Interview
Mai/Juni 1999
Ohne GIRLS UNDER GLASS würde es die Germanische Independent- Szene nicht geben. Das ist sicherlich eine kühne Behauptung. Relativieren wir das Ganze: GIRLS UNDER GLASS hat besagte "Szene" entscheidend mitgeprägt. Kaum eine andere Band hat ihre Vorreiterrolle über die Jahre und Veröffentlichungen hinweg immer wieder so unter Beweis gestellt. Eines hat die Band um Volker Zacharias aber mit manch´ anderer Kombo gemeinsam: Sie hat ihre eigene Auflösung überlebt. Nach der letzten Platte „Firewalker" dachte man bereits laut und konkret übers Aufhören nach und meldet sich nun mit einem sehr vielschichtigen Album wieder zurück, daß gleichermaßen neue Akzente setzt und trotzdem die zahlreichen Fans der ersten Stunde wieder versöhnt: „Equilibrium".

Ich habe den Eindruck, daß die aktuelle CD des Nebenprojektes Trauma stellenweise auf euch abgefärbt hat.
Volker Zacharias: „Oh ja, Trauma hat abgefärbt! Die letzten beiden GUG- Platten waren progressiver, härter und bewegten sich weg von der Gothic- Bewegung. Jetzt auf „Equilibrium" haben wir uns auf unsere alten Tugenden besonnen. Wir wollten nicht mit irgend einem kurzlebigen Musikmarkt konkurrieren, sondern den Song in den Vordergrund stellen."

Habt ihr damals mit „Firewalker" (vergeblich) versucht, auf den Industrialrock- Güterzug aufzuspringen?
Volker Zacharias: „Nein, auf keinen Fall. Wir haben niemals versucht so zu klingen wie irgend jemand anders - das kann ich schwören. An „Firewalker" haben wir über ein halbes Jahr gearbeitet und uns dann nach einem Label umgesehen. Vom ersten Song bis zum Release vergingen eineinhalb Jahre und in dieser Zeit hat sich diese Art Musik so rasant entwickelt. Bereits 1990 experimentierten wir mit Gitarrensamples, bloß hat das damals niemand registriert."

Ignoranz wird immer mehr eine Tugend. Wolltet ihr deshalb das Handtuch werfen?
Volker Zacharias: „Wir waren von der Entwicklung der Musikszene enttäuscht und glaubten, daß man uns nicht mehr verstanden hat. Girls Under Glass wollten immmer das Ganze etwas weiterführen, anstatt sich nur über einen Kaufwert zu definieiren. Und nicht zuletzt haben wir mit den letzten zwei Alben bestimmt einige Fans verloren."

.... die aber mit „Equilibrium" wirklich entschädigt werden: Das neue Album ist auffallend abwechslungsreich geworden, ohne aber einen gewissen roten Faden zu verlieren.
Volker Zacharias: „Equilibrium" heißt Inneres Gleichgewicht."Ja, genau so klingt diese Platte.Volker Zacharias: „Es war immer ein Markenzeichen von GUG, sehr vielseitig zu sein, innerhalb dessen, was man auch Wiedererkennungswert nennt. Wir haben immer schon andere musikalische Stile involviert und uns Gäste zu den Alben eingeladen. "

Erinnere dich bitte an die frühen Tage von GUG.... wie war das damals in den Achtzigern im germanischen Untergrund im Vergleich zu heute?
Volker Zacharias: „Total anders, denn es gab überhaupt keine Szene. Und es gab so auch kaum etwas Vergleichbares. Ein paar wenige Bands in Deutschland und England waren aktiv. Jede Band stand aber auch für einen eigenen Sound. Christian Death z.B. konnte sich als Band noch ganz klar separieren. Nicht zuletzt durch Magazine wie „Zillo" hat sich die Szene immer wieder revolutioniert und immer wieder aufgespalten- in Electro z. B. durch Front 242. Plötzlich unterschied man zwischen Goths, Gruftis, New Wavern... selbst innerhalb der EBM Szene gab`s dann Hardcorer und Romatiker. Heute ist es deshalb fast unmöglich, sich dieser Masse von Schubladen zu entziehen."

Mit „Equilibrium" habt ihr es einmal mehr erfolgreich versucht. Das Album vereint „modernes" Songwriting und traditionelle Gothicelemente, liebäugelt ein bißchen mit den elektronischen Sphären.... und erinnert doch auch an die guten alten Zeiten. Einige Bands aus den Anfangstagen haben in letzter Zeit den komerziellen Durchbruch geschafft. Warum können manche Bands an der neuen Salonfähigkeit der Gothic Kultur zu profitieren und andere Bands nicht, obwohl sie für die Szene nicht weniger wichtig waren/ sind?
Volker Zacharias: "Die Bands, die nur in kleinen Schritten an ihrem Sound gefeilt haben, sind erfolgreich geworden. Wolfsheim, DEINE LAKAIEN und PROJECT PITCHFORK haben eines gemeinsam. Sie haben ein schlüssiges Bandkonzept, mit dem sie sich über die Jahre erfolgreich selbst gepuscht haben. Bands mit Stilwandlungen haben auf längere Sicht komerziell ein Problem. Klar gibt es da Ausnahmen. Ich finde zum Beispiel die Entwicklung von Paradise Lost wirklich geil. Die Gothics sind aber diesbezüglich besonders verbohrt, denn sie wollen, daß die Bands, die sie begleiten, sich nicht verändern und ihnen immer wieder das Selbe vorsetzen...."

GIRLS UNDER GLASS ist dagegen ein Synonym für Wandel und Entwicklung. Es ist der Band bis heute nicht "gelungen" sich selbst zu kopieren. Darüber hinaus ist auch GIRLS UNDER GLASS, ähnlich wie DEINE LAKAIEN, ein "Baum der viele Früchte trägt."(A.Veljanov).
Volker Zacharias:
"Trauma besteht komlett aus den gleichen Mitgliedern. Aus Trauma ist übrigens TraumB, ein Trance Goa Projekt, entstanden. Cancer Barrack hat sich aus der anderen Hälfte von Calling Dead Red Roses gebildet. Axel war mehrere Jahre Live- Keyboarder bei Wolfsheim und auch an der Entstehung von "Sparrows and The Nightingales" nicht ganz unbeteiligt. Er hat mit Nova Venus auch noch ein Elektronik Trip Hop Projekt am Start..."

Apropos. Bei Neustart dürfte sich dann auch Axel Ermes wieder mit Markus Reinhardt von Wolfsheim getroffen haben.Volker Zacharias selbst zupft ja auch die Klampfe bei Cassandra Komplex und produzierte... aber das führt dann wohl endgültig zu weit... Vielleicht sollte ich, um die Kurve wieder zu kriegen, noch anmerken, das Axel Ermes eine Band namens CATASTROPHE BALLET produzierte. Deren Sänger Eric Burton singt auf "Equilibrium" das Stück "Aussault The Future". Ein sehr eindringlicher Song. Worum gehts dabei?
Volker Zacharias: "Das mußt du schon Eric selber fragen. Ich finde es gut, wenn man Gastmusikern einen bestimmten Freiraum läßt. Also sollte auch ein Sänger seinen eigenen Text schreiben, weil er den am besten rüberbringen kann."

Gibt es für dich einen Song, der dir besonders wichtig ist?
Volker Zacharias: „Wenn ich mich entscheiden muß, ist „Is This The Place" mein Fave, weil er all das vereint, was ich an GIRLS UNDER GLASS immer geliebt habe. Der Song geht so richtig nach vorn los und ist trotzdem sehr melancholisch. Und er lebt von einem optimalen Zusammenspiel aller beteiligten Musiker." Thomas Manegold


CD-KRITIK

 

 

 


DISCOGRAPHIE

 

 

 

 


BESETZUNG

 

 

 

 

CROSSLINKS zu das ich - CATASTROPHE BALLET - trauma - CASSANDRA COMPLEX

 

 

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