SAMSAS TRAUM : "Der Tim Burton des Goth" |
subKULTur.com 06/2005
Interview mit Alexander Kaschte von ToM Manegold |
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| Seit unserem ersten Interview mit Alexander Kaschte, seines Zeichens
Initiator und Mastermind, Kopf, Herz und Hirn von SAMSAS TRAUM, sind einige
Zeiten ins Land und er aus dem unsrigen ins benachbarte gegangen. Wir haben
unseren Namen gewechselt und er hat einige nicht ganz unbedeutende und über
weite Strecken qualitativ hochwertige Veröffentlichungen vorzuweisen.
Dennoch hat ihm unser Master Of Pain seine einst so rotzige Art nicht verziehen.
Sie war aber schon damals anders anmaßend, als die Art anderer arroganter
Egomanen. Nicht verziehen, bedeutet auch, daß man sie nicht vergessen
hat... und was ist schlimmer für einen Künstler, als in die Fußstapfen
eines Antonio Salierie zu treten und die eigene Bedeutsamkeit schwinden
zu sehen. Das wird Herrn Kaschte nicht passieren, denke ich, denn einerseits
ist seine Suche nach Skandal um jeden Preis einem Bedürfnis nach Wachstum
und Weisheit gewichen und andererseits scheint es ihm gelungen zu sein,
den eigenen Wahnsinn und die Traumata verweigerter Erfahrungen in eine unerschöpfliche
Quelle kreativer Energie zu verwandeln. Möge er mir die reißerische
Ader verzeihen, die sein farbenträchtiges, phantastisches Ziel in diese
Tolle Titelzeile verwandelt hat... hier nun Tim versus ToM, als Einstimmung
zum kommenden Konzertereignis am 17. Juni
2005 im Top Act Zapfendorf.
subKULTur.com: Aus der ursprünglichen
Idee Samsas Traum ist über die Jahre ein, zuweilen liebenswertes,
aber dennoch gefährliches, Geschichten spuckendes Monster entstanden.
Hast Du davor Angst?
subKULTur.com: Tendenziell läßt sich Samsas
Traum weder als Band fassen, noch in einem Genre unterbringen. Als Band
nicht, weil Deine Arbeit zuweilen weit über das Musik und Text machen
hinaus geht. Das Genre, gleich welches, bietet in erster Linie Klischees,
an denen man sich definieren kann, oder mit denen man als Künstler
definiert wird. Doch Samsas Traum hat seine eigenen Klischees.
subKULTur.com: Mit A.Ura hast Du Dich weiter von
den bisherigen Ausdrucksformen entfernt. Steht die Geschichte nun gänzlich
über allem, also auch über den Ausdrucksformen, oder stand sie
das schon immer... und es war nur ein Zufall, daß sich die Vorgängeralben
noch in Klangspektren bewegten, mit denen sich vorhandene Gruppierungen
identifizieren konnten?
Als Beispiel: der Satz "Du hast meine Liebe nicht erwidert, was in mir solche seelischen Schmerzen verursacht hat, daß ich Dich damals am liebsten dafür umgebracht hätte" wird von jedem Deutsch sprechenden Menschen zu 100% und im ersten Moment unmittelbar verstanden. Früher wäre aus dieser einen Aussage einen zweiseitiger Text entstanden, dessen Intention niemand auch nur hätte erahnen können... wahrscheinlich verfüge ich mittlerweile einfach über den Mut, meinen Hörern direkt mitzuteilen, was ich wirklich fühle.
subKULTur.com: Glaubst Du, daß Samsas Traum
mit A.Ura hätte debütieren können, daß dieses
Album ohne "Status" funktioniert hätte?
subKULTur.com: Selbst in den Interviews wird über
positive und negative Aussagen debattiert. Wieso begegnet mir bei Samsas
Traum ständig eine Auseinandersetzung mit Gut und Böse?
Darüber hinaus polarisiere ich mittels meiner Musik, meiner Aussagen und meines Verhaltens die Menschen und die "Szene". Ich provoziere gerne und vertrete mit Vorliebe extreme Standpunkte, um Reaktionen zu erzeugen. Die Art der Reaktion ist mir zwar nicht immer gänzlich egal, aber in Zeiten, in denen viele Menschen kaum mehr eine Meinung haben oder sich die schwarze Szene über politische und gesellschaftliche Vorgänge ausschweigt, ist es wichtig, die Leute, umgangssprachlich ausgedrückt, von ganzem Herzen aufzuregen und ihnen damit Denkanstöße zu liefern. Mein Ziel ist schon dann erreicht, wenn man sich über mich nur den Mund zerreißt, denn dann ist schon der Großteil meiner Intention in den Köpfen der Leute hängen geblieben. subKULTur.com: Ich denke, daß schon mit
Tineoidea die Zerstörung als nicht mehr generell negativ empfunden
und dargestellt wurde. Samsas Traum wird von seinem Medium immer mehr
akzeptiert... und komischerweise auch von einem Publikum. Hast Du ein
Problem damit, daß immer mehr Leute Deinen Antihelden Anspruch nicht
teilen? subKULTur.com: Zitat "Samsas Traum ist die zu Klang gewordene Darstellung des Konfliktes, der an dem Tag in mir geboren wurde, als ich bemerkte, daß die Welt nicht so funktioniert, wie ich es will. Noch heute möchte ich die Tür finden, hinter der sich das verbirgt, was manche Menschen unter Gott verstehen, denn ich gehe durch Logik erzeugte Gedanken davon aus, daß es diese Tür irgendwo geben muß. Ich suche zwanghaft nach ihr, weil ich das, was sich hinter ihr verbirgt, auf Grund des Konfliktes in mir töten möchte."Zitatende Hmm, das Göttliche ist demnach eine Wesenheit für
Dich, so wie Du eine bist?
Ich betrachte "Gott" als eine unpersönliche Macht, die in allem und jedem wiederzufinden ist. Diese Macht läßt mein Herz schlagen, Pflanzen wachsen, das Wasser fließen und die Sonne aufgehen. "Gott" ist allerorts in der Natur und im Universum zu finden, mein Gottesbild ist Großteils von Pantheismus und Humanismus geprägt, denn es ist für mich unübersehbar, daß auf diesem Planeten viel zu viele Dinge bewerkstelligt werden müssen, als daß man noch die Zeit dazu hätte, Gedanken durch höhere oder gar jenseitige Sphären schweifen zu lassen.
subKULTur.com : Zitat "Samsas Traum steht
sinnbildlich für den kindlich-naiven Kampf in meinem Kopf, den ich
gegen die alles vernichtende, doch von mir selbst akzeptierte Wahrheit
führe, daß nichts von dem, was ich tue, von Bedeutung ist;"
Zitatende.
Alexander Kaschte: Oh je... bei der Entwicklung, die ich mittlerweile auf's Parkett gelegt habe, ist es für mich wahrscheinlich das nebensächlichste der Welt, über meine eigene Bedeutung im Kontext von Kunst oder gar meinen "metaphorischen Arsch" nachzudenken. Meine Musik hat sich seit dem "a.Ura"album von meinem Leben abgespalten, will heißen: es gibt ein Leben nach der Musik, aus dem die Musik resultiert. Wie ich in einem anderen Interview schon einmal gesagt habe: Heute habe ich ein Leben und die Musik, früher hatte ich die Musik, aber kein Leben. subKULTur.com: "Schicksal" hat meine
Mitmenschen, die Welt, das Universum und mich selbst zu dem werden lassen,
was daraus geworden ist, und damit hat sich "Schicksal" sein
Ende verdient." und "... daß ich im Universum alleine
und für mich selbst verantwortlich bin." sind zwei Dinge,
die sich entweder total widersprechen oder die nur einen einzigen Schluß
zulassen...? subKULTur.com: Großartige Antwort auf eine gemeine Frage eines rosinenherauspobelnden Schreiberlings. Anfang und Ende eines Lernprozeßes, an dem nicht sehr viele Menschen teilhaben dürfen mit einem Ergebnis, vor dem sehr viele Menschen die Augen verschließen. Ja, uns geht es gut... diesseits und jenseits der Alpen, zu gut, um zu begreifen, was um uns herum so abgeht und vor allem, welches Leid und Elend eine indirekte Folge unseres Gutgehens darstellt.
Alexander Kaschte: Sorry: mich kotzt schon die ganze Zeit an, daß ich Zuhause sitze, Musik komponiere und mir vom Taschengeld von Teenagern, denen es viel zu gut geht, mein Essen und einen IPod kaufe, anstatt meine Zeit und meine Arbeitskraft den Teilen der Welt zu widmen, die sie wirklich brauchen. Die Wahrscheinlichkeit, daß ich Entwicklungshelfer oder Aktivist werde ist im Augenblick größer, als daß ich noch 5 Platten in Europa produziere.
subKULTur.com: Ich glaube, daß die Helfer nicht
unbedingt das Leid vermindern, aber das ist nun eine ganz andere Geschichte.
Charismatische Gestalten, die sogar für ihre Meinung Geld bekommen
(würden), können Augen öffnen und Menschen erreichen, weil
die Menschen ihnen zuhören. Du scheinst generell Überzeugungskraft
zu haben. Wie gelingt es Dir, so eine vielköpfige, illustre Schar
von Kollegen für solche Ideen, wie Tineoidea zu begeistern?
subKULTur.com: Was ist Deiner Meinung nach kommerzielle Musik?
Alexander Kaschte: Kommerzielle Musik sind für mich Produktionen, die ausschließlich gefahren werden, um mit ihnen maximalen Profit zu erzielen, deren Sinn nicht über die Anhäufung von Kapital hinausgeht und deren Aussagekraft gleich Null ist; ich spreche hier hauptsächlich von Retorten-Bands, Boygroups oder z.B. diesem häßlichen Typen, der leider meinen Vornamen trägt. Für mich besteht aber auch ein Unterschied zwischen kommerzieller und sehr erfolgreicher, guter Musik: Wenn Farin Urlaub oder die oben erwähnte Isländerin viele Platten verkaufen, freue ich mich für sie und kaufe ihre Platten ebenfalls, da sie gute Lieder beinhalten, die mir etwas bedeuten und mir den Tag versüßen.
Traurig macht mich allerdings oftmals
die Tatsache, daß es viele Künstler gibt, die einen größeren
Erfolg verdient hätten, ihn aber auf Grund von marktwirtschaftlicher
Strukturen o.ä. nicht erreichen können. Gerade höre ich
das neue Album von Matt Howden, das vielen Leuten gefallen würde,
die aber leider nicht wissen, daß es Matt Howden überhaupt
gibt. Ich würde Matt lieber im Fernsehen sehen als diesen Typen mit
meinem Vornamen.
subKULTur.com: Wieweit interessiert Dich Meinung und Ergebnis
einer Auseinandersetzung mit Deinem Werk?
subKULTur.com: Besonders die letzten beiden regulären
Alben sagen mir, daß da etwas nach "Visualisierung" schreit.
Sicherlich macht A. Kaschte irgendwann mal einen Film... oder er bettet
dieses Medium in sein Gesamtschaffen mit ein. Mißbrauch oder Erweiterung?? subKULTur.com: Kannst Du Dir vorstellen, aus Samsas
Traum ein Theaterstück zu inszenieren? Hast Du einen Bezug zum Theater? subKULTur.com: was erwartet den SAMSAS TRAUM Konzertbesucher musikalisch, inhaltlich am 17.06.2005?
Alexander Kaschte: den Konzertbesucher erwartet die letzte Vorstellung des alten Konzert-Programms. Wir spielen am Folgetag in Lahr, dort wird das Set allerdings gekürzt. Nach Lahr werden wir uns für ein halbes Jahr von den Bühnen verabschieden und erst wieder Ende 2005/Anfang 2006 mit einem neuen, sehr stillen und akustischen Album im Gepäck auftauchen. Ich hingegen hoffe, daß uns in Zapfendorf leckeres, veganes Catering erwartet und ihr uns zum Essen nicht in die ehrwürdige, fleischvernichtende Gaststätte unter dem Club schleift... :) ToM: Hmmm... es ist immer so, wenn ich koche, daß der Gulasch vegan und der Rest nur auf Wunsch vegetarisch ist. Du hattest keine Sonderwünsche, also gibt es nur veganes Zeugs, so wie bei Cinema Strange. Da soll mal einer sagen, der Kaschte sei nicht pflegeleicht :-) Danke für das eindrucksvolle Interview.
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