ALLE subKULTur.com - SCHEINWERFER (CHRONOLOGISCH ab 04/ 02)
RIGO
für ALLE
subkultur.com 12/ 2004
In den Medien entfachte (man) kürzlich eine Diskussion über die sogenannten Alkopops (Anwärter auf das Unwort des Jahres?) Hintergrund ist die verharmlosende Aufmachung dieser alkoholhaltigen Getränke, die vermehrt junge Leute, ja Kinder, zum Alkoholkonsum animieren soll. Der Staat will deshalb, dreimaldarfstduraten, diese Getränke mit einer empfindlichen Steuer belegen. Die Rede ist von 1€ per 100 ml. Damit würde der Markt mit diesen Getränken faktisch zusammenbrechen.
Hui! Die bösen Getränkehersteller, die armen Kinder, die neue Sucht und der alles regelnde Staat, der die Kids vor der drohenden Sucht rettet! Bei Umsatzwachstumsraten von über 300 % hilft nur noch eine Steuer. Die "AlkopopSteuer".... Ähnlich dem bewährten Modell beim Nikotin... Teurer machen, die selbe Kohle einstrapsen bei weniger Alkoholikern.... Nun sollen Steuern, wie der Name schon sagt, Abläufe regeln, ordnen, den Lauf der Dinge in die richtige Richtung lenken. Das ist aber lange schon nicht mehr so, denn daß, was wir nächstes Jahr an Steuern bezahlen, damit wir rauchen und saufen können, ist ja bereits verplant ... Die Entrüstung ist also wenig glaubwürdig.
Alkopops sind Trendgetränke, pappsüß und mit Geschmacksstoffen auf gefällig getrimmt. Sie schmecken nach allem möglichen, nur eben nicht nach Alkohol. Es ist mir schleierhaft, wie man sich plötzlich über eine Selbstverständlichkeit aufregt, die jeder Barkeeper weiß. Zucker, Sirup und vor allem Fruchtsäure machen die Cocktails heimtückisch. Das ist der Sinn eines Cocktails seit seiner Erfindung: Dinge, die für sich ungenießbar sind, so zu vermischen, daß sie schmecken. Das teuerste an Alkopops ist defintiv die Marke. Und das ist auch ihre positive Seite. Mit ihnen ist wieder Style ins kollektive Besäufnis gekommen. Die Flasche ist wieder schick, das Gläserspülen entfällt. Die gastronomischen Schattenseiten folgen aber auf dem Fuße. Smirnoff ICE & Bacardi RIGO sind so gut etabliert, daß sie im Sortiment gleich nach Pils und Tequila Bier kommen. Sie sind so teuer, daß dem Gastronom keine großartige Gewinnspanne mehr bleibt. Und deshalb wird sich auch kein Gastronom über diese Steuer aufregen, besteht doch damit wieder eine kleine Chance, den Wodka Lemon mal wieder selber zu mixen... Dennoch ist diese Diskussion ein weiterer Fauxpas im Umgang mit Drogen und ihren Konsumenten.
Mein Verhältnis zu Suchtmitteln und Drogen ist schwierig. Ich bin süchtig, körperlich abhängig von Nikotin. Eine zeitlang habe ich meine Konsistenz bei hoher Beanspruchung mit dem Mißbrauch legaler Aufputschmittel aufrecht erhalten. Oh Mann, ich war auf Koffein, auf Teein, Taurin und Guarana. Mittlerweile bin ich davon runter. Von allein. Ich verweigere fast jedes Medikament, verabscheue Psychopharmaka, Beruhigungsmittel, Stimmungsaufheller etc. und halte den Konsum von jedweder Art von Drogen für unnötig und falsch. Ich akzeptiere und befürworte alle Einschränkungen, die mir der Staat vorschreibt, wenn ich unter Alkoholeinfluß stehe und ich akzeptiere alle Regeln und Gesetze über den Umgang mit Drogen. Ich bin mir bewußt, daß ich mit Drogen meinen Lebensunterhalt verdiene, nämlich mit dem Verkauf von Alkohol, Coffein und Taurin in allen möglichen Mischformen und habe damit kein moralisches Problem, würde demzufolge auch andere Drogen verkaufen, wenn ich es dürfte. Grundsätzlich ist der Mensch selbst verantwortlich, für das, was er genießt, konsumiert oder womit er sich die Birne wegbläst. Kein Gesetz wird ihn daran hindern, genau so, wie keine Droge und kein Rauschgift ihn dorthin bringen wird, wo er hin will, es sei denn, er will ins Nirwana. Aber das geht mit einer abgesägten Schrotflinte schneller, billiger und schmerzfreier.
Nicht
das Mittel macht dich fertig, sondern der Konsum. Konsum und Genuß sind
zwei vollkommen unterschiedliche Dinge, die sich nicht nur durch "Menge"
unterscheiden. Wir werden zum Konsum erzogen. Konsum, gleich welcher Art,
ob Musik, Essen, Spiele, Filme, Fernsehen, Klingeltöne, Rotwein, Schokolade,
... Konsum ist die Schwelle zur Sucht, ist ungesund, schädlich für
Innen und Außen und zerstört die Persönlichkeit. Nun kann
ein System, das auf Konsum angewiesen ist, unmöglich wollen, daß
die Konsumenten aussterben. Deshalb versucht es die Gratwanderung zwischen
Konsum und Sucht zu ... na? ... STEUERN.
Der Staat steuert Zigaretten mittlerweile sehr empfindlich. Schon jetzt (vor
einer weiteren "Tabaksteuerung") wird ca. 25% des Kaufbetrages an
den Staat abgeführt. Das enthaltene Nikotin ist ein legales Nervengift
und hat ein unbestrittenes Suchtpotential. Über eine Gefäßverengung
hinaus ist aber faktisch keine Wirkung zu spüren. Erlaubt ist der Genuß
ab 16 Jahren, Zigaretten sind frei zugänglich. Darauf hat sich eine große
Wirtschaftsmacht aufgebaut, die unter anderem ein generelles Werbeverbot bislang
verhindern konnte, da allein die Tabakwerbung eine Menge anderer Wirtschaftszweige
finanziert, die durch das Werbeverbot empfindlich gestört würden.
Immer im Zwiespalt zwischen Sorge um die Gesundheit seiner Bürger und
der Tatsache, auf die Steuergelder angewiesen zu sein, dreht der Staat langsam,
aber stetig an der Preisschraube. Die Doppelmoral schreit zum Himmel, bzw.
mittlerweile in Form von dramatischen Sprüchen von jeder Packung. Der
Staat könnte jederzeit den Tabakkonsum mittelfristig einschränken,
Zugänglichkeiten verhindern usw. ist aber auf die zweistelligen Milliardenbeträge
angewiesen, und somit auch auf eine nachwachsende RaucherGeneration.
Dabei ist nicht Nikotin, sondern der Alkohol die Volksdroge Nummer 1. Trinken darf man ihn ab 16, Alkohol ist im Handel frei zugänglich. In Bayern wird zudem eine Bierkultur gepflegt, die Bier im Volksmund zum Lebensmittel macht. Alkohol hat ein hohes Suchtpotential. Die körperliche Abhängigkeit von Alkohol ist eine chronische Krankheit, ergo nicht heilbar. Der Konsum steigt stetig, das durchschnittliche Einstiegsalter sinkt. Bedrohlich und lukrativ zugleich, denn der Staat besteuert bis auf Wein alle Alkoholika ... mit Bier-, Branntwein-, und Schaumweinsteuer. Von 100 Liter verkauftem Schnaps gehen 1.303 € in den Steuersack, bei Schaumweinen durchschnittlich 1 € pro Liter. Beim Bier ist man gnädig und beläßt es bei ca. 10 Cent auf die Maß. Der Staat ist also an dieser Massensucht finanziell beteiligt. Allerdings ist der Milliardenbetrag, den der Fiskus so jährlich bekommt, nur einstellig.
Das
Jugendschutzgesetz ist, im internationalen Vergleich, eher locker und schwammig.
In Amerika ist Alkohol für Jugendliche verboten. In Deutschland darf
ich mit 16 den einen Teil und mit 18 den anderen Teil der Getränkepalette
konsumieren. Damit entstehen Grauzonen, die natürlich vom Handel auch
genutzt werden. Ein 16jähriger darf also Bier und Wein erwerben und trinken,
an 16jährige dürfte ich als Gastronom Alkohol in geringen Mengen
verkaufen, in Getränken mit geringem Alkoholgehalt. In der Praxis sieht
es so aus: Ich darf den Youngsters keinen Schnaps geben und ich darf nicht
zusehen, wie sie sich ohne harte Sachen besaufen. Zulassen darf ich beides,
wenn sie 18 sind. Alkopops fallen in besagte Grauzone. Sie enthalten harten
Alkohol, aber eben in geringen Mengen. Sie mit geltendem Jugendschutzgesetz
den 16jährigen zu verbieten, ist aber genau so inkonsequent, denn ein
Smirnoff ICE hat auch nicht mehr Alkoholgehalt, als ein besseres Bier. Und
nur, weil der Alkohol beim Bier ein Abfallprodukt des Gärungsprozesses
und beim Alkopop der Zusatz eines verdünnten Destillats ist, macht das
keinen Unterschied. Es wäre genau so schlimm, Bockbier im Bonbon- Design
zu verkaufen. Das macht übrigens noch schneller breit, als Rigo von Bacardi.
Derzeit rufen die gebeutelten Krankenkassen nach ihrem Anteil und es begann
jüngst eine Diskussion über eine Steuererhöhung auf sämtliche
Alkoholika, die zwar derzeit auf Eis liegt, aber mit Sicherheit in absehbarer
Zeit Früchte tragen wird. Bei aller Diskussion dreht es sich aber nur
um die Aufteilung des Preises. Keiner hat ein Interesse, den Konsum zu unterbinden
oder einzuschränken. Schon die eingebürgerte Sichtweise, "Alkohol
& Drogen" zu trennen, ist ein gepflegter Mißstand in den Köpfen
der Trinkergemeinschaft. Allein dieser Hinweis macht mich vor jedem Gesetzeshüter
zu einer Person, die eine liberale Einstellung zu (illegalen) Drogen hat,
also zu einem Verdächtigen. Das Wort "Drogen" ist im Sprachgebrauch
gleichbedeutend mit "illegales Suchtmittel".
Die Verteufelung von Hanf oder Marihuana als Genußmittel ist in der gesamten "zivilisierten" Welt ein ewiger Diskussionspunkt. Hanf an sich ist eine wirtschaftlich unglaublich interessante Nutzpflanze. Kein hier wachsendes Kraut entwickelt in so kurzer Zeit so viel Biomasse mit so wenig Bodennahrung. Hanf wächst faktisch auf Sand und wird bei ausreichendem Licht sehr schnell sehr groß. Das wiederum veranlaßt die Befürworter von Hanf, neben den zahlreichen Nutzungsmöglichkeiten, auch Verschwörungstheorien in die Welt zu setzen. Das enthaltene THC, was Hanf zur Droge macht, ist eigentlich kein Thema mehr, denn es können auch THCfreie Sorten gezüchtet werden. Aber die einzige Möglichkeit, den "guten" vom "bösen" Hanf zu unterscheiden, ist illegal... denn Hanf ist ein illegales Rauschmittel. Das THC macht ihn zu einer zwar "weichen" Droge, die aber ein nicht zu unterschätzendes psychisches Suchtpotential hat. THC wird auch in der Medizin eingesetzt, ua. sehr erfolgreich als Alternative zu Morphium. THC gilt darüber hinaus als Einstiegsdroge. Das ist streitbar. Fakt ist aber, daß durch die Illegalität der Einstieg in ein "Mileu" stattfindet. Schlaftabletten kauft der Konsument in der Apotheke, den Fusel im Supermarkt und den Shit nun mal beim Dealer an der Ecke. Und der hat noch gaaanz andere Sachen zu verchecken...
Diese fallen dann aber aus diesem Exkurs heraus. Labordrogen, Heroin und Produkte daraus sind ein Thema für sich. Allein ihre Verbeitung und Akzeptanz unter vorgehaltener Hand funktioniert, wenn auch in kleineren Kreisen, wie bei allen anderen Drogen auch. Illegalität verhindert nicht den Konsum. Und der verbeitete Konsum von Alkohol ist ein offenes Geheimnis, eine Selbstverständlichkeit, über die man nicht spricht. Ja, in Deutschland wird hemmungslos gesoffen, auf allen Etagen. Dazu sollte man stehen. Vielleicht kann man dann auch etwas dagegen tun, so man will. Der Staat, der am Konsum verdient, wird immer nur so tun, weil er nicht will. Denn wenn alle ihre Zigaretten und ihr Bier nur genießen würden, dann wäre Deutschland pleite... und ich auch.
Bleibt
die abschließende Frage, warum gerade die Jugendlichen ein immer weiter
wachsendes Bedürfnis nach Rausch entwickeln. Die Antworten auf diese
einzig wichtige Frage geht aber unter im Gerangel um ihre Kaufkraft.
Der 15jährige Alkopopvertilger beamt sich nicht weg, er paßt sich an. Prost!
DEF:
Drogen:
Kaffee, Tee, Koffein, Taurin, Guarana, Hanf, Alkohol, Kakao, Nikotin, Tabak,
Aspirin, andere Arzneimittel...
Genußmittel, die Substanzen enthalten, die auf das ZNS wirken. Sie können
dabei stimmulierend oder beruhigend wirken, vereinzelt auch haluzinogen, was
aber meist eine Folge übermäßigen Konsums ist. Jede Droge
wirkt ab einer gewissen Dosis halluzinierend.
DEF: Rauschgifte
Substanzen, die man dem Körper zuführt, um eine Vergiftungserscheinung
herbeizuführen. Alle Rauschgifte sind Drogen, aber nicht umgekehrt.
Gerade in Fällen wie Alkohol macht eindeutig die Dosis das Gift.
SEKUNDÄRLITERATUR & QUELLEN
Rauchen
& Saufen für Deutschland (Kolumne) - Alles
über die Tabaksteuer - WDR.de
- Zoll-d.de
I
AM THE HIGHWAY...
subclub.de 24.11.04
Wieder mal ein Wochenende, wie es besser nicht sein....
LebenLebenLeben...
von Donnerstag bis Sonntag... mehr oder weniger durch, an die Grenzen und
darüber hinaus... Parties, wie Technoid² und "Weeping Songs"
in Zapfendorf... wie sie also unterschiedlicher nicht sein können...
gute Gespräche, Streit, Tränen, Freude, Trauer, Begeisterung....
und gute Musik. Manchmal dabei nicht mal Zeit zum Essen oder für andere,
lebenswichtige Dinge. Dabei Hängen geblieben: die neue Single von Audioslave...
mittlerweile ein Jahr alt und damals, als gute Ballade an mir vorbei gegangen...
Cornells Text ist die Auflösung eines jeden Beziehungsproblems zu Personen
und Dingen ... Ich bin nicht Dein fliegender Teppich... sondern der Himmel,
nicht Deine Räder, sondern die Straße... wem das zu abstrakt ist...
hmmm.... Beziehungen als Abhängikeitsrituale schaffen Probleme und halten
nicht, was sie versprechen, weil sie etwas versprechen, etwas fordern. So
wie ich diesen Club, das ID² als Straße anbiete, auf der jeder
fahren kann, als Himmel, durch den jeder schweben kann... die Flügel
muß er aber selber mitbringen...
Natürlich isses eigentlich ein Liebeslied über das GoodBye sagen...
aber jeder kann ja lesen darin, was er will. I AM THE HIGHWAY sagt alles ...
und ist nebenbei auch noch ein Ohrwurm. Allumfassend über das Allumfassende,
was man in jeder Beziehung sein sollte und auch bekommen soll, mit "weniger"
oder "kleiner" im Geben und Bekommen nicht zufrieden zu sein. Liebe,
Leidenschaft, Wahrheit und Begeisterung für etwas oder jemanden.. funktioniert
nicht auf Raten oder mit Kompromissen.
Ein
Lied auf repeat zwei Stunden im Auto...
I Am
The Highway
Audioslave, Txt & Voice: Chris Cornell
Pearls
of swine bereft of me
Long and weary my road has been
I was lost in the cities
Alone in the hills
No sorrow or pity for the leaving I feel
(chorus)
I am not your rolling wheels
I am the highway
I am not your carpet ride
I am the sky
Friends
and liars don't wait for me
I'll get on all by myself
I put millions of miles
Under my heels
And still too close to youI feel
(chorus)
I am not your rolling wheels
I am the highway
I am not your carpet ride
I am the sky
I am not your blowing wind
I am the lightening
I am not your autumn moon
I am the night
DOSEN
tRAUMA
subclub.de 24.10.03
Frage: Ist eine abgelaufene Dosenmilch nun bepfandet oder nicht.
Antwort: Sobald sie beim Öffnen zischt, müßte ich in den Laden zurück und noch Pfand bezahlen ...
Das Leid in Dosen... 35,- € die Palette Red Bull... Und wehe, die blaue Lasche fehlt, dann gibts kein Geld zurück... 0² in der Nuckelflasche kostet 25ct Pfand, Water Joe ist noch befreit... bis April. Leikeim in Dosen mit Karton außen rum kostet kein Pfand, weil es ein Geschenkartikel ist... Das SixPack kostet wiederum Pfand... Das war selbst den Verkäufern zu bescheuert. In ganz Bayreuth gab es letzte Woche keinen erschwinglichen Energy Drink. Erst süchtig machen und dann rationieren!!! .... hechel... Taurin... wo bist Du...
Diese Warnung auf den NRG- Dosen ist schlicht lachhaft: "Nur in geringen Mengen ..." Wie?? Dein erster Energy macht noch Herzklopfen und schwubs, ein oder zwei Exzesse später brauchst Du eine Palette, um aufzuwachen ... Oder "Achtung! Nicht mit Alkohol Mischen!" (sondern "Strobe kaufen?") ... Gibt es noch irgendjemanden, der Wodka noch ohne die FlügelDosenDroge runterbekommt? Cola führt zu Diabetes, Fettleibigkeit und Karies... das weiß ich von meinen Eltern, denn damals gab es noch keinen Staat, der so auf mein Wohl und den Erhalt meiner Arbeitskraft bedacht war...
Oh Mann, denen da oben geht es wirklich dreckig ... sonst würden die ja nicht alle Freuden mit Warnschildern bespicken oder unerschwinglich machen... Beim Nikotin tun sie sogar beides... das Produkt optisch versauen und die Preise anheben. Bald kann sich Otto Normalverraucher noch nicht mal einen anständigen Lungenkrebs leisten! Seitdem ich auch so eine Zigarettenschachtel mit Totenanzeige besitze, vermisse ich noch die Bierdeckel mit der Warnung: "20 Bier am Tag machen blöd" ... oder die Bandarole: "Zu viel warmes Brot verursacht Blähungen" oder die Fernseher mit dem Warnstreifen: "Achtung! Werbung inside!" In rot und quer über die Bildröhre.... Reizwäsche mit aufgenähten Parolen, wie "Vögeln kann tödlich sein" ... Oder CDs mit einer tiefen Stimme zwischen den einzelnen Liedern, die mahnt: "Verbrenn Dir nicht die Finger"
Copy Kills Music! Gibt es bald Knast für Schwarzbrenner? Oder DOSenpfändung?? Am Montag habe ich wieder die Neuheiten im Akkord durchgehört und kopfschüttelnd über die haarsträubende (wenn man welche hätte) Theorie nachgedacht, daß die bösen SchwarzBrenner an der Misere auf dem Tonträgermarkt Schuld sein sollen. (SchwarzBrenner sind übrigens keine Gruftis mit PC, sondern seit Kurzem alle Menschen, die ihren CD Brenner heimlich für etwas anderes verwenden, als für ein DatenBackUp) Dabei gibts wohl, im Angesicht dieses täglich wachsenden Berges gesunder Mittelmäßigkeit, keinen Grund, diese Märchen zu glauben. Ich bin gespannt, was nach dem globalen Kopierschutz und dem neuen Urheberrecht, der Gema- Offensive und der Dämonisierung des MP3 Files als nächste Ausrede kommt... CDs in DOSEN, glaube ich, natürlich mit Dosenpfand.... aber ich schweife ab...
...
kein Taurin in der Stadt... da waren wir, genau....
PolizeiNotruf, SMH dreimal angerufen... keiner nimmt mich ernst...
dann... der unweigerliche Zusammenbruch... Konventionelle Rehabilitation durch
Schlaf, vollkommen altmodisch und uneffektiv. Zwei Tage dauert sowas!!! Dank
aufopferungsvoller Fürsorge eines Engels dann die Auferstehung des Arbeitstiers,
wieder der ganz normale Tag: VertreterBesuch, Club aufgeräumt, Dosen
sortiert und Reste zusammengeschüttet (für den Notfall), Programm
bis Dec. geschrieben, Abend vorbereitet, Theken bestückt, Mitarbeiter
Meeting, Party,... Webseite aktualisiert... jetzt kommt die Ruhepause, früh
der Besuch beim Ordnungsamt, dann Warenannahme, Einkaufen, Anrufe tätigen,
Club aufräumen, Party...
Und
trotz TaurinMangel PfandChaos und Hektik freue ich mich auf Samstag, auf das
blaue Licht, den Chai und die Rolling Beats ...... auf Heidenlärm Part
1 ... irgendwann am Jahresende, auf die neue Getränkekarte... und auf
die verduzten Gesichter, wenn es doch tatsächlich in einem Club ganz
normal und regulär den halben Liter Cola Mix und den halben Liter Bier
für 2,5 € gibt... ab November.
Ja, die Zeiten sind schlecht... kein Wirtschaftswachstum, hohe Neuverschuldung
und Subventionsabbau, der Pleitegeier über Deutschland und Red Bull mit
blauen Laschen an den Dosen für 1,49 € ... Grusel...
...oder
ist es nicht vielmehr so, daß der Staat schon immer Geld ausgegeben
hat, was ihm nicht gehört, ewiges Wachsen zum Kollaps führt, Leben
auf Kosten anderer nicht glücklich macht... und auch die Geier ab und
zu mal was zu Futtern haben wollen... die Zeiten sind schlecht, solange wir
glauben, daß sie schlecht sind und solange wir emsig alles wiederkäuen,
was man uns erzählt, und solange, bis wir alle mindestens einmal bei
OBI eingekauft haben... weil nur die haben die Aufschwungpreise... und Dosen
ohne Pfand... da ist zwar nur Farbe drin, aber egal...
Alles Blödsinn in Dosen... Das Leben ist schön, auch ohne Rente,
ohne Red Bull, ohne Wohlfahrt... Irgendwann, wenn der Benzinpreis nicht mehr
zu toppen ist, gibts auch Pfand auf die rollenden Blechdosen... und dann feiert
der Trabant sein großes Comeback.... jawoll.
Die
Zeit heilt alle Wunder
subclub.de 12.10.03
Wie immer das Hammerwochenende, und das obwohl das ID² irgendwie an einem Punkt angekommen ist, an dem man sagt: "Entweder Sackgasse oder ... der Knoten platzt demnächst". Sascha hat am Donnerstag ein zwar stranges, aber wirklich beautifulles Set hingelegt und wir waren am Freitag zusammen auch richtig gut. ... aber wegen Ill Nino & Co waren nicht wirklich viele da... Samstags habe ich die Crew dann allein gelassen und die Elektroindustrie in Zapfendorf beschallt. Das ist derbster Techno für Gothics... aber wirklich ne tolle Party, weil das Top Act voll und die leute tanzwütig sind.... ganz im Gegensatz zu Bayreuth, wo die Nervous Breakdown Party beim dritten Anlauf zum Rohrkrepierer geworden ist. Mit den NBD Machern hat das wenig zu tun. Es ist allgemein Dornröschenschlaf angesagt in Bayreuth. Vom Aufwachen sind wir weiter weg, denn je.
Ich weiß wirklich nicht, was wir falsch machen, daß es uns nicht gelingt, die Einmaligkeit dieser Location sichtbar zu machen und jenen Patriotismus zu wecken, der den U- Boot Freitag groß gemacht hat.
Und
da sind sie wieder, diese verhaßten Zweifel... Soll ich weiter 18 Stunden
am Tag in diese Idee² investieren, naja, wie lange kann ich das noch,
ist wohl eher die Frage. Freitag früh um 9 ins bett und um 11 wieder
raus. Samstag faktisch durch und jetzt ist des Sonntag nacht, ich bin allein,
kaputt und .... hellwach...
Thomas
Manegold
WIR
KOMMEN !!!
subKULTur.com (10.01.03)
Ein
neues Jahr hat begonnen. Die Trends sind festgelegt und es kommen auf uns
Gruftis wilde Zeiten zu, denn die schwarzgeränderten Augen werden total
in, Kylie wird ein Punk, H & M wird offiziell größter Konkurrent
für XtraX und... ich wage es auszusprechen... immer mehr Underdogs beiderlei
Geschlechts verfolgen gebannt das Entstehen diverser Popgruppen im Fernsehen.
Dieter Bohlen ist das Hauptgesprächsthema auch in schummrigen Kellerlöchern.
Ein Modern Talking Cover von Illuminate ist nur noch eine Frage der Zeit,
denn Anne Clark kokettiert mit Blank and Jones und die 80er sind hoffnungslos
im Trance/ House & Techno ersoffen. Das Singen vom Ende der Welt in tiefer
Tonlage ist schicker denn je. Will sagen, es wächst zusammen, was zusammengehört.
Wir werden der Mainstream. Das ist unaufhaltsam. Deine Lakaien im Supermarkt...
das war erst der Anfang. Covenant sind bei ´nem Major, In Extremo und
Umbra et Imago können sich aufwendige DVD Produktionen leisten, L´ame
Immortelle verteilen handgepreßte Promos mit aufwendigstem Cover an
die Journalistenbrut und Lacrimosa rudert durch Nacht und Flut mit klassischen
Sängern und Orchester, also mit Pauken und Trompeten, die sich kein echter
Untergründler leisten könnte. Ja, wir kommen, nicht mehr langsam,
aber gewaltig. Bald wird das Top Act Zapfendorf zur trendigen Kultstätte
für alle Crystal- Schniefer diesseits und jenseits des Weißwurstäquators.
Der SUICIDE COMMANDO Aufkleber auf dem Auto ist ja auch längst
keine Geschmacklosigkeit mehr, sondern ein Bekenntnis zur Freundschaft mit
den USA. Und das umgedrehte Kreuz wird als historischer Kompromiß an
Bayerns Schulen gefeiert... Noch vor Kurzem war das alles ganz anders....
Aber wir sind nicht nachtragend. Wir schweigen großmütig. Die Diskrimminierungen
sind vorbei, wir sind in. Nur das zählt. Wir haben immer gewußt,
daß unsere Zeit kommen wird. Satan ist erwacht in den Köpfen unserer
Mitmenschen. JAAA!!!
Diese Prognose hat einen Haken, denn wenn wir die Popkultur unterwandert haben,
auf MTV und VIVA rumhopsen dürfen, dann taugen wir nicht mehr als Buhmann
& Buhfrau, wenn es um Amokläufe, Morde, Töten auf Verlangen
und das Springen von der Brücke geht. (Mal abgesehen davon, ich habe
beim Balancieren auf dem Brückengeländer IMMER Mariah Carey gehört...).
Der echte Gothic wird sich dann außerdem unter Qualen an alte Zeiten
erinnern, karierte Rollkragenpullis anziehen und die reich und arrogant gewordenen,
früheren Helden wegen Trendreiterei und Verkommerzialisierung auf den
Scheiterhaufen stellen wollen ... dann sind nämlich die dicken sprechenden
Mittelstandsghettokids und die PlaybackTittenmäuse der wahre Underground.
Und Mariah Carey, weil inmitten der zermatschten Überreste eines glatzköpfigen
DJs eine CD von dieser gefährlichen Sängerin gefunden wurde.
P.S. Und welcher Masochist wollte nicht schon immer mal in der Öffentlichkeit
angespuckt werden, nur weil er ein Olli P. T- Shirt trägt...
Anstelle
einer eMail an alle...
Zwangspause
subKULTur.com (19.10.02)
Arrrrggg! Inmitten eines Brennvorgangs schaltet sich der Rechner aus. Ferndiagnose des Hausarztes: Mutterbrett kaputt! Reparatur! Zwar noch auf Garantie, aber auch diese Geldersparnis kann nur wenig über die Entzugserscheinungen hinwegtrösten, die sich einstellen. Zittern, Orientierungslosigkeit, schlechte Laune, Appetitlosigkeit. Die Horrorvision, nach dem Aufstehen nicht auf den blauen "Push" Knopf zu drücken und die allmorgendliche Elekrosmogdusche zu genießen, erfüllt mich mit tiefer Traurigkeit. Ich schließe die Augen und ziehe mich in meine Depression zurück. Im Dämmerschlaf sehe ich die E- Mail- Konten sich unaufhaltsam füllen, weil ich sie nicht abrufen kann und ich sehe, wie die halbe Welt verzweifelt versucht, mich zu erreichen.
Ein Tag nach dem Zusammenbruch, mein PC ist in der Notaufnahme, beginnt es zu dämmern! Ich habe Urlaub! Und, man möge es mir verzeihen, gerade noch rechtzeitig verweigere ich meinen Beinen den Gang zum ErsteHilfeSchrank, wo das NotfallBlatt mit allen kryptisch verschlüsselten Eckdaten um Mailkonten, Passwörter und wichtige Adressen seit seiner Entstehung auf den großen Auftritt wartet. Der altertümliche Zettel sollte mir im Ausnahmezustand ermöglichen, das getunte Heiligtum mit den Obstmotiven an den Seiten mit Spams, drei- und vierfachen Newslettern, "Exe´n", die vergeblich versuchen im fensterlosen Raum Fuß zu fassen, Bandanfragen, Wichsvorlagen und Pornobannern zu verseuchen. Im letzten Moment wurde mir bewußt, daß ich dieses Blatt Papier nun, da es gebraucht wird, sicherlich nicht finden werde oder, was noch viel ärgerlicher wäre, daß ich es in der Herbeiführung eines noch größeren Chaos finden würde und nicht mehr entschlüsseln könnte. Die Legende von den BackUps, die man regelmäßig machen sollte, endet plötzlich ähnlich, nämlich nicht mehr im "Achhätteichdoch!" kreischen und mit dem Raufen der längst ergraut dem Haupt entfallenen Haare. BackUps sind sehr wichtig und für Menschen, die sich mit der datenverarbeitenden Kiste verheiratet haben oder verheiratet wurden, bedeutender als jede Lebensversicherung... jedenfalls bis sie veraltet sind, und das sind sie meistens schon, bevor sie im Stapel schlecht beschrifteter, halbverbrannter Rohlinge verschwinden. Was sich früher als Zigarette-anzünden-damit-der-Bus-kommt-Trauma bemerkbar machte, was einst, als man das Frühstück noch nicht getrunken hat, mit der Verschmelzung des sorgsam beschmierten Buttertoastes mit dem nichtgefegten Küchenfußboden begann, endet jetzt, heute und hier im gesellschaftsunfähig machenden, augenverderbenden, orthopädenreichmachenden, magengeschwürfördern- und -aufbrechenden, geldverschlingenden Nichts der Nullen und Einsen. Murphy´s Law besagt anno 2002, daß die Festplatte dann abraucht, wenn sie voll ist, oder wenn man gerade den ersten Rohling in den Brenner einlegen will. Es besagt, daß man Paßwörter verwechselt, vergißt oder sie eben idiotensicher gestalten muß. Es beweist, daß der totale Wurm dann angekrochen kommt, wenn man das erste mal aus Zeitgründen das automatische Update am Freitag nachmittag überspringt. Das whorst case scenario- egal ob klassisch mit Marmelade im Teppich oder zeitgemäß virtuell- es wird eintreten.
Zwei Tage nachdem ich bemerkt habe, daß es schon wieder Herbst ist, erinnere ich mich an meine Ursprünge: Ich habe Eltern! Mein Vater hat Geburtstag! Und diesmal gratuliere ich ihm rechtzeitig! Jaaaaa! Ich rufe also einen Monat zu früh an. Verstört über diese Entgleisung ergreife ich die Fernbedienung. Ersatzbefriedigung mit begrenzt beeinflußbaren, ungleich wenigeren Bildpunkten... aber dafür aus sicherer Distanz! Fern sehen. Dieter Bohlen hat ein Buch geschrieben. Der Dalai Lama bei Pfarrer Fliege. Touristenballerspiele für Fundamentalisten auf allen Kanälen. Und ein Minderjähriger kräht "Lieber Gott". Das whorst case scenario- egal ob mit oder ohne Windows XP- es ist allgegenwärtig.
Glücklichkeit
subKULTur.com 26.06.02
Mit den Dingen, die sie sehen können, gehen sie kein Risiko ein und deshalb schlagen sie die Träume(r). Sie begegnen dem Anderen mit Unverständnis und Hohn oder, in Besitz einiger Grundnormen des Anstandes, mit Ignoranz und im Falle des Begreifens mit Neid und Gier. Das ist menschlich, wie es auch menschlich ist, die Quelle der Träume kontrollieren zu wollen, die man versteht, und die einem aber nicht selbst gehören. Was sie nicht sehen und trotzdem verstehen, wollen sie haben .... Das nennen sie Liebe. Sie sagen Dir, Du sollst Dir Handschellen kaufen, sie anlegen und den Schlüssel wegwerfen. Das nennen sie Sicherheit. Der Desinfektion und der Mülltrennung folgt immer die Entsorgung und Neuanschaffung. Wer aus diesem Teufelskreis flieht, ist allein.
Isolation ist etwas Aktives. Es findet lediglich eine Verselbständigung statt. Man hat den Eindruck, daß sie ohne Einwirkung von Außen "fortschreitet", wenn sich gleichsam gelassen und stoisch, elementare Dinge in Wohlgefallen auflösen. Dinge, die wichtig sind und vielleicht auch Dinge von Belang für andere Menschen, aber nicht für Dich selbst. Du willst dies ändern und haßt Dich immer wieder dafür, wenn Du vergeblich versuchst, den ach so wichtigen Dingen des Lebens etwas abzugewinnen, ohne dabei auch nur ansatzweise zu wissen warum... Es ist das verkümmernde Gesellschaftstier in einem selbst, daß immer noch dazugehören will, es aber im Anbetracht seiner Entwicklung nicht kann ... Zwischenstadium...
Das
Leben zieht an Dir vorbei, wenn alle Dinge, die das Umfeld bestimmen, für
Dich selbst nicht wichtig sind. Die Zeit schrumpft in sich zusammen. Sie rast
nicht, sondern wird löchrig, meldet sich ab und zu mal zu Wort und man
entgegnet ihr ein abwesenes: "Mein Gott, wie Du vergehst..."
Dabei machst Du Dir inzwischen zeitlos und rastlos Gedanken über Sinn
und Unsinn des Menschseins, zweisam, einsam und über die offensichtliche
Ironie jeglicher Individualität, die mißverstanden wird und keine
Erwiderung erfährt. Ironie wohl deshalb, weil die Realität unsere
Träume und Erwartungen so kleinlaut werden läßt. Du träumst
immer leiser vor Dich hin, einerseits, um die Träume nicht wahr werden
zu lassen, weil sie damit sterben, andererseits, um sie vor der Realität
zu schützen, die sie breit grinsend zu unerreichbaren Utopien degradiert.
Denn jeder glaubt, seinen eigenen, individuellen Traum zu haben, seine persönliche
Sehnsucht, die niemand zu teilen, geschweige denn, zu verstehen vermag. Dabei
ist hinter der individuellen Maske immer die selbe Fratze verborgen. Bei aller
Entfremdung durch den vermeindlichen Individualismus hetzen wir doch im Grunde
alle der selben Illusion hinterher, jenem lauwarmen Hauch von Glückseligkeit,
den uns das Leben versagt. Der Hunger nach Wahrheit, Aufrichtigkeit und Verständnis
ist ein kleiner, eine Karrikatur, die wir alle aus der Müller- Milchreis-
Werbung kennen. Der läßt sich mit ein paar Kleinigkeiten abspreisen,
um sich in den ungünstigen Augenblicken wieder zu melden, zumeist, wenn
nichts zu essen da ist.
Logischerweise hat jeder Mensch eine andere Auffassung von Glück. Und die Schlauen beneiden die Dummen wegen ihrer diesbezüglichen Anspruchslosigkeit. Die Reichen neiden den Armen ihre Freiheit und die Armen sehnen sich nach Reichtum. Die Hungernden wollen Essen und die Satten wollen Essen, das nicht dick macht. Sie alle wissen, daß man Glück nicht kaufen kann. Sie alle wissen, daß es auch niemand verschenkt, denn sie alle würden die Glückseligkeit mit rosa Schleifchen argwöhnisch betrachten und sich ständig fragen, wo denn der Haken dabei ist, anstatt das kleine Risiko einzugehen, und zuzupacken.Genau deshalb liegt das Glück nicht auf der Straße. Keiner würde es aufheben, weil keiner es erkennt. Und diejenigen, die wissen, wie es aussieht, werden einen großen Bogen machen.
Thomas Manegold
subKULTur.com(21.04.02)
LAYNE STALEY
(1967 - 2002)
Freitag Nacht, möglicherweise just in dem Moment, als ich "Wake Up" von Mad Season am Ende der Independance Party spielte, wurde Layne Staley, Sänger von Alice In Chains in Seattle tot aufgefunden. Wieder einer meiner Helden hat sich verabschiedet, vielleicht sogar der wichtigste noch Verbliebene in meiner "Anbetungsgalerie". Zwar weiß zu diesem Zeitpunkt noch niemand eine Antwort auf die Fragen nach Wann und Warum, aber letztendlich ist das egal, denn nichts kann ihn wieder zurückbringen und niemand dürfte bezweifeln, daß jenes große H nicht nur Inspirant, sondern auch maßgeblich an der Zerstörung dieser meiner Ikone beteiligt war.
Was mich bei Alice In Chains seit meiner ersten "Begegnung" dieser Ausnahmeerscheinung aus Seattle 1989 faszinierte, war das ECHTE. Der Transport der Wahrheit über das Leid und über die großen Gefühle durch die Musik. Vielleicht ist es auch genau das gewesen, was Bands wie Soundgarden, Nirvana und Pearl Jam so populär gemacht hatte. Plötzlich sangen Leute zu harter Musik weder über das Böse noch über den Drachentöter, sondern über ihre Befindlichkeiten. Viele Lichtgestalten der Rockszene haben uns in einem Akt der Selbstzerstörung an sich, ihren Gedanken und Gefühlen teilhaben lassen. OK, niemand hat sie je darum gebeten, das zu tun. Aber gerade der Tod von Leuten wie Jim Morrisson, Kurt Cobain oder jetzt Layne Staley hat mir immer eines vor Augen gehalten. Jeder Künstler, der Dich im innersten berührt, der etwas schaffen kann, was Dich nachhaltig prägt, Dir eine Erfahrung vorweg nimmt, Dich hemmungslos begeistert oder auch gnadenlos zu Boden wirft, gibt Dir immer ein Teil von sich selbst. So ist Layne Staley unzählige Male gestorben.
Jetzt ist das Sterben vorbei. Mit 34 Jahren hat er den ersten Song vom ersten Album wahr gemacht "We Die Young". Und sicherlich werden ihm viele Deppen folgen, die nicht kapieren, daß sich jeder selbst seinen Weg wählt und ihn auch vor sich selbst verantworten muß, denn im Endeffekt ist hier ein alter Mann von uns gegangen. Auch die Moralapostel, die ein schlechtes Beispiel mehr haben sind noch meilenweit von jener Tiefe und Relevanz entfernt, die das beeindruckende Gesamtkunstwerk von Layne Staley und Bandchef Jerry Cantrell offen für jedermann bereit hält.
Alice in Chains sangen öfter vom Tod, als jede beliebige Goth Combo. Mit ihrem 1989er Debüt "Facelift" rannten sie nicht nur bei mir offene Türen ein. Die Mischung aus Psychedelic, heftigem Textwerk, Leid und Energie traf genau da, wo es weh tut. Ihr Album "Dirt", mit Stücken wie "Down In A Hole ", "Rooster" und "Angry Chair", ist für mich eine der wenigen, tongewordene Depressionen, der Trip in die EIGENEN Abgründe, die ja auch vorhanden sind, wenn man "The sun is shining, the weather is sweet..." lallt. Da ist mir "I think, it´s gonna rain, when I die" endlos lieber. Die Lieder von Alice In Chains haben mich in jungen Jahren gelehrt, mit Wut, Hass, Verzweiflung, Depression und all den "negativen" Gefühlen in mir umzugehen. Durch sie weiß ich, daß sie eben nicht negativ sind, sondern ein Teil von mir, wie jedes andere Gefühl auch. Ihnen verdanke ich die Wiedergeburt aus den tiefsten Abgründen und ... nicht zuletzt sieben meiner besten CDs, die ich besitze, den bei aller inhaltichen Schwere waren da am anfang ein paar junge Leute, die einfach nur Musik machen wollten. Mögen die Hinterbliebenen um Jerry Cantrell nicht aufhören, im Gedenken an ihren Sänger, weiterhin oder wieder Musik zu machen, die keine Leichenfledderei ist, solange sie so tief und relevant bleibt...
Spätestens seit dem Album "Dirt" 1992, das ohne Umschweife auf die allumfassenden Heroinerfahrungen aufbaute, mußte man jeden Tag damit rechnen, daß Layne Staley sich endgültig verabschiedet. Die Gratwanderung ging, wenn man ehrlich ist, erstaunlich lange gut. Höhepunkt war die Reanimantion der damals schon fast aufgelösten Alice In Chains zu einem MTV unplugged Konzert, daß ich mir unzählige Male bei voller Lautstärke gegeben habe und das in seiner Intensität wohl Seinesgleichen sucht.
Ja und hier stehen wir am Ende einer Schraube... oder eines Strudels ... denn der freiwilligen Offenbahrung folgt bei Gefallen der Zwang, es immer und immer wieder zu tun. Irgendwann weiß der Künstler nicht mehr, ob er sich selber zwingt oder gezwungen wird, Wunden nicht verheilen zu lassen. Die Maschinerie "Rock´n Roll" ist hungrig und in unserer ach so fixen Zeit auch nicht mehr satt zu bekommen. Aber nicht nur das Geschäft mit der inszenierten Sensation zerstört unsere Helden, sondern auch sie sich selbst. Für uns. Vergessen sollten wir das nie und es ihnen danken mit Wahrung, Aufarbeitung und Respekt. Vielleicht müssen dann die Schamanen von heute irgendwann nicht mehr sterben, um unsterblich zu werden.
Thank
You So Very Much & Farewell Layne Staley!
Thomas Manegold
->ALLE subKULTur- SCHEINWERFER (CHRONOLOGISCH 2000 bis 03/ 02)
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