Neulich...
... inner Kneipe
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07/03
(satirische Kolumne von
Hilbert von Sturzbach)


da schaute mich der Wirt schon ein wenig skeptisch an, weil er sich dunkel daran erinnerte, daß man mich immer rausfegen muß, weil ich ja einen anderen Rhythmus habe, als die armen Schweine, die jeden Tag buckeln müssen, von früh, vor dem Hellwerden bis abends, wenn es schon wieder dunkel ist, um sich ihr Bier leisten zu können, weil ich ja ein Mensch bin, der fürs Feiern eigentlich Geld bekommt, wobei es in der Kneipe vordergründig nicht ums Feiern geht, sondern um den Gedankenaustausch, um GBS (gemütliches Beisammensein), um das Treffen mit Gleichgesinnten, also mit Menschen, die genau so arm dran sind, wie man selbst, die jeden Tag buckeln müssen von früh, vor dem Hellwerden bis abends, wenn es schon wieder dunkel ist, um sich ihr Bier leisten zu können, wenn sie hier sitzen, gemeinsam mit denen, die so gern für ihr Bier buckeln würden, von früh vor dem Hellwerden, bis abends, wenn es schon dunkel ist, aber es einfach nicht dürfen, weil man ihnen sonst die Stütze kürzen würde, weil die vom Amt viel schärfer sind als früher und sich einen Scheiß darum scheren, wie man über die Runden kommt, was ja gar nicht so einfach ist, in Zeiten, wo nicht mehr die Ausländer schuld sind, an der Misere, sondern so ein Ding, was sie Rezession nennen, wobei die nämlich keinen Unterschied macht zwischen den Armen und den Reichen, denn den Großkopferten gehts genau so beschissen, wie den kleinen Leuten, die wie wir alle buckeln müssen, von früh, vor dem Hellwerden bis abends, wenn es schon wieder dunkel ist, ja, die machen viel weniger Millionen Gewinn als früher, wegen dem Euro, dem Extremismus und wegen dem Krieg, und wegem dem Staat, der abkassiert, von früh, vor dem Hellwerden bis abends, wenn es schon wieder dunkel ist, was alles so dermaßen scheiße ist, daß man als armes Schwein, was buckeln muß, von früh, vor dem Hellwerden bis abends, wenn es schon wieder dunkel ist, richtig schlechte Laune bekommt, die Wut staut sich an, weil sich alle einig sind, und weil es allen gleich beschissen geht, sogar übers Wetter will keiner streiten, nein alle wissen, daß es schlecht ist, das Wetter, es ist sagenhaft heiß, und der Wirt sagt, daß es so heiß ist, daß keiner mehr in die Kneipe kommt, weil die alle Grillen daheim, so heiß, daß man sich kaum bewegen kann am Tag, und man so oft die Sirenen hört, wegen der vielen Herzkasper, weil es so heiß ist, und letzte Woche war es nicht so heiß, dafür hats geregnet, zwei Tage lang, richtig grau wars und nix mit Freibad und der Wirt sagt, daß er letzte Woche seinen Biergarten eigentlich gar nicht hätte aufmachen brauchen, weil, selbst wenn es nicht geregnet hat, es immer so aussah, als würde es gleich anfangen wollen, was natürlich alle gesehen haben, von daheim aus, weshalb sie dann dort geblieben sind, diese faulen Säcke, ja und selbst, als diejenigen, die jeden Tag buckeln müssen, von früh, vor dem Hellwerden bis abends, wenn es schon wieder dunkel ist, um sich ihr Bier leisten zu können, wenn sie hier sitzen, über ihre Chefs herzogen, konnte ich eifrig mitreden, denn mein Chef ist schärfer als alle anderen, oftmals zwingt er mich, tagelang durchzuarbeiten und Urlaub hatte ich schon seit 3 Jahren nicht mehr, nach dem 10. Bier fiel mir noch viel mehr über diese Bestie ein, irgendwann haben mir alle auf die Schultern geklopft und mich getröstet, da habe ich dann die Katze aus dem Sack gelassen und ihnen gesagt, daß ich mein eigener Chef bin, jetzt kann mich keiner mehr leiden, weil ich so hart zu meinen Mitarbeitern bin und deshalb gehe ich nur noch mit Perücke aus dem Haus, daß mich keiner erkennt in der Kneipe, und ich habe mir geschworen, mich nie wieder so viel buckeln zu lassen, denn von früh, vor dem Hellwerden bis abends, wenn es schon wieder dunkel ist, reicht vollkommen aus, daß es einem genau so beschissen geht, wie allen anderen.

Thomas Manegold