SCHEINWERFER: Zunahmi zu Weihnachten |
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KOLUMNE 12/ 2004 |
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Zum Teil also Urlaubsgegenden. Mittlerweile wissen wir, daß auch Deutsche und andere Erstweltler betroffen sind, somit besteht natürlich auch ein Interesse an Information. Außerdem war exBundeskanzler Kohl, so N24, live dabei, sei aber nicht zu Schaden gekommen. Mindestens drei Germanen befinden sich unter den dreiundzwanzigtausend Toten, heißt es zum Zeitpunkt des Verfassens dieser Zeilen Einblendung. Tsunami sind Flutwellen, die aus der Tiefe des Meeres kommen, im Gegensatz zu "normalen Wellen", deshalb haben sie auch, wenn sie auf Küsten treffen , eine andere Gewalt, jenseits dessen, was Wind mit Wasser anstellen kann. Zudem kommen sie scheinbar aus dem Nichts, da sie durch Beben und Erdrutsche auf dem Meeresgrund entstehen. Auf hoher See sind die Flutwellen nicht größer als zwei oder drei Meter und werden von Schiffsbesatzungen kaum wahrgenommen. Der Abstand zwischen den Wellenkämmen kann bis zu 100 Kilometer betragen. Wird der Meeresboden flacher, bremst er die Welle aus, sie türmt sich zu einer Wasserwand auf, die an der Küste -zig Meter hoch sein kann. Ihre Kraft ist verheerend. Rückblendung. 1992 starben durch Tsunami mehr als 2.000 Menschen
in Indonesien. 1883 spuckte der indonesische Vulkan Krakatau 18 Kubikkilometer
Bims und Asche und verursachte dadurch Flutwellen, in denen mehr als
35.000 Menschen umkamen. >>
Am Freitag, den 17. Juli 1998 ereignete sich rund 25 Kilometer vor der
Nordküste Neuguineas ein heftiges Erdbeben, das eine Stärke
von 7,0 auf der Richterskala erreichte. Es löste einen Tsunami
aus, der knapp eine halbe Stunde nach dem Beben auf die Nordküste
Neuguineas traf und drei Dörfer zerstörte. Wahrscheinlich
kamen bis zu 2000 Menschen in den Fluten ums Leben. Der Tsunami soll
eine Wellenhöhe von 10 m Metern erreicht haben. Seine Zerstörungen
an der flachen Küste reichten stellenweise bis zwei Kilometer landeinwärts.
>> Der Tsunami und vor allem sein Zerstörungspotential ist also
bekannt, auch wenn bislang noch keiner einen solchen dokumentieren konnte.
Zwei Fragen stellen sich dem terrorverängstigten Mitteleuropäer
in mir. Erstens: Was ist in jenen sechzig bis neunzig Minuten geschehen,
die zwischen dem Beben und dem Auftreffen der Wellen verstrichen sind?
Zweitens: Wieso muß ich, wegen dieser Tragödie, nicht betroffen
sein, warum sagt keiner meiner gewählten Repräsentanten: "In
diesem Augenblick sind wir alle Südostasier" oder "Indonesier"? Wenn wir im Stande sind, in nur ein paar Minuten ein Stadion mit 70 000 Menschen wegen einer Bombendrohung zu räumen (so geschehen in >>Madrid), hätte in besagter Stunde, die Zeit war, das Menschenmeer sich bequem ein paar 100 Meter zurückziehen können. Die Menschheit wähnt sich in der Lage, so etwas zu organisieren. Und es wäre auch ihre Pflicht, so etwas zu tun. Ich denke, daß es einen Zusammenhang gibt, zwischen allgemeiner Bevölkerungsdichte und Entwicklungsstand... die Herausforderungen einer Spezies steigen mit der Anzahl der ihr angehörigen Individuen... oder, wenn man ihnen die Individualität abspricht, mit der Größe der Population. Wird diese Anzahl zu groß, oder steigt sie schneller, als die Spezies sich in der Bewältigung dieser Expandierungsprobleme entwickelt, stirbt die Spezies aus, oder die Population schrumpft. Und so haben wir, die wir ja vernunftbegabt sind, gelernt, mit zweierlei Maß zu Messen, mindestens. Hier in Einheimische und Urlauber. Die Welt ist diesbezüglich sogar dreigeteilt. Ein Mensch der ersten ist mehr Wert als ein Mensch der zweiten ist mehr Wert als ein ... Zu zweitens: Bleibt jene Ohnmacht vor der Ungeheuerlichkeit solcher Ereignisse,
die sich, in diesem Fall, nicht mal um unsere Kirchengründungsfeiertage
scheren und uns doch tatsächlich in die Nachwehen der Maria platzen...
Das verstärkt die Schuld dieser Tsunami um ein Mehrfaches. Ihnen
ist nichts heilig, sie machen zudem weder vor Frauen noch vor Kindern
halt. Und deshalb sollten wir uns verbünden und die Regionen, wo
diese Wellen des Bösen auftreten, genauestens überwachen,
so wie wir es mit dem Rest der Welt eh schon tun. Dieses Vorwarnsystem
muß her, schnellstens, damit wir wieder reinen Gewissens unsere
alten, frustrierten, reichen Säcke zum Vögeln nach Thailand
schicken können und auf den Resten der Malediven nächstes
Jahr wieder blauweiße Weihnachten für 2500 € drin sind
--- also auch in Sri Lanka wieder "Zunahmi" zu Weihnachten,
global, umsatztechnisch und allumfänglich. Thomas
Manegold |
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