

Pink Floyd Alben mit inhaltlicher Dominanz R. Waters:

The Wall (1979)
The Final Cut (1983)

Pink Floyd Alben ohne R. Waters:
A Momentary Lapse of Reason (1987)
The Division Bell (1994)

hinzu kommen viele Live Alben, Compilations und DVDs.

 
 

   
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