SCHEINWERFER: KRUZEFIXX |
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www.subkultur.de KOLUMNE 09/ 2007 |
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Jene Gesellschaft, die zudem lautstark, ja prahlerisch demokratisch sein will, die nicht nur Kirche und Staat längst verbal getrennt hat, sondern auch noch dazu verpflichtet wurde, Rechtssprechung, Rechtslegung und Rechtsdurchsetzung strikt zu trennen, will also zurück ins Mittelalter? Da sich die Hehler des Glaubens nicht aus diesem Mief der Vergangenheit erheben wollen, haben sich inzwischen viele von ihnen abgewandt. Die längst schon geistig vollzogene Trennung von der Kirche wird vermehrt auch offiziell vollzogen. Obwohl Kirchenaustritte meistens einen finanziellen Hintergrund haben, so sind sie ein verspätetes Indiz für eine Scheidung, die längst unumkehrbar ist. Niemand glaubt den Scheiß, der von unseren muffigen Kanzeln gepredigt wird. Und jene "Werte", die unsere Pfaffen und vermehrt auch die Politiker im Namen der Christenheit beanspruchen, sind grundlegende Selbstverständlichkeiten des Zusammenlebens. Nächstenliebe, Achtung des Lebens, Respekt, Unantastbarkeit der Menschenwürde, Freiheit... all die ganzen Gutmenschphrasen haben nichts mit irgendeiner Religion zu tun. Und daß ich den 39jährigen Lover meiner minderjährigen Schwester nicht einfach abmurksen darf, hat etwas mit der Gewaltenteilung in diesem Staat zu tun und nichts mit dem christlichen Glauben, dem selbst die ostgermanische Bundeskanzlerin zum Opfer gefallen ist. Dabei sind wir Ostdeutschen doch alle geimpft worden... Wo ist denn die Gleichheit und die garantierte Freiheit bei der Wahl des Glaubens, wenn man islamgläubigen Frauen ihr zugegebenermaßen dämliches Kopftuch in Schulen und öffentlichen Einrichtungen verbieten und das nicht minder bescheuerte Outfit der Nonnen dagegen weiterhin erlauben will? Wenn man die Staatsbürgerausbildungsanstalten vom Aberglauben der Religionen säubern will, sollte man nicht um die eigenen, längst eingetrockneten und breitgelatschten Kackhaufen herumwischen. Wer die Schulen von den Religionen befreit sehen möchte, sollte konsequent sein. Was Religion generell und das Christentum speziell mit einer angeblich notwendigen Wertevermittlung zu tun hat, ist ebenfalls sehr schleierhaft (was für ein Wort). Unsere Gesellschaft hat doch gar keine Werte! Die Rendite geht über alles. Und der Mensch bleibt auf der Strecke. Ebenso die Kunst und die Kultur. Kreativität ist ebenso wenig gefragt, wie Liebe oder Hingabe. Dinge, die nicht meßbar sind, existieren nicht. In so einem System wollen wir uns fremdgewordenen Kindern erklären, was gut und böse ist- nach Maßstäben, die von wirtschaftlichen und machtpolitischen Interessen vorgegeben sind. Das geht nun schon erstaunlich lange schief. Die minderjährigen Konsumenten sind bereits auf Jahre hin verplant. Sie sind bereits auf Hochtouren laufende Katalysatoren in der Kapitalkonzentration. Sie sind in der Lage, ohne eine Anleitung überhaupt lesen zu können, eine Spielekonsole zu bedienen. Sie wissen, daß 8 x 4 eine Deosorte ist, aber nicht, daß es 32 ergibt. Dumme Menschen sind in der Regel sehr leicht zu beeindrucken. Und das bekommen nun nach den Pfaffen, Musikproduzenten und Drogendealern verstärkt auch andere Leute mit. Weder die Christenheit noch die "Gesellschaft" ist in der Lage, die selbst in Gang gesetzte Verblödung der Massen aufzuhalten. Niemand kann die Hohlräume mit Versprechen und Trost füllen. Die Zwickmühle ist, den Menschen ein Messen am HABEN zu predigen und wegen der Gewinnmaximierung jenes HABEN, das man jahrelang als einzigen Lebenssinn vorlebt und überall anpreist, letztendlich zu verweigern. Die sich hungrig meinenden werden sauer. Da hilft kein Kreuz und auch kein "No sex until marriaged"
In einer heilen Gesellschaft mündiger Bürger würde Papa Ratzi als Komiker auf Welttour gehen und für seine brüllend albernen Monologe Eintritt verlangen. Leute, wie Söder und Pofalla wären nicht im Fernsehen, sondern stünden unrasiert und ungewaschen, mit ominösen Plakaten das jüngste Gericht verkündend, an den Straßenkreuzungen diverser Kleinstädte. In so einer Gesellschaft müßte man auch nicht befürchten, daß ein erwachsener Mensch sich allen Ernstes das Bild eines ans Kreuz genagelten, unterernährten Mannes an die Wand hängt. Hardcore SM sollte auch im 21ten Jahrhundert ab 18 bleiben. Menschen, die ein Rückrad haben, brauchen kein Kreuz.
Thomas Manegold
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"Wir brauchen mehr Miteinander, mehr
Heimatliebe oder einfach auch mehr Patriotismus. In Klassenzimmern gehören
Kruzifixe und keine Kopftücher"
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