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... war ich mal wieder einkaufen |
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12/02 (satirische Kolumne von Hilbert von Sturzbach) |
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Eigentlich machte ich das ja nicht mehr, aber drei Tage lang wurde die Dauerbeschallung mit den Jingles, die bellen immer wieder mit der Warnung vor Blitzeis unterbrochen. Hurra! Wir haben Rezession, die Nation hat kein Geld mehr! Und die Nation ist feige! Sie hat Angst vor allem möglichen, vor allem aber vor Blitzeis. Und deshalb werden die ganzen verdammten, mit Glühweinaroma eingenebelten Märkte einsam vor sich hin jingeln und bellen.... Ausgedörrt durch den Konsumverzicht ließ ich mich hinreißen... Tür auf, kein Glatteis ... das ganze Beten hat nichts genützt, die Regenmacher haben kläglich versagt. Als ich an der Einfahrt zum größten Parkplatz meiner Heimatstadt in die Warteschleife gewunken wurde, war mir klar, daß die Nation, während ich die 3 Kilometer zum Supermarkt fuhr, ihr Geld wiedergefunden hatte. Hektisches Aus- und Einparken, knirschende Hinterachsen, und in der Ferne ein paar Kinder, die sich mit Lebkuchen bewarfen. Nach einer halben Stunde durfte ich mein Auto dann mit der Blechlawine bewegen, im Zickzack um überladene Einkaufswägen, die apatische Familienväter hinter sich herschleiften. Persönlichkeitsspaltung. Ich will dem Vordermann nicht in die Rücklichter krachen und gleichzeitig der erste sein, wenn zufällig in meiner Nähe einer der heiß begehrten, immer noch nicht vereisten Parkplätze frei wird... Endlich, ein Meter hinter mir blitzen die weißen Rücklichter auf. Vollbremsung. Knirschend ratstete der Rückwärtsgang ein. Vollgas. Der Fahrer des nachfolgenden Autos blinkt... zu spät... mein Auto war viel billiger. Ich hatte weniger zu verlieren und meine quietschenden Reifen waren das bessere Argument. Die gestikulierenden Köpfe der Insassen schwollen im Kollektiv an. Weihnachten ist sich die Familie einig. Zumindest im Bezug auf das Feindbild. Der Mittelfinger meines Konkurrenten interessierte mich wenig. Wo war der Supermarkt? Ahhh.... hinter dem Wald aus abgesägten Fichten und Kiefern.... Neben mir rutschte ein Rentner auf einem Lebkuchen aus. Der Oberschenkelhals knirschte final. Der Weihnachtsmann ließ seinen Sack fallen und entpuppte sich als hilfsbreiter Student, der sich eigentlich seine Fahrt nach Hause verdienen wollte, sich aber nun, seine soziale Ader auslebend, um den Rentner kümmerte. Das Outing zerstörte die Illusion von ca. fünf vorbeilaufenden Kindern. Sie schrien, traumatisiert um die Wette, während ich 10 Minuten an der Drehtür Schlange stehen durfte, wohl die einzigen 10 Minuten, in denen es an diesem Tag regnete. Zwar feucht, aber keineswegs fröhlich tappte ich direkt in die Falle: Weihnachtsbierverkostung im Eingangsbereich. Leicht angetrunken versuchte ich nun, der Lebkuchentante mit der rotweißen Schürze zu entkommen. Vergeblich. Zwei Zentner Weihnachtsstimmung stopften mir ein paar Kostproben in den Mund. Kauend warf ich mich in das Soundgewitter aus Heimwerkervideos, Billigpreisen aus dem Off und dem Geschrei der frustrierten Kinder. Glühwein im Sonderangebot. Zwei Frauen stritten sich um die letzte Palette. "Last Christmas" dröhnte aus der Wand. Ich lokalisierte ungefähr den Lautsprecher und drückte ab. Ich traf, George Michael verstummte. Ruhe kehrte ein. Alle starrten für einem Moment auf mich, dann auf das große Loch in der Wand über dem Fernsehregal, aus dem leise der Putz rieselte.... |
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