da schaute
mich der Wirt schon ein wenig skeptisch an, weil er sich dunkel daran
erinnerte, daß man mich immer rausfegen muß, weil ich
ja einen anderen Rhythmus habe, als die armen Schweine, die jeden
Tag buckeln müssen, von früh, vor dem Hellwerden bis abends,
wenn es schon wieder dunkel ist, um sich ihr Bier leisten zu können,
weil ich ja ein Mensch bin, der fürs Feiern eigentlich Geld bekommt,
wobei es in der Kneipe vordergründig nicht ums Feiern geht, sondern
um den Gedankenaustausch, um GBS (gemütliches Beisammensein),
um das Treffen mit Gleichgesinnten, also mit Menschen, die genau so
arm dran sind, wie man selbst, die jeden Tag buckeln müssen von
früh, vor dem Hellwerden bis abends, wenn es schon wieder dunkel
ist, um sich ihr Bier leisten zu können, wenn sie hier sitzen,
gemeinsam mit denen, die so gern für ihr Bier buckeln würden,
von früh vor dem Hellwerden, bis abends, wenn es schon dunkel
ist, aber es einfach nicht dürfen, weil man ihnen sonst die Stütze
kürzen würde, weil die vom Amt viel schärfer sind als
früher und sich einen Scheiß darum scheren, wie man über
die Runden kommt, was ja gar nicht so einfach ist, in Zeiten, wo nicht
mehr die Ausländer schuld sind, an der Misere, sondern so ein
Ding, was sie Rezession nennen, wobei die nämlich keinen Unterschied
macht zwischen den Armen und den Reichen, denn den Großkopferten
gehts genau so beschissen, wie den kleinen Leuten, die wie wir alle
buckeln müssen, von früh, vor dem Hellwerden bis abends,
wenn es schon wieder dunkel ist, ja, die machen viel weniger Millionen
Gewinn als früher, wegen dem Euro, dem Extremismus und wegen
dem Krieg, und wegem dem Staat, der abkassiert, von früh, vor
dem Hellwerden bis abends, wenn es schon wieder dunkel ist, was alles
so dermaßen scheiße ist, daß man als armes Schwein,
was buckeln muß, von früh, vor dem Hellwerden bis abends,
wenn es schon wieder dunkel ist, richtig schlechte Laune bekommt,
die Wut staut sich an, weil sich alle einig sind, und weil es allen
gleich beschissen geht, sogar übers Wetter will keiner streiten,
nein alle wissen, daß es schlecht ist, das Wetter, es ist sagenhaft
heiß, und der Wirt sagt, daß es so heiß ist, daß
keiner mehr in die Kneipe kommt, weil die alle Grillen daheim, so
heiß, daß man sich kaum bewegen kann am Tag, und man so
oft die Sirenen hört, wegen der vielen Herzkasper, weil es so
heiß ist, und letzte Woche war es nicht so heiß, dafür
hats geregnet, zwei Tage lang, richtig grau wars und nix mit Freibad
und der Wirt sagt, daß er letzte Woche seinen Biergarten eigentlich
gar nicht hätte aufmachen brauchen, weil, selbst wenn es nicht
geregnet hat, es immer so aussah, als würde es gleich anfangen
wollen, was natürlich alle gesehen haben, von daheim aus, weshalb
sie dann dort geblieben sind, diese faulen Säcke, ja und selbst,
als diejenigen, die jeden Tag buckeln müssen, von früh,
vor dem Hellwerden bis abends, wenn es schon wieder dunkel ist, um
sich ihr Bier leisten zu können, wenn sie hier sitzen, über
ihre Chefs herzogen, konnte ich eifrig mitreden, denn mein Chef ist
schärfer als alle anderen, oftmals zwingt er mich, tagelang durchzuarbeiten
und Urlaub hatte ich schon seit 3 Jahren nicht mehr, nach dem 10.
Bier fiel mir noch viel mehr über diese Bestie ein, irgendwann
haben mir alle auf die Schultern geklopft und mich getröstet,
da habe ich dann die Katze aus dem Sack gelassen und ihnen gesagt,
daß ich mein eigener Chef bin, jetzt kann mich keiner mehr leiden,
weil ich so hart zu meinen Mitarbeitern bin und deshalb gehe ich nur
noch mit Perücke aus dem Haus, daß mich keiner erkennt
in der Kneipe, und ich habe mir geschworen, mich nie wieder so viel
buckeln zu lassen, denn von früh, vor dem Hellwerden bis abends,
wenn es schon wieder dunkel ist, reicht vollkommen aus, daß
es einem genau so beschissen geht, wie allen anderen.
Thomas
Manegold