SCHEINWERFER: CONTOURLOS

 

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KOLUMNE
06/ 2005
 

"Am 16.6.05 erhielt die Zillo-Geschäftsführung von der Contour Musik Promotion GmbH, unterzeichnet von dem Geschäftsführer Klaus Maack, ein Fax mit folgendem Kerninhalt: Betr: ZILLO FESTIVAL / Loreley Freilichtbühne 22.-24.7.05 "Wir (Contour) sagen die o.g. Veranstaltung mangels Nachfrage definitiv ab"Vorausgegangen waren einige telefonische Erklärungen seitens Contour, die diese Entscheidung wohl vorbereiten sollten. Contour beklagt sich seit längerem über einen schleppenden Kartenvorverkauf, denn bisher sind lediglich ca. 750 Karten im gesamten Vorverkauf abgesetzt worden. Nachdem Contour das Billing und die Preisgestaltung selbständig festgelegt hat, und Zillo von diesen grundsätzlichen Entscheidungen ferngehalten hat, ist jetzt eine Kehrtwende eingetreten. Erstmalig gibt Contour zu, daß wahrscheinlich das wenig "szenekompatible" Line Up für die fehlende Akzeptanz verantwortlich sein könnte, insbesondere die Verpflichtung der Headlinerposition für den Samstag hat die Szene gespalten und offensichtlich viele Leute bewogen, das Zillo Festival nicht zu buchen. Auch die Idee von Contour, das Zillo Festival auf eine breitere musikalische Basis bis hin zum Black Metal zu stellen, und tlw. ältere Bands mit langer Vergangenheit zu wählen, hat viel Kritik hervorgerufen. Leider sind unsere Vorschläge für ein szenegerechteres Billing und angemessene Preise fast immer unberücksichtigt geblieben und von Contour mit der Begründung: "Wir tragen das gesamte Risiko - also entscheiden wir" von der Agenda genommen worden. Zillo bedauert diese Entwicklung außerordenlich und bittet alle Leute, die einen Besuch des Zillo Festivals auf der Loreley gebucht bzw. geplant haben, um Verzeihung. Leider hat Zillo keine Möglichkeit, diese Entscheidung rückgängig zu machen. Wir werden umgehend die an uns gezahlten Ticketpreise zurücküberweisen. Zillo Musikmagazin Geschäftsführung Ratekau, 17.6.05"

Diese Mitteilung flatterte im Zuge der Absage des Zillo Festivals auf die elektronischen Schreibtische der Medien. Ein Magazin sagt ein Festival ab, das seinen Namen trägt und hängt dieser Hiobsbotschaft gleich noch ein "Wir sind aber nicht schuld" hinten dran. Das ist in der Tat sehr contourlos und so bezeichnend für eine allzu menschliche Eigenschaft, Verantwortungen abzuschieben und danach für diese Abschiebung ebenfalls die Verantwortung weitergeben zu wollen. Dieses "Schockiert sein" des Musikmagazins ist so erbärmlich, so feige, daß einem die Worte fehlen. Schlußendlich haben sie ihren Namen dafür hergegeben und hätten sich im Erfolg gesonnt, wie jedes andere Jahr auch.

Aus Sicht von Contour ist diese Reaktion vollkommen in Ordnung. 750 verkaufte Karten sind weniger als Nichts und ein Zeichen dafür, wie weit es bereits gekommen ist. Im Grunde interessiert die Absage auch niemanden, denn es gibt genügend Alternativen, sein Geld ähnlich loszuwerden. Sorry, aber bei aller Tragik um ein tradionsreiches Fest und bei allem immer härter werdenden Gerangel um das Arbeitslosengeld der Gruftis, mit dem sie vor allem im Sommer auf freien Plätzen vermehrt um sich werfen, erscheint es doch hoffentlich nicht nur mir dubios, wenn ein Festival gänzlich "abgegeben" und nur der Name vom Magazin gespronsort wird.

Das ist nichts anderes als Verblendung, weil die Leser und diejenigen, die sich mit einer Idee namens "ZILLO" identifizieren oder verbunden fühlen, etwas buchen sollen, was nicht im Geringsten etwas damit zu tun hat. (Zumindest implizieren diese feigen Formen der Absage eine Nichtbeteiligung) Die Idee hinter "ZILLO" hatte einst die Kernaussage "Von der Szene- für die Szene" und ein weiteres Ereignis hinterläßt einmal mehr einen schalen Nachgeschmack. Mit der Abgabe sämtlicher Verantwortung für ein selbstbetiteltes Fest wirft man das wichtigste, was man hat, in einen Käfig, ... sein Profil, seinen guten Ruf, sein Gesicht. Irgendwer wird schon drüber herfallen, seien es die Hunde, die Krähen oder die Fliegen.... Mit dieser verzweifelten "Wir sind nicht schuld" Nummer kommt diese Gesichtslosigkleit dann auch ans grelle Tageslicht. Selbstverständlich hat Contour das Line Up verbockt. Wer glaubt, ein mittelmäßiges Gruftfest mit Metallern auffüllen zu können, indem er Dimmu Borgir als Headliner anbietet, dem ist nicht mehr zu helfen. Mal von WACKEN und anderen Vollbedienungen für Luftgitarrenspieler und Kopfschüttler abgesehen, würde kein Metaller SITD und Apoptygma Berzerk am Stück überleben. Ich weiß das, ich war selbst einer... früher...

Dimmu Borgir als Headliner am Haupttag war aber nur der Gnadenschuß für ein äußerst angeschlagenes Billing. So nebenbei hat das Zillo Festival dieses Jahr eindeutig den Goldenen Heinz gewonnen für den schlechtesten FestivalFlyer 2005. Doch genug gelästert... denn so ein Festival hätte jeder andere, der vielleicht näher an der Basis ist, auch verbocken können. Es hätte mit weitaus weniger Patzern ebenfalls vor den Baum gefahren werden können. Die Festivals nehmen quantitativ zu. Es werden immer mehr, die auch immer mehr bieten, allerdings auch zu immer höheren Preisen und mit sinkender Qualität.

Ich denke, das kann man so pauschalisieren. Wenn 10 gestandene Acts auf einer Bühne an einem Tag spielen sollen, dann gibt es immer nur eine Sparversion von ihnen. Der eine Teil geht im Schnelldurchlauf unter, der andere Teil in der Masse, in der man sich bewegen muß. Irgendwann ist man auch nicht mehr ganz so aufnahmefähig... sei es durch die Feierei oder durch die Masse an Eindrücken, die auf alle Sinne abgefeuert wird. Dennoch kriegen wir, das Publikum, den Hals nicht voll und rennen eben vermehrt auf Festivals, die einem die ganze Szene an einem Abend versprechen, bei dem man an zwei Tagen 30 namhafte Bands zu sehen bekommt und eine ganze Armee von unbekannteren Combos, die man alle so nebenbei mitnehmen kann. Dabei wundern wir uns, daß die Eintrittspreise dreistellig werden, daß die Security uns das Pausenbrot wegnimmt und die Nudeln im Plastikbecher 5 € kosten. Wir bemerken aber nicht, daß der Wortlaut, der uns in großen Lettern von den Plakaten anspringt, gerade mal erfüllt wird. Mit dem Wave Gotik Treffen und dem Mera Luna sind uns zwei mächtige Monsters Of Goth Festivals gewachsen, gegen die andere einfach blaß aussehen. Wer gegen die dazugehörige massive Flyer, Plakate, Anzeigenwerbung nicht anstinken kann, bekommt nur noch ein paar Krümel vom vielbesagten Kuchen ab...

Auch der Festivalkuchen, egal welcher Szene, wird immer kleiner und muß für immer mehr Krähen reichen... auf den ersten Blick. Schaut man aber genauer hin, sieht man, daß die großen Krähen immer größer werden und aufeindander einhacken... heimlich. Im Falle Zillo war es aber ein klassischer Harakiri, auch wenn das Messer vielleicht jemand anders gehalten hat, und man einfach volle Kanne hineingelaufen ist. Jetzt schreien, daß es weh tut, ist das Einzige, was man mit dem Schaft am Bauchnabel, nicht machen sollte.

Thomas Manegold

 

 
     
 

     
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