Neulich...
...auf dem Zillo Festival.

 
subKULTur.com
07/02
(satirische Kolumne von
Hilbert von Sturzbach)



Über was ich mich als erstes auslassen muß ist ja wohl klar: Die Verschiebung des gesamten Festivals (Zeitpunkt und Ort), nur wegen ein paar alten Düsterkindern, die ihre Haare immernochnicht kämmen können! Das ging mir schon ziemlich auf den Terminplan. Nichtsdestotrotz habe ich es geschafft mich, zusammen mit meiner Freundin, zum tollen Gelände am Hahner Flughafen zu schleppen. Dafür hab ich dann auch erfolgreich und mehr oder weniger demonstrativ den Auftritt von THE CURE boykottiert. Aber zurück zum Anfang...

Nach quälend langer Reise, im quälend heißen Auto, durch quälend lahmen Verkehr erwartete uns im Hunsrück ein Hundswetter. Dieses hat sich dann auch munter weiterhin über den anderslautenden Wetterbericht hinweggesetzt und bescherte uns ein mehr feuchtes als fröhliches Wochenende. Den ersten Ordnerposten, der auf der Straße stand, fragte ich dann nach dem, in dem Akkreditierungsschreiben verzeichneten "Pass Büro". Als Antwort bekam ich ein "Hä?", worauf ich beschloß, kopfschüttelnd weiter zu fahren. Dann endlich doch: Die ersehnte Oase der "Pressebändchenausgabe" !!! Man empfing uns mit "Oh, ihr seid die Ersten. Iss noch etwas unorganisiert hier." Entsprechend lang hat es dann auch gedauert, bis der Fuzzi hinter dem Fenster die Bänder rausrückte. Ganz abgesehen von dem lumpigen Papier- "Fotopaß" als Aufkleber und dem riesigen "Freie durchfahrt - Presse"- Schild.

Das Zeug also schnell eingepackt und zum nächsten "Vorposten". Eine nette junge Dame wies mich darauf hin, daß als Parkgebühr 10,- Euro zu entrichten seien, woraufhin der Typ mit der Kasse fuchtelnd angerannt kam und auf das ca. ein Quadratmeter große "FREIE DURCHFAHRT"- Schild hinter meiner Windschutzscheibe deutete."Herzlichen Dank" und weitergefahren. Die Frage nach dem Platz zum Campen beantwortet man uns freundlich mit "Ach, irgendwo da hinten!". Na danke für die konkrete Anweisung! Also eeeeeeeendlich eine geeigneten Platz gefunden und schnell das Zelt aufgeschlagen. Jetzt konnte das entspannende Wochenende beginnen. ... denkste!

Das Festivalgelände öffnete am Freitag mit satten 3 Stunden Verspätung, wovon wir 2 Stunden vor der Einfahrt standen. Grund war ein lustiger, kleiner Mann vom Sicherheitspersonal. Ich fragte diesen Sicherheini, ob wir einstweilen schon das Gelände betreten könnten, um ein paar Aufbau- Fotos zu schießen. Er meinte wir sollten kurz warten, weil gerade kein Verantwortlicher in der Nähe sei. Während unserm "kurzen Warten" beschloß er dann, eineinhalb Stunden! zum Essen zu gehen. Als er mit vollgeschlagenem Magen wieder antrabte und ich ihn ansprach, meinte er "Wer seid denn Ihr". Ich konnte nur antworten "Na, Dein Date von vorhin". Er rannte also zu einem der sogenannten "Verantwortlichen" und kam kopfschüttelnd zurück. Also gut, wir warteten dann bis zum "normalen" Einlaß. Zu allem Überfluß mußten wir auch noch an den Securities vorbei, die uns genüßlich von Kopf bis Fuß incl. Rucksäcke filzten. Die sollen doch Fußball spielen gehen. Fußballer sind nämlich, genau wie die Hübschen am Einlaß, Berufsschwuchteln. Die spielen doch nur Fußball damit sie hinterher zusammen duschen können. Weiter hat man allen Leuten am Freitag beim Einlaß ihre Plastikflaschen und Tetra- Packs weggenommen. Lustigerweise war es am Samstag dann erlaubt diese mit aufs Gelände zu nehmen.

Ähnliche Bekanntschaften machte ich dann noch öfters mit dem Sicherheitspersonal am Fotograben. Mit denen mußte ich mich dauernd streiten, ob ich jetzt mit einem Presseband und einem Fotopaß da rein darf oder nicht. Warum zur Hölle heißt das Ding denn so! Gottseidank hat man es am Sonntag dann endlich geschafft Zutrittspläne für unsere strohköpfigen Freunde aufzuhängen.

Es hat mich auch gewundert, dort kaum bekannte Gesichter zu treffen. Naja, die Landgruftis fahren eben nicht zu solchen Festivals. Da fährt schließlich kein Stadtbus hin. Insgesamt wars trotzdem recht lustig. Anscheinend ist dieses Jahr bei den Goths (das Wort das keiner aussprechen kann) "Durchsichtig" In. Jedenfalls übten sich einige Exemplare im "möglichst wenig anziehen". Was natürlich häufig zu einem unästhetischen Brechreiz führt. Eigentlich sollte man meinen, wenn eine Frau schon "etwas weniger" an hat, sollte diese auch etwas Schönes zu präsentieren haben. Schließlich ist das Zillo Festival kein Nudistencamp! Aber Geschmäcker sind ja verschieden *grins*.

Ach ja, die Preislage wollte ich noch ansprechen. Natürlich haben die Lebensmittelhändler auf dem Zillo, wie überall anders auch, auf den Preisschildern einfach "DM" gegen "EURO" getauscht. So muß man jetzt für einen Teller voll vegetarischem Pampf 5 Euro und für eine eiskalte Cola 0.3, bei 10 Grad Außentemperatur und Regen, 3 Euro bezahlen! Mir als Großgrundbesitzer tut das natürlich nicht so weh, aber man muß schließlich auch mal an die kleinen Leute denken. Besonders an die Gruftis, die sowieso niemals Geld haben. Was aber meist daran liegt, daß sie eh nichts arbeiten. Wie soll man auch mit einem schon morgens um acht aufgestelltem, 1.5 Meter hohen Iro eine Arbeit finden. So, jetzt aber genug davon. Und: Nehmt Euch in acht vorm schwarzen Mann!

best regards

Hilbert von Sturzbach
("Fußballer"- und "Landgrufti"- Spruch: O-Ton Yvi beim Zillo Festival 2002)

P.S.: Es wird natürlich noch ein "ordentlicher" Festival-Bericht verfasst, in dem ich mich dann über die Bands auslasse ;-).