PINK TURNS BLUE "Phoenix"

 

Erscheinungsdatum: 4. 04. 2005
Label: Orden (Alive)
Format: Audio CD
"Dark Wave"

 

So manche Band hat so ihren segensreichen Fluch, der sie einerseits bekannt machte, auf den sie andererseits danach immer reduziert wurden ... Ja, da ist "Michelle". Aber da ist auch noch "Walking On Both Sides" und "Catholic Sunday"- mindestens und qualitativ nicht mindere Veröffentlichungen in einem Damals, das längst nostalgisch verklärt ist. Und da sind die Musiker, die auch jenseits des Verbundes PINK TURNS BLUE künstlerisch aktiv waren und sind.

Pink Turns Blue versuchten damals aus dem selbstgestickten Muster auszubrechen. Und sie scheiterten, wie so viele Bands vor und nach ihnen es nicht wahrhaben wollten, daß sie kommerziell und ideell von einer gewissen Akzeptanz abhängig sind und diese wiederum an begrenzten stilistischen Strukturen sich festklammert. Einmal "Michelle" immer "Michelle".

"Phoenix" ist also ein Comeback im klassischen Sinne: Es erinnert an die gute alte Zeit vor dem Experimentieren mit künstlerischen Absichten und Eitelkeiten, als Mic Jogwer, Marcus Giltjes und Thomas Elbern ihrer Vision von dunkel- melancholischem, elektronisch ambitionierten Gitarrenpop fröhnten. Ihren Zenit erreichte die Band 1990/ 91 mit den Alben "Aerdt" & "Eremite" und besagten Club Hits. Seit 1991arbeitete Thomas Elbern als Escape With Romeo an dieser Idee weiter. Er ließ es sich dennoch nicht nehmen, zum Wave Gotik Treffen 2003 ein ReunionKonzert mitzubestreiten, dem ein neuer Tatendrang und neue Ideen folgten. Allerdings sind uns aus der Urbesetzung mit Erscheinen des neuen Albums nur Mic Jogwer und Marcus Giltjes erhalten geblieben. Genug, um den alten Geist heraufzubeschwören und den Funken überspringen zu lassen, zumal alle anderen an diesem Projekt mitwerkelnden Künstler einen Bezug zu Pink Turns Blue haben, also aus dem "Umfeld" stammen und künstlerisch keine unbeschriebenen Blätter sind. Es geht hier also definitiv nicht darum, mit einem angestaubten Mythos nochmal Kasse zu machen, dafür ist das Heer der reformierten Mythen bereits viel zu groß.

Die künstlerischen Eitelkeiten, so wie sie auf dem 94er Album "Perfect Sex" erklangen, sind verschwunden. Man ist älter geworden ;-), setzt seinen experimentierfreudigen Dickschädel nicht mehr durch, bleibt stilsicher, bewußt nachvollziehbar im Bereich der melodiösen wavigen Gitarrenbands a la The Mission, The Cure etc. Aber die Absichten sind geblieben. Immer noch hat Pink Turns Blue, als einst sehr einflußreiche Band der germanischen Wave Szene, inhaltliche Relevanzen vorzuweisen, den Weitblick nicht verloren, aber andererseits den "Underground" nie wirklich verlassen. Und so ist der gleichnamige Titel eine Ode- und eine Hymne an den Selbigen und hat mit seinem beschwörendem Gesang und schleppenden Groove das Zeug zum Klassiker.

Die anderen Stücke, allen voran "Now´s the Time", sind dem ebenbürtig. Sympathisch und empfehlenswert für alle, die "Michelle" lieben, (oder "Alice" oder "Marianne"). Aber auch für jene, die es rauh und rockig mögen, zugleich mit jener gerade so hippen Gothic Attitüde und griffigen Melodien liebäugeln .... auch wenn sie von besagten Damen noch nie etwas gehört haben.

Thomas Manegold

 

Tracklist:

1.The lost son (Phoenix)
2.Now's the time
3.Wanderers
4.Dynamite
5.Good times
6.True love
7.Underground
8.Animal life
9.The crusade
10.Can love survive
11.Feel my soul

 
       
 

Links www.pinkturnsblue.de

 
 
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