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07/04 |
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Sonntag,
7 Uhr. Ich bin doch noch laut geworden, als der letzte Gast zum 146.
Mal den schlimmsten Satz sagen wollte, den man Sonntag, 7 Uhr in einem
Club sagen kann. Und dieses 146. "Krieg ich nochn Bier" legt
bei mir dann irgendwie einen Schalter um. Beim 144. "Krieg ich
nochn Bier" mit der Ergänzung "Ich mach auch schnell",
wäre ich fast schwach geworden. Der ausgedörrte Mensch, dem
vor lauter Durst die Zunge am Gaumen klebt... Ich war nahe dran, anzunehmen,
daß man ihm die 3,5 Promille gewaltsam intravenös injeziert
hatte, aber beim 145. "Krieg ich nochn Bier" mit der Erweiterung
"Mann, hab dich nich so!" war dieser Anflug von Güte
und Hilfsbereitschaft wieder verschwunden. Ok, ich hätte ihm sein
zwanzigstes Bier auch noch gegeben, wenn er nicht die ersten 18 bei
der Konkurrenz gesoffen hätte. Seitdem die zu hatten, saß
er nun hier, mit seinem Kumpel, der jetzt in diesem Moment zum 147.
Mal versuchte, den Durstigen anzurempeln, um ihn zur Vernunft zu bringen.
Er hätte auch beinahe getroffen, doch ich war gerade über
den Tresen gesprungen und schob den Durstigen Richtung Tür. Auf
dem Weg zum Ausgang sah ich in den Augenwinkeln, wie der Ellenbogen
des Vernünftigen sein Ziel verfehlte, das ich mir gerade unter
den Arm geklemmt hatte. Der Vernünftige rutschte die nasse Theke
entlang und schob sein halbes Bier der Bedienung vor die Brust. Mit
einem Klirren hatte ich ein Glas weniger, eine schreiende Bedienung
und den schlecht besuchtesten Wet T- Shirt Contest aller Zeiten. Das
schlimmste war, daß ich mir das Lachen nicht verkneifen konnte.
Das machte Clara wütend, sehr wütend. Sie packte den Vernünftigen
am Kragen, nahm wahllos die Flaschen und Gläser, die sich während
der Aufräumaktion noch auf ihrer frischgeputzten Theke so eingefunden
hatten und schüttete ihm ein Resterlie nach dem anderen ins Gesicht.
Der mir entfleuchte Durstige war inzwischen wieder an der Theke angekommen
und erlitt im Anbetracht der Verschwendung von Alkohol einen Nervenzusammenbruch
"Ok das reicht!" Doch mein Anflug von Autorität ging im Gequieke der Leute unter, die grad von irgendeiner Technoparty im Wald kamen. Sie strahlten vor Glück, noch eine offene Tür zu finden und irgendwie schienen sie gar nicht zu bemerken, daß die Musik aus war. Clash Of Cultures Sonntag früh um 8. Dabei wollen sie doch alle das Selbe: Jammern. Eigentlich wollen sie in erster Linie nicht. Nicht arbeiten, nicht denken, nicht zahlen, nicht ... Sie haben so viele AntiGemeinsamkeiten, daß ich eine geschlagene halbe Stunde vollkommen fasziniert der Schlägerei zusah, die sich der gar nicht mehr so vernünftige Dorfrocker und die Provinztekkies da lieferten. Da war es dann auch egal, daß der Durstige in der Zwischenzeit auch noch das Damenklo vollkotzte. Jedenfalls scheuchte er diese eine Furie auf, die vor vier Stunden ihren Laufpaß von ihrem nunmehr ExTypen bekam und in der Nebenkabine ihren Rausch auf der Kloschüssel ausschlief. Da ihr Ex das erste war, woran sie dachte, gab sie dem nicht mehr ganz so Durstigen im vorbeigehen einen Tritt in den durchnäßten Hintern, sodaß er sich in die Kloschüssel verbiß. Die beiden Schneidezähne verschwanden klappernd im Nirvana und die unverdauten Reste eines MC Donalds Zwischenstops bekamen einen rötlichen Überzug. Clara schrie, als der inzwischen Blutige aus dem Klo wankte und diese mit Bröckchen garnierte rote Schleimspur absonderte. Ich rief einen Krankenwagen an. Die Tekkies waren verschwunden, weil ich auch die Bullen rufen könnte. Die Verschmähte hatte sich rechtzeitig den wieder Vernünftigen geschnappt, mit ihm das Trösten und Herumfummeln begonnen und war mit ihm draußen im Gebüsch verschwunden. Als das Stöhnen lauter wurde, wirkten bereits die Spritzen. Der Blutige schlief unter der aufgehenden Sonne, festgeschnallt an der Trage. "Ist das hier immer so?" fragte der Krankenpfleger. "Nein" sagte ich, normalerweise müßte jetzt der Blutige dem Stöhnen folgen und die Frau vermöbeln, weil sie ihm die Zähne ausgeschlagen hat. Aber schön, das sie so schnell gekommen sind, da kann ich mich gleich um ihren Ex kümmern, ich glaube, da drüben kommt er. Und ich denke, sie sollte zumindest mit Kommen fertig sein und ihre Unterwäsche anhaben, wenn er ihr sagt, daß es ihm leid tut." |
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