ALLE subKULTur- SCHEINWERFER (CHRONOLOGISCH bis 03/02)
ALLE subKULTur- SCHEINWERFER (CHRONOLOGISCH ab 04/ 02)

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(26.03.02)
von ToM Manegold

Zwischenfall

Nach dem allwöchentlichen Zukreuzekriechen strömen die Massen aus den Anstalten in das dem Nichtstun geweihte Wochenende. In den Häusern warten Kaffee, Kuchen, kreischende Kinder und eheliche Pflichten auf die mit roten und grünen Lichtern dressierten, zum Teil beräderten und hupenden Zweibeiner.
Nur eine Horde kopfloser Schnürstiefel fällt plötzlich aus ihrer Nebenrolle und tritt zu. Jener spärlich bekleidete Neuzeithippie mit Siebentagebart schwimmt in seinem Blut in die Gosse.
Er hat Glück. Peter Rustinger, LKW- Fahrer mit einer Lieferung Balken auf der Ladefläche, beschließt spontan, zu bremsen und sein neues Funktelefon auszuprobieren.
Der Bereitschaftsarzt kommt schnell, weil es ihm gelingt, die vor sich hinstauenden Fastkurzurlauber mit blauen blinkenden Lampen zu beeindrucken. Er wühlt sich durch die schnappschießende Traube aus Menschenfleisch, fragt die immer noch heiß diskutierenden Schnürstiefel, ob er den Stein des Anstoßes behandeln darf und bekommt keine Antwort.
Doktor Schiwago geht das Wagnis ein und befreit den Schwerverletzten erst einmal von der Stacheldrahtschlinge, mit der dieser vermeindliche Anführer das eventuelle Opfer festhielt, als die drei anderen ihre Eisenbeschläge platzierten. Inzwischen sind auch zwei Bearmte der Polizei angekommen. Sie suchen unter den Schaulustigen erfolgreich nach den Personen, die von ihren bereits bei kaltem Kaffee wartenden Angehörigen als vermißt gemeldet wurden.
Unbeirrt von der allgemeinen Unruhe setzt Doktor Schiwago seine Untersuchung fort. Er dreht den vor Schmerz schreienden Schwerverletzten schwungvoll auf den Bauch und sucht vergeblich nach dem Ausweis.
Peter Rustinger weiß nicht, ob er noch gebraucht wird und zerbricht langsam am inneren Konflikt zwischen Pflichterfüllung und der Präsentation seines Handys. Doktor Schiwago richtet den Bewußtlosen auf, packt ihn an den Oberarmen und schüttelt ihn kräftig.
Auf die Frage des Arztes, bei welcher Kasse er den versichert sei, antwortet der Vielleichtpatient : "Vater, vergib ihnen....." Doktor Schiwago versucht den wahrscheinlich nun auf ihn zukommenden Alimenteprozeß zu umgehen, indem er vor allen noch Anwesenden diese Vaterschaft leugnet.
Weil das untersuchte Objekt keine Krankenversicherung nennt, legt es der Arzt wieder vorsichtig in den Rinnstein, geht zu seinem Wagen und stellt das Blaulicht ab. Gleichzeitig beginnt in Peter Rustinger's Latzhose das Handy zu piepen. Irgendwie weiß er, daß die Firma Ponz & Co die zwei Balken abbestellen will.

Morgen ist Karfreitag und Peter Rustinger weiß nicht, was er tun soll.

(Thomas Manegold © 1996) (Drudenfuss Trugbilder und andere Wahrheiten)


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(16.02.02)

Frühlingsgefühle

Da sind sie nun vorbei die "tollen Tage". Einmal im Jahr ist es erlaubt, sich offiziell so richtig die Hucke vollzusaufen, alles was Brüste hat, anzugraben, und sich so richtig zu blamieren, wenn der innere Trottel nur noch vom schweineteuren Pappnasenkostüm übertroffen wird.
Als Normalo darf man nur eines nicht versäumen: Den Aschermittwoch, wenn alles vorbei ist, wenn alles, was man in den letzten Tagen getan hat, wieder unzüchtig, strafbar und skandalös ist. Lediglich eine Horde Übermenschen darf an diesem Tag noch einmal so richtig die Sau rauslassen. Der Rest hat Tanzverbot.
Wenn die Politiker zur Fastenzeit ins Horn blasen oder zuweilen auch, wegen ihrer derzeit ungünstigen Lage schwitzend, in den Masskrug sabbern und das Mikrophon vollrülpsen, ist das gemeine, wohl ausgesuchte Prollvolk natürlich immer dabei, gröhlt und klatscht, wenn der Smiley über ihnen blinkt und frischt den Restalkohol mit Freibier auf, daß letztendlich von seinem Geld bezahlt ist. Ausgelassen suhlt sich das gemeine Volk in der Sicherheit der Demokratie, wedelt mit selbstgebastelten Fähnchen, während die Führer des Landes oder die, die es gerne wären, die ganze Wahrheit über ihre Arbeitskollegen rauslassen. Aber Wahrheit ist heutzutage lediglich eine Frage der Verbreitung und Vermarktung.
Wahr ist, was nützt, gut verpackt und populär ist. Auch Aschermittwochswahrheit macht da keine Ausnahme.
Schlecht verpackte Pointen und flotte politische Sprüche werden da mit Spass und Witz unter das Brot-, Spiele und Talkshowgeile Volk gebracht, welches sich anschließend nach reichlicher Übersättigung durch jene, mit Steuergeldern bezahlte Propaganda, entscheiden soll, wer denn nun unser neuer hart arbeitender und überbezahlter Reichs....ähhh.... Bundeskanzler wird. Wer soll der Held sein, der unser arg gebeuteltes Ländle aus der Finanz- und Bildungsmisere retten soll? Der am dicksten aufträgt? Im Prinzip erzählt jeder das Gleiche, es ist nur entsprechend der Parteifarbe anders verpackt. Hauptsache der Kollege sieht noch blöder aus, als man selbst.
Hasstiraden und Heucheleien unter den Politikern sind uns nichts neues. Sie amüsieren allenthalben und lenken von den eigentlichen Fragen ab. Sie sind also unnütz, denn die Regierten sind auch ohne diese leere Diskussion eher damit beschäftigt, sich die Fakten über ihre Fernsehstars aus der Bildzeitung zu holen und bemerken die Verarsche überhaupt nicht. Die Poltitik hat in Deutschland genau das erreicht, was sie sollte: Sie wird ignoriert. Die Lügner vom Dienst haben den Freibrief vom Volk. Veränderung bedeutet nur eine andere Form der Stagnation.
Und deshalb wird dann einfach mal nach Zustand gewählt, am besten die Komplementärfarbe zu Blau, weil es einfach schöner aussieht, wenn man keinen so guten Geschmack hat, dann lässt man das Wählen einfach gleich sein. Schließlich gibt es wichtigere Dinge im Leben, zu denen zum Beispiel gerade der Krieg gehört, in dem unsere tapferen Kameraden von der Bundeswehr endlich auch wieder mitspielen dürfen, schließlich ist der Tod ein Meister aus Deutschland und warum sollen die anderen erst üben müssen, wenn wir das doch schon lange können. Da gibt's wenigstens was zu Kucken und fast so viel Action, wie in jedem guten Hardcorehollywoodpopcornstreifen, nur eben noch nicht in Dolby Surround...leider.
Jepp, die sollten sich nicht immer die technisch unterentwickelten Länder für ihre Kriege aussuchen. Ich halte Japan für sehr geeignet. Es ist weit genug weg und hat den technischen Standard für eine Interaktive 3 D- Übertragung.
Manchmal sind die Bilder auch ein wenig grünstichig, was aber nicht als Wahlpropanganda gewertet werden darf, denn schließlich wollen wir den Medien ja keine beeinflussende Position beimessen. So freuen wir uns also des Lebens, frei und unabhängig, auch während Zucht und Ordnung der Fastenzeit, denn schließlich gibt's dann wenigstens Starkbier, um das Verlangen nach Unzucht etwas zu mässigen. Üben wir uns also weiter in Gleichgültigkeit und fränkischer Behäbigkeit als Marionetten des kränkelnden Staatsapparates, denn der weiß schon was er macht, gell.
Ja, 30 Arbeiter vermitteln und so tun, als wären es 100 ... oder die Reden für die NPD schreiben ... make your own public enemy...
Vorbei die "Tollen Tage", jetzt wird's wieder ernst, vergessen die Blamagen und Lügen unserer Helden in der Politik, auf in den Kampf, schließlich ist es wichtiger, ob der Nachbar seine Hecken nicht außer Kontrolle wachsen lässt oder sein Hund einen Haufen vor die Nachbarstür geschissen hat. Die Sonne scheint uns weiterhin aus dem Arsch, die Stilblüten beginnen in allen möglichen politischen Farben zu blühen, es wird Frühling im Eurovaterland und bald ist Ostern, dann gibt's auch wieder dicke Eier....
Alexander von Prümmer / ToM Manegold

 

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(10.01.02)
von ToM Manegold

RETTET HOT FM

So toll, wie diese Aktion ist, so sinnlos scheint sie mir. Riskiert man einen Blick hinter die Zusammenhänge, darf man feststellen, daß die Vereinnahmung von Radio HOT FM durch Radio Galaxy so rein wirtschaftlich doch längst stattgefunden hat bzw. immer schon eine Tatsache war.
Ich habe den Idealismus der Mitarbeiter dieses kleinen großen Senders immer sehr bewundert. Aber dieser Sender war zur falschen Zeit am falschen Platz. Jetzt, da die Konsumenten vermehrt feststellen, daß man auch via Internet Radio hören kann, jetzt, da sich immer mehr Leute die dafür notwenige Flatrate zulegen, jetzt, wo an jeder Ecke ein neues Radio aufgemacht wird, jetzt wird dieser Sender, der eine zeitlang wirklich ein Vorreiter im Internet war, aufgefressen, geschluckt, verstümmelt, auf Linie gebracht oder abgeschaltet. Das ist eigentlich schon wieder lustig.

Das dieser Sender fünf jahre lang nur gekostet hat, ist weder das Verschulden der redaktionellen Mitarbeiter, noch in einer mangelnden Akzeptanz zu sehen. Wer so einen, fast schon avantgardistischen Sender (zumindest war er das früher einmal), versucht an die selben Kunden zu verkaufen, Anzeigen schalten, ist selber Schuld. Neben diesem berüchtigten Hofer Heimatsender bedient auch jedes andere bayerische Lokalradio bestimmt nicht das selbe Klientel wie HOT FM. Man müßte sich rein wirtschaftlich innerhalb der Kultur bewegen, die man bedient. Neben Clubs und Plattenfirmen haben schon ganze Produktionszweige das wirtschaftliche Potential der Alternativen erkannt.

Viel zu lange dümmpelte HOT FM in einem eingeschränkten Sendegebiet vor sich hin. Mal abgesehen von der hirnrissigen geographischen Lage ist es doch, schon rein an der Bevölkerungsdichte innerhalb des Sendegebietes ersichtlich, wieviele Leute mit adäquatem Musikgeschmack über UKW überhaupt erreicht werden. Von da her hat HOT FM schon einiges geleistet. Sicherlich hat dieser Sender dazu beigetragen, daß ausgerechnet in Hof eine verhältnismäßig hoher Anteil der hörenden, aufrecht gehenden Zweibeiner wissen, daß es eine riesige alternative Musikszene gibt, fernab von Chartsgedöhns und Mainstream. Und daß HOT FM gut ist, zeigt uns doch die Tatsache, daß wahrscheinlich mehr Amerikaner diesen deutschsprachigen Sender hören, als Deutsche.

Würde sich Radio "Galaxy" dazu hinreißen lassen, ein ähnliches Musikformat, wie HOT FM zu fahren, dann würde die Formel: "Wer wagt, gewinnt" sicher aufgehen, denn bayernweit, ja selbst nur "frankenweit" würde dieses Musikformat glänzend funktionieren- und dann könnte ich hier im ach so fernen Bayreuth, den Sender ebenfalls hören. Aber im Endeffekt wird das nie passieren. Niemand hat ein Interesse an einer breiteren Akzeptanz derer, die anders sind. Zwar hat HOT FM sein Potential in dieser Hinsicht weder benutzt noch mißbraucht, aber Dinge, die anders sind, als der diktierte Einheitsbrei, haben Machtpotential. Meistens regelt das Diktat von Kultur und Meinung allein unser wirtschaftliches Prinzip. Dort wo Geld nicht die Kultur regiert, tun es andere.

Das, was in Hof gerade abläuft ist die Playmobilversion dessen, was einst die Auflösung von DT 64 auslöste. Damals gab es Massenkundgebungen wegen der bevorstehenden Senderabschaltung. Zumindest gibt es jetzt noch Radio Spudtnik, vielleicht sogar wegen des Aufruhrs damals, denn der Protest war so massiv, daß man nicht mehr vertuschen konnte, entgegen des demokratischen Mehrheitsprinzips zu handeln. DT 64 haben mehr Leute gehört, als Antenne Bayern ... In diesem Sinne- macht euer eigenes Radio auf, wenn ihr wollt. Nach HOT FM kräht, außer einer handvoll Nostalgiker, schon nächstes Jahr kein Hahn mehr. Menschen, die das vielleicht verhindern könnten, werden gegangen, sofern es sie gibt. Mindfuck läuft immer und auf jeder Ebene nach dem selben Prinzip ab.

Also, meine Hochachtung an den Sender und seine Mitarbeiter, insbesondere an Joe Liebschwager, an diese Aktion und bei allem Pessimismus: Ihr seid nicht allein.

Grüße! Thomas Manegold

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(14.09.01/)
von ToM Manegold

08.10.01 - DER RÜCKSCHLAG

Die Mechanismen wiederholen sich. Anstelle des in sich zusammenfallenden Hochhauses dürfen wir nun ein pixeliges dunkelgrünes Bild im Halbstundentakt bestaunen - ach ja, und unseren Außenminister, wie er sich entgeistert in die Anzugtasche fast, weil sein Handy piept, während der Kanzler spricht. Ok, das kann ja mal passieren, aber bitte nicht vier mal pro Stunde. Dazwischen drei Übersetzungsvarianten einer fast live übertragenenen Presseerklärung. Wer zu spät kommt, den bestraft die Fernbedienung ...

Die USA haben nun zurückgeschlagen und das Gestammel @ the other side of mattscheibe geht einem viel früher auf den Sack, als noch vor drei Wochen. Aber erst, wenn Moderatoren vergeblich versuchen, frei zu sprechen, wenn Nachrichtensprecher so tun, als hätten sie das Wort "Neutralität" noch nie gehört, wenn wir den dritten ollen Schinken mit guten amerikanischen Soldaten und die vierte Reportage über das Gespenst "Islam" gesehen haben, werden wir merken, daß alles nach den gleichen Mustern funktioniert, wie die BMW Radkappe, die im Film "Armageddon" über die Leinwand rollt, nachdem zuvor "Reportagen" über Kometen im Fernsehen das Publikum sensibilisierten und weichklopften. Es ist sehr wahrscheinlich, daß die polarisierende Wirkung unser TV- Schlacht noch nicht einmal von oben gesteuert wird, sondern durch die Mechanismen, die am 11.09.01 in Manhattan so erschüttert wurden. Ich weiß nicht, ob das gut oder schlecht ist. Quote über alles!

Jede Menge wichtiger Menschen haben sich inzwischen die Münder fusselig geredet.Trotzdem bleibt immer wieder die Frage: schwarz oder weiß, dafür oder dagegen. "Also ich bin gegen die Terroranschläge, und ich bin gegen einen Krieg. Aber ich bin dafür, daß sie den bin Laden kriegen." URGH! Inzwischen kann man es sich leisten, über ein Kind zu berichten, die sich in der Schulen erdreistete, nicht gänzlich der kollektiven Meinung zu sein, und deshalb von der Schule fliegen sollte...

Andererseits: Keiner anderen Nation hätte man so viel "Vorsicht" und Getue abverlangt, wenn ihr Ähnliches widerfahren wäre, wie den USA. Jede Aktion gegen Afghanistan wäre nach unser aller Machtprinzipien legitim. Aber entgegen ihrem Ruf (und auch entgegen ihrem Gebahren) hat sich die Supermacht USA bis jetzt erstaunlich zurückgehalten. Möge die wohl perfekte Mischung aus Besonnenheit, Weitsicht und Kalkül noch andauern! Mögen alle sich einen kühlen Kopf bewahren... und ein warmes Herz, wenn man mal so kitschig daherreden darf.... alle... die Bärtigen, die Glattrasierten, die Unterernährten und die Übergewichtigen Akteure dieses Theaters und wir, die Zuschauer... Und mögen wir die Zuschauer bleiben.

Aber letztendlich weiß niemand, wie es weitergeht. Entscheidend über das Ausmaß der Katastrophe, die nun die Welt ereilen wird, ist nicht die Strategie der Amerikaner und die vermeindlichen Bakterienkolonien des Herrn bin Laden. Enscheidend ist, wieviele nun seinem Aufruf zum Heiligen Krieg folgen werden. Wir wissen nicht, wie stark der kollektive Geist der Islamischen Welt ist. Es ist jedenfalls so groß, daß in den vielen Antworten der zum Thema Nr. 1 befragten Moslems, neben dem afghanischen Problemen, eben auch so komische Schlagworte wie "Kashmir" und "Palästina" auftauchen. Genau dieser Zusammenhang ist der von "uns" so eifrig ignorierte Schlüssel. Ob und wie weit eine Religion oder Weltanschauung sich wegen eines Aufrufes über humanitäre Denkweisen hinwegsetzen wird, kann nicht einmal der Rufer selbst abschätzen. Thomas Manegold.

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(14.09.01/)
von ToM Manegold

14.09.01 / 22 Uhr - DIE FATALEN FOLGEN

Fassungslosigkeit. Man sucht Begründungen für den Schock in uns allen und man hat Angst. Vor Folgeanschlägen, vor einem Krieg und langsam auch vor der medialen Einmündigkeit und Permanenz.

Inzwischen sind Moslems, Männer mit dunklen langen Bärten und Menschen mit verhüllten Köpfen latent gefährdet.

Jeder "Übergriff" ist mehr als verständlich, ist leider allzu menschlich, aber nicht zu entschuldigen. Klar, ich bin nicht unmittelbar betroffen (hoffe ich mal), aber jeder Ansatz von Lynchjustiz aufgrund von Aussehen und Glauben bringt uns dem Glaubenskrieg ein wenig näher, und den können wir nicht gewinnen! Weil wir keinen Glauben haben, der so einem Krieg standhalten würde, dem Krieg der Götter: Allah gegen ... wen - gegen das Geld, gegen den Fernseher?

Inzwischen gibt es Talkshows mit Überlebenden und Hinterbliebenen.

Berichte aus erster Hand. Sich windende Politiker, weinende Mütter, eifrige Journalisten und Banker, die deshalb überlebten weil sie wegen schlechtem Handyempfang auf die andere Straßenseite gegangen sind. Das Fernsehen macht seinen Job inzwischen weiter, wie immer. Die Themen der Talkshows haben sich geändert, das Niveau nicht.

Inzwischen sind wir alle Amerikaner. Inzwischen sind wir alle christlich zivilisiert.

Aber genau dieser Anspruch, die einzigen zivilisierten Menschen zu sein, der Anspruch, nur weil unser Wertesystem, unser Gott und unsere Wirtschaft die Welt scheinbar dominiert, Herrscher zu sein, ist einer von vielen Gründen für diese Eskalation der Gewalt. Das legitimiert sie keineswegs, es ist eine mögliche Erklärung.
Diejenigen, denen das mit Recht scheißegal sein dürfte im Moment, sind die Menschen in den Katastrophengebieten.

Inzwischen bemühen sich alle um Normalität.

Das Oktoberfest wird stattfinden. Die Vorjahres"O´zapft is!" - Bilder vom grinsenden Edmund gehen um die Welt. Es ist die Freiheit, die uns diesen schweren Schritt gebietet, nicht etwas die eine Milliarde Verlust, die auf die involvierten Großverdiener zukäme. Es ist die selbe Feiheit, die mich dazu veranlaßt, ums Verrecken nicht dazugehören zu wollen- weder zu den Biertrinkern auf der Wiesn noch zu den "Christlich-zivilisierten". - und das war auch schon so, als es das World Trade Center noch gab und das wird auch so sein, wenn es wieder steht.

Inzwischen gibt es erste Zahlen: 5000 Vermißte, 40 Milliarden Dollar Schaden. Und 40 Milliarden für die Mobílmachung, denn es soll Krieg geben, sobald der Gegner feststeht.

Aber gerade das steigert die Wut ins Unermeßliche. Es gibt offensichtlich keinen Gegner. Jedenfalls nicht im herkömmlichen Sinne. Es gibt kein Monument, daß man erobern oder plattmachen kann. Es gibt nur den fanatischen Haß auf die USA und die "westliche Welt". Deren Medienrummel neigt inzwischen zur Kriegspropaganda. Und weil die westliche Welt ihre eigenen Medien schon vor dem 11. September für die Wirklichkeit hielt, scheint momentan nichts anderes mehr zu passieren. Doch das Sterben geht weiter. Und auch das Leben - diesseits und jenseits des Wohlstandes.

Inzwischen frage ich mich: Wem nützt es? und Wie konnte das überhaupt geschehen? und Was wissen wir eigentlich wirklich?

Den Akt der Zerstörung, das unermeßliche Leid, die vielen Toten dürften auf dieser Welt nur ein paar verwirrte und kranke Geister wirklich erfreuen, allerdings werden die meisten Antipathien gegen die Supermacht USA den Schock überleben, der sie momentan aus den Köpfen und Herzen jenseits unserer christlich zivilisierten Welt verdrängt. Kann man gegen den Haß einen Krieg führen? Thomas Manegold

 

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(11.09.01/ 22 Uhr)
von ToM Manegold

11.09.01 / 22 Uhr - DER TOTALE TERROR

Die Welt steht Kopf. Nichts ist mehr, wie es war. Irgendwie sind alle Ereignisse, die mich noch vor ein paar Stunden beschäftigt haben, auf eine unerträgliche Weise lächerlich geworden. Wie groß muß der Haß sein, wie absurd verkommen muß ein Mensch sein, der Passagierflugzeuge kapert, um sie als Bombe zu benutzen. Die Perversion, die Degeneration Mensch hat eindeutig eine neue Qualität erreicht.

Inzwischen rechnet man mit Tausenden von Toten. Inzwischen haben alle wichtigen Personen ihre Bestürzung in die Welt geschrien und unser Bundeskanzler unser aller bedingungslose Solidarität der USA zugesichert.


Im Inneren wissen wir, daß hier nicht etwa Unbeteiligte rücksichtslos geopfert wurden. Offensichtlich sind wir alle der Feind... eine wirtschaftliche Bedrohung, eine geistige Bedrohung... Wir können froh sein, wenn es wirklich nur 20 Verrückte waren, die mit ein paar automatischen Waffen, ein paar Handys und diversen Flugkenntnissen dafür verantwortlich sind. Oder sollten wir hoffen, daß da mehr dahintersteckt, irgendwas Aufwendiges, irgendeine Organisation, damit wenigstens ein wenig von unserem Glauben an Stabilität übrig bleibt? Irgendwie beschleicht mich der Gedanke, daß wir die Wahrheit über diese Anschläge nie erfahren werden. Denn im Endeffekt, und das sollte uns nach 6 Stunden Nachrichtenpowerplay sehr zu denken geben, wissen wir gar nichts über Ursachen und Hintergründe. Die Fakten, mit denen in Fernsehen herumjongliert wurde, passen in nebenstehenden Streifen- mal abgesehen von technischen Details.

Inzwischen laufen die Schreckensbilder von der Zerstörung eines Weltwirtschaftszentrums in Endlosschleife über sämtliche Kanäle. Inzwischen laufen sämtliche Börsendaten in den Keller und sämtliche Rohstoffpreise in die Höhe.

Im Vergleich zu den üblichen Katastrophenbildern aus sozial und geographisch fernen Krisengebieten ist das hier alles realer. Die große Leistungsfähigkeit unserer Medien schlägt live und in Farbe unerbittlich zu. Nur ist das kein Videospiel mehr, wie einst der Golfkrieg. Das könnte auch Frankfurt sein, oder Berlin. Es richtet sich gegen die Gesellschaft in der ich lebe. Eine Gesellschaft, die mir und ihren anderen Kindern Unverwundbarkeit und Größe predigt. Viva unterbricht vorläufig sein Programm und sendet jene Sprachlosigkeit in die Welt hinaus, die uns alle beschleicht. Kein Sarkasmus hilft mir mehr darüber hinweg, kein Zynismus reicht aus, sich vor dieser Wahrheit zu schützen.

Inzwischen haben die USA neben dem gesamten Flugraum auch ihre Grenzen komplett dicht gemacht. Ebenso schließt Israel seine Grenzen. Inzwischen sind auch die Militärs anderer Nationen in Alarmbereitschaft.

Menschen, mit denen ich lebe und arbeite reden plötzlich über die Angst vorm Krieg. Jetzt sind wir Erstweltler verletzbar ... nicht nur wegen der unabsehbaren Schäden materieller und wirtschaftlicher Art, sondern auch wegen unserer Emotionen. Wie steht doch unser aller Wohl bei allem wirtschaftlichen Größenwahn und bei aller technisch begründbaren Arroganz Tag für Tag auf der Kippe. Und wie steht nun unser Urteilsvermögen förmlich am Pranger. Wenn jetzt jemand "KRIEG" schreit, reden wir nicht mehr über das World Trade Center. Thomas Manegold

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(Juli 2001)
von ToM Manegold

ERWACHET!
Bayreuth & der Rock`n´Roll

Der im Juli erschienene Bayreuth-Bootleg-Sampler, der 18 regionalen Bands ein Forum bietet, überrascht mit interessanten Beiträgen und vermittelt den Eindruck, in Bayreuth gäbe es eine intakte Musikszene. Obwohl letzteres zwar einer Lüge gleichkommt, gibt sein Erscheinen allen beteiligten Bands die Chance, etwas zu tun. Oder sollen sich ausschließlich diejenigen darum kümmern, die bereits verrückt genug waren, in das Projekt Zeit und Geld zu investieren? Eigeninitiative ist angesagt! Eigentlich ist so etwas selbstverständlich, denn als Musiker sollte ich mich und meine Musik immer und überall präsentieren, pausenlos an mir arbeiten, jeden Tag meinem Dasein als Künstler widmen, um etwas zu erreichen. Wenn ich außerdem noch etwas anderes zu tun habe, kaufe ich mir einen Terminkalender. Es gibt Väter und Mütter, die Kinder großziehen, Kühlschränke füllen und nebenbei arbeiten. Da werden die Kinder ja wohl Beruf, Beziehung, Kneipe und Musik unter einen Hut bringen können.
Eine Band muß immer auf dem aktuellen Stand sein, was Studiotechnik und Kommunikation angeht und benötigt ein Telefon, eine E-Mail Adresse und eine stets aktuelle Homepage. Sie sollte die Medien kennen, die über sie berichten sollen. Sie braucht eine Pressemappe und sollte jeden Flyer, auf dem ihr Name steht aufheben. Sie muß mit den Dingen, die andere über sie sagen, arbeiten, sie verbreiten! In der Wirtschaft nennt man so etwas Referenzen. Begeisterung ist eine Kunst und eine Medaille mit zwei Seiten. Ich muß mitreißend sein, mich gleichzeitig aber auch über Erfolge anderer freuen können. Das geht natürlich nicht, wenn ich nicht dabei bin. Niemand kommt zu meinem Konzert, wenn ich nicht zu seinem gehe. Nur wenn ich präsent bin und mich anderen schmackhaft mache, bekomme auch ich die Möglichkeit, mir vor einem größeren Publikum den Allerwertesten abzuspielen.
Nur wenn eine Band selbst bereit ist, für ihren Erfolg hart zu arbeiten, ist ihr Schrei nach Hilfe und Förderung von außen berechtigt. Wer sich allerdings in gemachte Nester setzt, weiß nicht, wie man sie baut. Das Musikerleben in der freien Wildbahn ist hart, weil der Markt mit Musikern und ihren CDs übersättigt ist. Sich dort einen Platz zu erstreiten lernt man im Gehege einer regionalen Szene. Aber auch hier gelten die normalen wirtschaftlichen Regeln. Und auch hier trennt sich Spreu von Weizen. Der Spreu bleibt dann das Jammern. Und weil sich das Jammern mit einem Bier noch viel jämmerlicher von den Lippen löst, sind wir in unserer Bierstadt doch rundum bestens versorgt. Thomas Manegold

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(Juni 2001)
von ToM Manegold

AUSGEBRANNT?
ÜberAngebot & Nachfrage

Die Wintergrippe wurde übergangslos zur Sommergrippe- vielleicht befinde ich mich deshalb in einem derzeit ziemlich desolaten Zustand. Doch auch die CD- Koffer fallen bald auseinander, die Papierberge werden größer, die Arbeit wird nicht weniger ... und Experimente, wie das Alternative Rock Festival, stoßen auf wenig Interesse.
Doch es sei mir die Annahme gestattet, daß es kein lokales Problem, sondern ein deutsches Naturell ist, wenn die Möglichkeit genügt, etwas tun zu dürfen. Deshalb haben Dientsleistungsunternehmen einen guten Ruf und einen schweren Stand. Deshalb rangeln auch Clubs um potentielle Gäste.
Als das U- Boot Bayreuth im Mai so sang und klanglos die Tore schloß, ging ein Aufschrei durch unsere Möchtegerngroßstadt. Allerdings riefen weitaus mehr Leute ihren Unmut über die (vorübergehende) Schließung des Ladens in die Welt hinaus, als jemals dort waren. Soll jetzt nicht heißen, daß das U- Boot leer war.
Der Freitag mauserte sich dort einst zur erfolgreichen Indieveranstaltung und zog eine Menge DJs an, die gern dran teilhaben wollten. Eines habe ich aus der U- Boot Zeit gelernt: Zur Etablierung eines Ereignisses jenseits des Mainstream braucht man Zeit, Geduld und viel Idealismus. Letzteres wird einem spätestens dann abgesprochen, wenn der Laden läuft.

Sehe ich mich an den Wochenenden um, wird mir schlecht. Biersaufenfürnemarkbisdreiundzwanziguhr ist angesagt. Ich sehe nichts von einer Spaßgesellschaft, sondern eine Masse von Menschen, die schwer damit beschäftigt ist, sich zu betäuben, um ausgelassen zu sein zu können, rumzupöbeln, sich zu prügeln, jemanden ins Bett zu kriegen bzw. bei jemandem unterzukommen ... je nach Spaßfaktor und Anspruch. Nicht daß ich etwas gegen diese Freizeitgestaltung einzuwenden hätte- es geht mir nur um diese Ausschließlichkeit, die sich da breit macht.
Jetzt wird sich mancher fragen: "Was will der eigentlich, seine Party läuft doch super!" Tut sie auch. Die "La nuit obscure" hat alle Erwartungen längst übertroffen. Es geht ums Drumherum, das ich nicht kapiere: Die Flyer, die irgendwo in den Wäschestapeln vergammeln, die subKULTur Hefte im Mülleimer, der Satz: "Tolles Heft - vielleicht mache ich ja im nächsten mal `ne Anzeige." Fast belustigend ist das Phänomen, daß zu unseren massive beworbenen Konzerten manchmal weniger Leut kommen, als sich persönlich ankündigen. Es kotzt mich an, Kneiper oder Bodybuilder am Einlaß zu fragen, ob ich Flyer auslegen darf, die dann hinter meinem Rücken entsorgt werden, endlose Diskussionen darüber zu führen , was kommerziell und was nicht kommerziell ist, Musikwünsche wie: "Spiel doch mal gute Musik und nicht so ein Scheiß" und Fragen wie "Was machst Du eigentlich außer dem Ganzen hier?". Jedes für sich eine alltägliche Nichtigkeit, aber zusammengenommen (mit der Grippe & den kaputten Koffern) wirft das schon manchmal die Frage auf: "Wofür tut man das eigentlich?"
Das soll jetzt nicht diejenigen vor den Kopf stoßen, die uns unterstützen und die mit ihrer Party, egal, ob sie Industrialization, Sexbeat, Metalmorphosis, Destination Void oder Tales From The Disintegrated 80s :-) zu einem Teil des Ganzen geworden sind. ( Der Student sagt "einbringen" dazu). Es soll nur daran erinnern, daß viele Dinge sehr schnell selbstverständlich werden. Sie sind erst dann wieder wichtig, wenn die Selbstverständlichkeit sie von der Bildfläche gefegt hat.

Wir sind kein Randgruppendienstleistungsunternehmen! Doch wir sollten es wohl sein, da sich unser Publikum größtensteils auch nur aus Konsumenten zusammensetzt. He, fühl Dich jetzt nicht gleich angepisst! Es ist nicht der einzelne ehrenwerte Mensch, sondern die Masse, die immer lauter "Unterhalte mich!" schreit und sich in die Position des kritisch- passiven Beobachters begibt. Ist ja auch kein Wunder, wenn man bedenkt, daß ca. 30 Zeitungen, 20 Festivals und eine unüberschaubare Anzahl von Clubs dem alternativen Menschen erklären wollen, daß er sie unbedingt braucht. Da macht sich Vergeßlichkeit breit, die sich in solchen Sätzen wie "Was, das ist schon heute?" und "Ich wollt eigentlich kommen, aber ich habe es vergessen." äußert. Spätestens dann hilft kein neuer RAM- Baustein mehr, sondern nur noch eine Festplattenformatierung und die Erinnerung daran, daß man auch einen eigenen Willen hat. In der Tat gibt es viele Leute, die sich im exisiterenden Überangebot noch langweilen. Früher war alles besser, da hat man sich gelangweilt, weil wirklich nichts los war. Thomas Manegold

 

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(März 2001)
von Jan van Bruck

ES IST SOWEIT!
GRAND PRIX & SCHLAGER FÜR GRUFTIS

Die Belanglosigkeit triumphiert über aufgeblasene Medienpüppchen. Beim diesjährigen Vorentscheid des Schlager Grand Prix bewies das wählende Volk, daß es nicht jeden Medien-Hype schluckt. Was für mich persönlich doch recht überraschend kam, und in mir nun die Hoffnung aufkeimen läßt, daß die Talsohle des Ungeschmackes erreicht sein könnte. Die Zuschauerquoten der täglichen- gestellt-oder-nicht gestellten- Voyeur- Seifenopern sinken. Die Sonne am Horizont scheint wieder zu steigen und die Schatten der Zwerge werden endlich wieder kleiner. Wer hätte das gedacht, der belächelte Schlager, in Form von MICHELLE triumphiert über die zelebrierte Blödheit bemitleidenswerter Selbstdarsteller wie ZLATKO oder RUDOLPH MOOSHAMMER. Der "Nur-Nicht-Einmal-Spaß-Inhalt" funktioniert nicht , denn im Gegensatz zu RAAB und HORN, waren die diesjährigen, jetzt gekränkten Blasestars ZLATKO und MOOSI absolute musikalische Nichtskönner, zumindest hatten sie wahrlich nichts bei dieser Veranstaltung zu suchen. Das Saalpublikum buhte zurecht und die Nation hat zwei zwar BSE-freie, aber denn noch beleidigte Leberwürste mehr. Nachdem der diesjährige "Countdown Grand Prix Eurovision 2001" teilweise zur Karikatur verkam, dürfte im kommenden Jahr die profitgeile Dummheit diverser Selbstdarsteller, dieser Veranstaltung fern bleiben. Man mag zum Schlager Grand Prix stehen wie man will, Schlager ist so oder so nicht tot zu kriegen, aber wenn man schon Belanglosigkeit zelebrieren möchte, dann bitte mit Hand und Fuß, d.h. zumindest ein Funke "Können" sollte vorhanden sein. Ich frage mich aber, warum Herr Siegel jedes Jahr mit zwei Kompositionen antreten kann, das spricht dann wiederum nicht unbedingt für eine Institution, die den Namen Wettbewerb trägt. Ich denke auch einem Herrn Siegel täte ein Jahr Pause vom Grand Prix ganz gut. Vielleicht könnte dann der deutsche Schlager doch noch spannend werden, denn die außer Konkurrenz startenden ROSENSTOLZ & MARC ALMOND zeigten, daß Schlager auch ein gewisses Niveau haben kann. Wenn ich mir die derzeitige "unabhängige Musiklandschaft" so betrachte, dann sehe ich dort auch so einige Aspiranten, die sehr gut als "Schwarzer Schlager" vermarktet werden könnten. Irgendwie eine schöne Idee, das "alternative" Niveau wieder ein wenig zu korrigieren. Weichspüler für schwarze Wäsche schön und gut, aber braucht die Welt Schlagermusik für schwarzgekleidete Menschen? Jan van Bruck

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(Februar 2001)
von ToM Manegold

ENDLÖSUNGEN
LIFE AFTER MASSENSCHLACHTUNG

Da soll mal noch einer sagen, das sei alles Quatsch gewesen, das mit der Endzeit. Zugegeben, erst haben wir 2000 vergeblich auf den Totalzusammenbruch gewartet, dann haben wir uns an Adam Riese erinnert und festgestellt, daß unser heißersehntes neues Jahrtausend doch erst 2001 anfängt. Also noch ein ganzes Jahr ausgeharrt und- Wieder nix! Doch die Welt strebt Endlösungen an - alles braucht eben seine Zeit. In den USA verabschiedet man sich von der Demokratie und bestimmt den ersten Klon zum Präsi. Auch in Israel denkt man über Endlösungen nach, denn man kann sich ja nicht ewig in mühevoller Kleinarbeit Man für Mann zusammenschießen und für jeden einzelnen eine lautsarke Trauerfeier veranstalten. Wenn die da unten so weiter machen, sind sie in 10 Jahren noch nicht fertig. Zugegeben, diesbezüglich haben sich die Zeiten, zumindest in der ersten Welt etwas gemäßigt. Man ekelt die Querdenker ins Abseits und schießt sie nicht mehr über den Haufen.
Unterdessen macht Mutter Natur richtig ernst. Die Eisbären hüpfen von Scholle zu Scholle, die Wüstenbewohner frieren sich den Arsch ab oder ersaufen und wir sparen uns in drei Jahren locker die Winterreifen. Bis dahin müssen unsere Subventionsfonds wieder frei sein, denn die Autoindustie wird durch den Wegfall von Salzfraß, Wintercheck und Glatteisunfällen Milliardenumsätze einbüßen. Also müßten wir in drei Jahren daß Problem mit den Rindern beseitigt haben oder damit anfangen, die bauern zu schlachten, damit wir uns die Autobauer noch leisten können. Man hätte die verrückten Rindviecher noch vor einem halben Jahr an die Schweine verfüttern können, weil die ja bekanntlich so schnell verfetten, daß man sie schlachten kann, bevor sie blöd werden, doch schon kommt die nächste Seuche, die alle Tier-KZ- Insassen befällt, die Mäuler und Klauen haben.
Durch die organisierte Massenvernichtung von Fleisch auf vier Beinen werden nun riesige Mengen pulverisierte Meeresbewohner übrig bleiben, weil man sie nicht mehr verfüttern kann. Mc Donalds hat schon reagiert: Fischwochen seit ca. 2 Monaten. Na, wenn das kein Abendmahl ist!
Doch mal im Ernst: Wenn das Tierschutzgesetz im ach so peniblen Deutschland nur dann eingehalten werden kann, wenn pro Monat eine bestimmte Anzahl von Tieren gefressen wird, sollten wir Moral und Ethik bei der nächsten Schlechtschreibreform einfach aus unserem Wortschatz tilgen und das Pflichtcloning einführen. Dann kann man sich der Selbstherrlichkeit gnadenlos hingeben, ganz ohne Gummi. Goodbye Horses! Thomas Manegold

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(Dezember 2000)
von Alexander von Prümmer

DA WÜNSCH ICH ROHES FEST
DAS WORT ZUM FEIERTAG BY WERKSTAAT IND.

Es ist Winter...ja genau die Jahreszeit, in der alles um einen herum in monochrome Grautöne getaucht ist und die lauschigen Temperaturen das letzte bisschen Hirn einfrieren. Da freut man sich doch, nach dem nervtötenden Arbeitstag im warmen Zuhause zu sitzen und mal einen gemütlichen vor dem Fernseher zu machen. Da schaltet man dann die Kiste ein, zappt sich durch die Programme, ersäuft im wohlverdienten Bier und in allgemeiner Volksverdummung. Da sitzt ein bunt zusammengewürfelter Haufen von Vollidioten in einem Container, der von der Außenwelt abgeschnitten bleibt, damit sich die Insassen entweder irgendwann zerfleischen oder einfach konventionslos gegenseitig vögeln ... so wie im richtigen Leben, und ganz Deutschland ist live dabei.
Nun ja, da muß man schließlich nicht nachdenken. Wer will denn das überhaupt? Rhetorische Frage, denn wir alle schalten die Glotze ein und das Hirn ab, vorrausgesetzt natürlich, jenes nicht schwellfähige Weichteil war überhaupt irgendwann einmal in Funktion.
Zur Zeit haben wir gemeinsam Angst, uns eine Krankheit von irgendwelchen verseuchten Tieren zu holen, die wir selbst vom Vegetarier zum Kannibalen gemacht haben. Man könne sich etwas einfangen, was das Gehirn außer Funktion setzt, warnen uns die allwissenden Medien. Aber solange wir uns brav vor den Fernseher setzen, um immer informiert zu bleiben, wen es denn wohl heute wieder erwischt hat, kann uns ja auch nichts passieren, denn warum heißt der Fernseher denn so? Weil alles schlimme nur in der Ferne passiert. Wer braucht einen Adolf Hitler, wenn es den Flimmerkasten gibt, der einem sagt, was man zu tun und zu lassen hat, der die Moral diktiert und uns das Denken abnimmt.
Was solls, wir nutzen sowieso nur zehn lausige Prozent der grauen, ekligen Masse in unserem Kopf und auf die kommt es auch nicht mehr an. Hat auch niemand gesagt, daß das irgendwie "trendy" ist. Warum Individualist sein, da schau ich mir doch lieber MTV an, da gibt's ganz viele verrückte Typen, glaub ich, die sehen auf jeden Fall irgendwie so aus. Aber woher soll ich wissen wie ein Individualist aussieht. Warum soll ich in unserer verkommenen, demoralisierten Gesellschaft irgendwo anecken, indem ich anfange über den Sinn des Lebens nachzudenken. Dafür gibt es bestimmt irgendwo auch einen Sender. Da brauch ich mir nicht den Kopf darüber zerbrechen, das macht schon irgendwer und der bekommt sogar Geld dafür. Warum soll ich mir an etwas die Zähne ausbeißen, wenn ich alles schon vorverdaut und ausgekotzt haben kann und nur durch einen Strohhalm aus der Pißrinne eines Anderen schlürfen muß. Macht doch jeder.
Dadurch holt man sich dann die Krankheit, die niemanden interessiert. Man verkommt zu dem hirnlosen, stumpfsinnigen Einheitsbrei der sich Durchschnittsbürger nennt und eine ganz wunderbare Vielfalt an Grautönen zu bieten hat (256 - Die Red.)...passend zur Jahreszeit.
Das sogenannte "schwarze Schaf" ist doch nur ein Mensch, der sich aus der Masse durch den Versuch, individuell zu sein, abhebt und dafür bestraft wird, weil er sich weigert das Denken aufzugeben. Überlassen wir also lieber weiterhin, wie unsere Vorfahren in der Steinzeit dem "Big Boss", der heutzutage so ähnlich heißt, das Denken und das Entscheiden. Hauptsache wir können weiterhin treudoof glauben, wir seien frei und unabhängig. Wir können uns weiterhin über Nichtigkeiten am Stammtisch streiten, unseren Topf mit Schmierfett auf die Arbeit tragen und unserem Chef so richtig jung, dynamisch und aufstrebend in den Arsch ... kriechen (zu mehr sind wir ohne Gummi nicht bereit!). Danach können wir noch von Moralverlust unserer Gesellschaft reden ohne rot zu werden und anschließend auf die viele Werbung im Fernsehen schimpfen. Wenn uns dann nichts mehr einfällt können wir, wie gewohnt die Glotze einschalten und uns diktieren lassen, worüber wir uns als nächstes aufzuregen haben , wovor wir uns fürchten müssen , wer gut, wer böse ist und wen man hassen muß. Warum hasse ich dann aber die Menschheit? Das hat mir, glaube ich, niemand gesagt. Aber bevor ich anfange, darüber nachzudenken, gehe ich doch lieber irgendwas einkaufen...oder schalte den Fernseher ein. Da wünsch` ich rohes Fest. WERKSTAAT IND

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(Dezember 2000)
von ToM Manegold

AB MORGEN WIRD ZURÜCKGESCHOSSEN
OPPORTUNISMUS ALS PRINZIP

Zeig mir Dein Gesicht, sei ehrlich und stehe zum kleinen geilen Spanner in Dir. Das Leben wäre so langweilig ohne RTL2 und die Kneipe gegenüber.... Trage Deinen niederen BILDungsstand mit stolz. Plappere sie nach, die kollektiven Dekrete gegen Gewalt und gegen Krieg. Ich bin gegen den Hunger in Afrika und gegen AIDS bin ich auch.... Ja, wer ist das nicht?

Die sterilsierten, trendgeilen, minderbemittelten Gesichtslosigkeiten da draußen vermehren sich per Mindfuck wie die Karnickel. In den Zeiten grenzenloser Kommunikation beschränkt man sich auf eine Comicsprache und schnurlosen Smalltalk mit maximal 160 Zeichen. In Zeiten grenzenloser technischer Möglichkeiten beschränkt sich unser aller Musikgeschmack, jede Mode und jede Meinung auf das, was wir sehen können- bei MTV und VIVA. Die nächste unmögliche Wette in einer unserer beliebten Game Shows ist wohl, die zwanzig meistverkauften Lieder mit geschlossenen Augen nur am Klang zu erkennen und zu unterscheiden. Aber was sich gerade so paradox in der Musikwelt abspielt ist in anderen Gesellschaftsbereichen schon längst eskaliert: Einschränkung durch Vielfalt und virtuelle Narkotika. Die Menschen ersticken im Überfluß und suchen Leitbilder, um sich in den vielen Eis- und Parfümsorten, in den vielen Religionen, Diäten und Illustrierten, in den vielen Cds und DVDs und in der unüberschaubaren Menge der Klamotten, Käsesorten und politischen Strömungen zurechtzufinden.
Es besteht dahernicht nur bei diversen Minderheiten immer dringender der Wunsch, sich zu distanzieren von den lächelnden Gestalten, die ihre Fähnchen schneller drehen können, als die Winde sich ändern. Es besteht der Wunsch, die Scheinheiligkeit wieder auszumerzen, Doppelmoral zu unterbinden. Respektlosigkieit und Dummheit auf ein erträgliches Maß zu beschränken.
Sobald aber etwas Ernstzunehmendes unsere Grundfeste erschüttert, wirft man alles über den Haufen. Wenn die Demokratie in Frage gestellt wird, wird sie diktatorisch. Solange alle brav rumstehen und sich gegenseitig gut zureden, ist alles OK. Sobald sich etwas bewegt, wird geschossen. Sobald zurückgeschossen wird, geht das Jammern los- und das flächendeckende Bombardement. Wer klein denkt und handelt, wird in seiner Kurzsichtigkeit die Folgen seiner Verfehlung nicht erkennen und genau deshalb habe ich Angst vor überheblichen Kleingeistern, gleich welcher Rasse, Partei, Religion und Berufsgruppe.
Ich bin gegen den Sprachverfall und für das Buch, ich bin gegen verschwommene Flecken in den Musikvideos und für saftigen Sex, ich bin gegen das Recht und für Gerechtigkeit. Ich bin gegen Spielzeugwerbung in den Kinderfilmen und für Uniformen in den Schulen. Ich bin gegen Zensur und für eine bessere Welt. ICH BIN GEGEN DEN FRIEDEN und ich finde es legitim, einfach nur dagegen zu sein, weil die Mehrheit dafür ist! Nie war Nihilismus so edel, wie in unserer mediengeilen, kritiklosen, verkommenen Zeit und nie war es schwieriger den so denkwürdigen Satz „Fuck The System“ in die Tat umzusetzen, ohne sich eine tödliche Krankheit einzufangen. ToM Manegold 12/2KsubKULTur.com
(Dezember 2000)
von ToM Manegold

BUNDESWEITE SABBER EPIDEMIE
EIN FLEISCHBESCHAU

Die Hysterie ist ausgebrochen! Der Vegetarier grinst in sich hinein, während die Mehrheit der Deutschen nun einem grausamen Hungertod entgegen blickt. Nie mehr totes Fleisch? Nein, Umsteigen ist angesagt! Für das Federvieh, die Fische und die Schweine brechen nun düstere Zeiten an, denn das Rind ist in Verruf geraten. Es scheint die verabreichten Tierkadaver in Pulverform nicht vertragen zu haben und degeneriert in Ausnahmefällen zu einem sabbernden, unbrauchbaren Stück Fleisch, welches beim Verzehr Hirnzellensterben und ein ähnliches Sabbern beim Menschen verursacht. Zu allem Überfluß verteilt das Rindvieh vor seinem Dahinscheiden die verabreichten Viren gleichmäßig aufs Weideland. Aber wer hat schon Angst vorm Kreuzfeldzug des Jakobsen? Niemand. Irgendwann wird die Entsorgung der unbrauchbaren, feingemahlenen Überreste tierischer Biomasse auch ohne den Umweg über die Tiermägen reibungslos vonstatten gehen. Bald schon wird die Entrüstung, die uns für einen Moment beschlich, verflogen sein.Und dann werden wir genau das wiederkäuen, was uns die Medien sagen: Keine Gefahr, alles in Butter (Was in der Butter auch???) Vielleicht sollten diejenigen, die nicht an Vergeßlichkeit erkranken, versuchen, ihre Achtung vor dem Schlachtvieh wiederzufinden.

In unserer Überflußgesellschaft wird nämlich Fleisch in Rekordzeit produziert und weggeworfen, während man anderswo noch vierbeinige Heiligtümer verehrt bzw. aus Prinzip nicht verspeist. Nicht das wir nun auch Kühe anbeten und Schweine verschmähen sollen. Nein, wir sollten nur irgendeine Beziehung zum Vieh herstellen und uns bewußt sein, daß wir es mit Leben zu tun haben. Wer ein Steak haben will, sollte auch die Kuh schlachten.... oder vielleicht einmal zuschauen, wie eine noch dampfende Rinderhälfte im Fleischkutter verschwindet. Vom Biorasenmäher zum Hamburger- Eine BBC Reportage- Direktors Cut FSK 18! Ein Schwein beim Namen zu rufen, ihm dann die Elektroden an den Kopf zu klemmen und dann den Strom anschalten ist besser als jedes Computerspiel. Der Fleischbedarf würde dann auch ohne Rinderwahn zurückgehen- auf ein verdauliches Maß. Dann bräuchten wir auch keine Kälber mästen, sondern könnten den Kühen Zeit zum Wachsen geben, oder vielleicht ansatzweise darüber nachdenken, ob totes Fleisch wirklich auf den Teller gehört, oder nicht doch besser unter die Erde. ToM Manegold


( www.kuh.de- wirklich kuh-le Seite- incl. Live Cam und Kuh zum Ausschneiden usw. )

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(Oktober 2000)
von ToM Manegold

KONDITION: JAMMERTAL!
oder die Antwort auf ein Interview, welches ich leider nicht geführt habe.

"Kondition: Macht!" und das daran anschließende Festival d`Etage- das war zusammengenommen das größte subkulturelle Ereignis in Bayreuth und qualitativ eine der besten Veranstaltungen, die ich jemals besuchen durfte. Ja, eben auch eine der besten, die ich mitgestalten durfte- so wie viele andere Leute, die sich für die SACHE an sich den Allerwertesten aufgerissen haben. Ich danke auf diesem Wege dem Team des Bayreuther Zentrums für eine tolle Location und ein gelungenes Fest, und nicht zuletzt dafür, daß sie uns beim Aufbau unserer URBAN CULTURE AUSSTELLUNG unterstützt haben. Weiterhin danken wir uns selbst, für die zwei Computer, die wir uns selbst zur Verfügung gestellt haben, da sich im weiten Umland kein Sponsor fand...:-)

Nun ist es vorbei und es wurde zwar wenig, aber doch kontrovers darüber diskutiert. Das "Wenig" haben sich die Erben selbst zuzuschreiben, da zu wenig Presse und fachkundiges Publikum geladen war. Leider, denn "Kondition: Macht!" hätte sicher einiges bewegen können.

Wir haben zu diesem Zeitpunkt drei Statements unserer Redakteure im Netz, die unterschiedlicher nicht sein können.

Ja, "Kondition: Macht!" ist das beste, was die Erben jemals in Szene gesetzt haben. Die Bayreuther Aufführung ist dazu noch eine erhebliche Steigerung gegenüber der Urversion in Berlin. Juliana von SKEKSIS spielte brilliant die Rolle der sprechenden Frau, die Musiker waren wirklich Teil der Handlung und die musikalische Umsetzung dürfte in dieser Form bisher noch nicht dagewesen sein.

Das Stück selbst, dem Glanz der Inszenierung beraubt, weist Schwächen auf. Über die kann man sich aufregen, oder darob hinwegsehen. Auf Grund der Zentralgewalt, die Oswald Henke auch in Bayreuth ausübte, ist er natürlich der einzig streitbare Punkt und wird nun auch im Zentrum der Diskussionen und Kritiken stehen. Ich weis nicht, ob es einem geschulten Theater- Schauspieler gelänge, ein Stück zu schreiben, in dem er die Hauptrolle selbst spielt, selbst Regie führt, selbst das Bühnenbild entwirft, selbst die Gesamtleitung übernimmt und selbst das Casting macht, die technische Überwachung übernimmt .... und selbst..... und selbst..... Bisher hat das noch niermand probiert. Wenn man das Ganze dann in seiner Namensgebung zu einem Tribut an sich selbst gestaltet wird, ist man angreifbarer als notwendig.

In Bayreuth wurde doch in erster Linie kein problemaufwerfendes bzw. -lösendes Stück aufgeführt, sondern, vom Standpunkt des argwöhnischen Kritikers betrachtet, die Vermischung aus Traum und Wirklichkeit eines einzelnen Menschen. Maschinensegment Musiker, eine böse Welt, die man austricksen muß und gleich drei Frauen ... Der Literat dagegen sieht über die egomanischen Träume und chauvinistischen Anflüge (oder umgekehrt) hinweg und erkennt einen sehr interessanten Grundkonflikt: Soll der Mensch, wenn es wirklich gar keinen Ausweg mehr gibt, freiwillig sich beugen, oder als freier Mensch enden? Bei Kondition: Macht! wird die letztere, heroische Variante gewählt und - vor allem auch ausreichend begründet.

"Kondition: Macht!" wurde von einem polaren Publikum bejubelt. Das ist dem Streben des Ensembles GOETHES ERBEN nicht dienlich, die ihre Kunst auch einer breiteren Hörerschaft zugänglich machen wollen.... Wollen Sie das überhaupt?

Ich denke, eher nicht. Wer Neuland betreten will, schreitet vorsichtig voran, denn er bewegt sich auf dünnem Eis. Sucht die Avantgarde Akzeptanz, wendet sie sich vom beschränkten Personenkult ab. Im Zentrum steht dann die Sache selbst, ... oder eben gleich eine gottähnliche Gestalt. Diese hat in unserem Fall versagt, denn die GOETHES ERBEN Festspiele waren zwar in vieler Hinsicht eine Premiere, aber gerade für den Hauptakteur eben nicht der denkwürdige Schritt hin zu neuen Ufern oder zu höheren Qualitäten. Und sie waren sicherlich von vorn herein ein finanzielles Fiasko. Aber keiner jener Fans, die sich eine Karte gekauft und artig applaudierten, hat besagtem Faß den Boden ausgeschlagen. Und wenn der Rebell, nun zurückgekehrt ins normale Leben, in einem Interview sagt, das er seine weiteren künstlerischen Tätigkeiten von den Verkaufszahlen der neuen CD abhängig macht, gestaltet er einmal mehr seinen vermeintlichen Abgang alles andere als heroisch. Soll die Abhängigkeit von der Verkaufsmaschinerie der Beweis sein, daß Kondition: Macht! nichts mit der Wirklichkeit zu tun hat?

Ich denke, Oswald Henke manövriert sich mit seiner ständigen Nörgelei u.a. über mangelndes Interesse und zu viele Schwarzbrenner zusehends in eine Sackgasse.
Solange der Geltungswahn eine ansteckende Krankheit ist und so viele Menschen heimsucht, die nicht nur mit mit Geld dafür bezahlen, einmal im Rampenlicht zu stehen, solange werden es Entertainer wie Oswald Henke schwer haben. Bald auschließlich umgeben von einem kritikunfähigen, hörigen Publikum wird seine herausragende künstlerische Leistung vom Rest der Welt nicht ernst genommen werden, wenn er weiterhin ausschließlich limitierte Fanartikel produzieren will. Es ist also nicht damit getan, brav die neue CD zu kaufen, liebe GEmeinde. Schickt euren Gott in den Urlaub, raus aus seinem Glaspalast, in die blaue Kälte. Der Rebell schimpft nicht auf den Lauf der Welt, er ändert ihn. Der Rebell ist allein, ein schwarzer Punkt auf weißer Fläche, der genau weis, daß die Zeit vorwärts schreitet, und nicht stehen bleibt.... oder er ist eben doch nur ein Mensch, der das Gefühl nicht los wird, daß in alle anstarren.... Nach 12 Jahren ist es Zeit, das Reden über die Suche aufzugeben und endlich damit anzufangen, Rebell! Thomas Manegold

GOETHES ERBEN - kondition macht

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(September 2000)
von ToM Manegold

LEGT SIE UM!
MEDIEN & WAHRHEIT

Das Sommerloch ist nun vorbei, die Deutschen ziehen aus ihren Urlaubskolonien hinein in die Herbstdepression. Gestopft wurde das Sommerloch wie immer mit dem, was sich anbot. In diesem Jahr waren das, neben den Liveberichterstattungen vom Sommerschlußverkauf, auch Neonazis und Kampfhunde, meistens getrennt, manchmal auch im praktischen Doppelpack. Offensichtlich waren dieses Jahr wegen dem fallenden Euro viele daheimgeblieben und haben sich damit beschäftigt, standesgemäß zu reagieren. Dem tödlichen Biß eines Hundes folgte ein bundesweites Massensterben und ein Kleinkrieg zwischen Hundehaltern und Hundefeinden. Mittlerweile sprechen die einen von Hunderassendiskrimminierung und die anderen schreien nach Zucht und Ordnung.
Ja! Zieht Ihnen die Zähne, kastriert sie oder besser noch: Legt sie alle um! Bevor noch jemand dahinter kommt, daß die Bestie der Mensch und nicht der Hund ist, beweisen wir es uns besser selbst. Hundegaskammern könnte man ziemlich schnell entwickeln... Wenn die Mehrheit sie fordert, ist das legitim. Wer bestimmt, was die Mehrheit will? Spätestens jetzt habe ich Angst vor dem Mehrheitsprinzip. Führt das Herrchen den Hund oder umgekehrt? Zersetzt der Rechtsextremismus unsere Demokratie oder doch der kollektive Schrei nach Verbot und Totalüberwachnung? Medien machen Meinungen gründlicher als je zuvor. Wenn der Konsument lächelnd zur Kastration schreitet, läuft irgendetwas schief. Nicht nur vor Gott sind alle Menschen gleich, sondern auch vor dem Fernseher, aber eigentlich ist das ja das Selbe. Thomas Manegold

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(Juni 2000)
von ToM Manegold

EIN SCHWARZER TAG
(DAS ENDE UND DER ANFANG)

.... steht uns bevor.
Was sich schon eine geraume Zeit vage ankündigte, ist nun eingetreten: Das Top Act Zapfendorf wird im August seine Pforten schließen. Plötzlich und unerwartet geht so im Jahr 5 nach der Etage eine Ära zu Ende. Es ist das zweite Mal, daß ich so etwas hautnah miterleben muß. Was bleibt, sind erst einmal schöne Erinnerungen an einen dritten Samstag im Monat mit all seinen Episoden und einer immer größer werdenden Akzeptanz. Und dafür möchte ich den Besuchern, ich denke im Namen aller Beteiligten, erst einmal danken.
Ebenso wie damals, als Jochen Schoberth fast schon verzweifelt nach einer neuen Location für die Etage Bayreuth gesucht hat, versucht nun der Vater (mein Gott klingt das alt) dieser Idee "La nuit obscure", Ulrich Herwig, mit mir gemeinsam alles, daß die "La nuit Obscure" nicht mit dem Top Act zusammen stirbt.
ES SOLL WEITERGEHEN. UND IHR ALLE KÖNNT UNS DABEI HELFEN.
In erster Linie bitte ich Euch, Augen und Ohren offen zu halten, damit die Änderungen, die ab August anstehen, nicht unbemerkt bleiben. Darüber hinaus suchen wir natürlich eine neue Lokation im Großraum Bamberg. Wichtig ist dabei: Sie sollte zwei Floors haben und es soll der dritte Samstag des Monats bleiben.... Bis zu jenem Tag, an dem wir eine neue PartyLocation haben, wird die La nuit Obscure wahrscheinlich auf Tour gehen.

Am 15.07.00 ist also die letzte LA NUIT OBSCURE im Top Act Zapfendorf.
Am 29.07.00 endet alles mit einer neuen Party: INDUSTRIALISATION 1 (Industrial/ Electro/ Beats)
,
zu der wir aus gegebenen Anlaß noch einmal den zweiten Floor öffnen wollen.
Was danach kommt, ist noch nicht spruchreif. Nichts ist für die Ewigkeit und dem Ende folgt ein Neubeginn. Thomas Manegold

P.S.: Wir haben ein Lokation gefunden- und es ist die Selbe. Im Endeffekt wird sich an der Oberfläche nicht viel ändern. Allerdings werden nun von anderen Verantwortungen übernommen. Will sagen: Der Schreckensmeldung folgte ein konstruktives Gespräch mit einem kooperativen Vermieter. Das Top Act wird schwärzer und die freie Zeit für Macher Uli knapper. ToM

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(Mai 2000)
von ToM Manegold

AUCH SO ALLEIN?

Denkst Du über den Tod nach? Ja? .... Was wird sein, wenn der Schmerz nachläßt?
Das Tabu wird zum Kult! Doch eines Tages, wenn der Mensch endlich eine Theorie findet, die ihm schmeckt, gibt es kein Tabu mehr!
Dann glauben wir alle wieder an weiße Engel mit blauen Augen!
Was hast Du bisher getan, um die Ewigkeit zu besiegen?
Dir schon ein Denkmal gesetzt, so ein klitzekleines, über das vielleicht mal jemand stolpert, wenn du schon Blumenerde geworden bist? Nein? Fang an!!!
Womit, fragst Du? Folge Deinem Willen! Deine Wille ist deine Bestimmung!
Schau Dich um, keiner weis, was er wirklich will! Alle hecheln sie einer Illusion hinterher!
Was bestimmt Dein Leben? Was weist Dir den Weg? Die Liebe? Ach, Du hast schlechte Erfahrungen damit gemacht? Du wurdest enttäuscht? Hmm ... bist Du allein, so richtig allein?... Siehst Du, der Trieb verbindet uns immer wieder! Der Trieb tötet jede Vernunft! Der Rausch des Verlangens erstickt jede Scheu und wohin Du auch schaust, sind es die Opfer, die hilflos übereinander herfallen!
Was treibt Dich an? Verzeih, was läßt dich hier so schweigend verharren? Ist es das Leid, das überall auf Dich wartet?
Ja, die Meute fletscht die Zähne! Ich weis, keiner versteht dich!
Willst du Verständnis, dann opfere ihnen das Besondere in Dir!
Sei wie Sie und sie werden Dich akzeptieren! Stirb endlich!
Denke über das Sterben nach, denn es beginnt lange bevor der Schmerz kommt!
Sei wie sie und stirb oder breite Deine weißen Flügel aus und erhebe Dich aus der Asche derer, die gestorben sind.
Thomas Manegold

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(August 1999)
von Thomas Manegold

"Irgendwas mit Obst"

Heinz erinnert sich.... er erinnert sich an einen Tag im Mai letzten Jahres. An jenem Samstag hatte sich Heinz seinen PC gekauft. Heute ist das Teil keine 200 Euro mehr wert..... aber irgendwie ist gute alte Stück dem Heinz schon ans Herz gewachsen. Die ISDN Karte, die Heinz für einen Spottpreis bekommen hatte, vertrug sich nicht mit der Soundkarte, die er sich kaufen wollte.... das sagte ihm jedenfalls der Fachmann und Heinz war ihm dankbar, weil er sich das Geld sparen konnte.... für den 0190- Download der Software für seine ISDN- Karte. Plag´ and Pray stand auch auf dem Brenner, der sich, wie sich später herausstellte, irgendwie nicht mit dem CD-ROM Laufwerk vertrug. Das Ende der Plag` war nur von kurzer Dauer, denn als Heinz sich seine zweite Festplatte einbauen ließ, hörte das "Play" des Brenners schlagartig auf. Und Heinz brauchte diesen Brenner für gelegentliche Backups, die jeder Neuinstallation vorausgingen.... aber selbst das Formatieren von C half eines Tages nicht mehr, da der IDE Controler mit zwei Meistern, zwei Sklaven und einem ZIP-Laufwerk überfordert war..... sagte der Fachmann. Also plaggte Heinz seinen Brenner wieder aus und verscheuerte ihn an einen Kumpel. So hatten weder der Fachmann noch Heinz, noch der IDE Controler eine Ausrede, als die Theorie vom ZiP- Laufwerk am Druckerport ins Reich der Legenden gestoßen wurde. Und Heinz kaufte sich einen zweiten Parallelport, weil der Fachmann das ZIP- Laufwerk nicht umtauschen wollte. Aus Dankbarkeit erwarb Heinz noch 128 SD-RAM "zusätzlichen" Arbeitsspeicher, die aber seinen heißgeliebten PC lahmlegten. Der Fachmann hatte vergessen, ihm zu sagen, daß er zuvor die alten RAM ausplaggen muß, damit der PC mit den neuen RAMs playen kann. Heinz war dem Fachmann nicht böse, vielmehr war er stolz, denn er hatte in nur einer Nacht das Rätsel selbst gelöst. Da stand sie nun, die Rakete, ultraschnell, von gelegentlichen Abstürzen mal abgesehen.... bis Heinz eines Tages einen Internetzugang erwarb und die dazugehörige Software installierte..... irgendwie vertrug sich diese mit seinem virtuellen Telefon nicht, indem sich mittlerweile gaaanz viele Telefonnummern angesammelt hatten..... und außerdem wars dank 0190er Support schweineteuer.... Heinz konnte den Browser frei wählen, und er wählte den von der Firma, die auch das Betriebssystem verbrochen hatte, daß den größten Teil seiner Freizeit auffraß. Das Phänomen, daß dieser Browser beim downloaden größerer Dateien immer den Geist aufgibt, konnte ihm kein Fachmann erklären..... geschweige die Tatsache, daß er regelmäßig aus den Chatveranstaltungen flog, die Heinz so gern besuchte. Jetzt hat er zwar den Browser gewechselt, aber trotzdem zeigt sich immer öfter der Satz "Das System ist ausgelastet" auf blauem Grund und Heinz weis, daß die Zeit gekommen ist, Abschied zu nehmen... zumal ihm der Fachmann erklärte, daß er eventuell vielleicht ein klitzekleines Jahrtausendproblem haben könnte..... Dabei glaubt Heinz überhaupt nicht an den Weltuntergang.... aber was solls... Inzwischen kriegt man ja für das selbe Geld, wie damals im April, "zukunftsichere" Rechner, die vierkommafünfmal besser sind.... Morgen wird Heinz feststellen, daß "kompatibel" doch ein sehr dehnbarer Begriff ist..... die zusätzliche Hardware von damals kann man zwar plaggen, ob es dann aber noch playt, ist die zweite Frage. Inzwischen ist Heinz ein richtiger Fachmann geworden, obwohl er noch vor einem Jahr von solchen Buchstabenkombinationen wie DOS oder BIOS nichts wissen wollte. Heinz wollte ein Anwender sein.... wie sein Kumpel Wolfgang... der Typ, der so geil auf Cher ist, daß er sich doch glatt den Computer gekauft hat, den man immer in den Videos sieht..... Das Teil sieht aus wie der neue Käfer und Wolfgang hat gesagt, daß er vier Kabel geplaggt hat und seitdem playt wie ein blöder. Selbst bei dem Video bewegt Cher die Lippen synchron nach der Musik.... und den Trailer von dem Krieg der Sterne- Film hat er sich komplett runtergeladen.... dabei hat Wolfgang noch nicht mal `ne Soundkarte. Und für sowas hat er 500,- DM mehr gezahlt, als Heinz für seinen neuen PC, ...dabei steht auf dem Käfer noch nicht mal "zukunftsicher" drauf ! Wolfgang meint, daß er kein Jahrtausendproblem habe; das hat ihm jemand glaubhaft versichert, der mit einem Rechner arbeitet, den er 1993 gekauft hat, damals gab`s also auch schon plagg und play... trotzdem ist das fast unmöglich, denn wenn Wolfgang für einen Rechner mit 100% mehr Rechenleistung nur 50% mehr bezahlt, dann kann Wolfgang unmöglich auch noch doppelt so lang playen, sonst würden ja nicht 90% aller Anwender sich plagen, oder? Als Wolfgang dann noch anfing, von Stabilität zu reden, mußte Heinz passen. Das Wort hatte er von seinem Fachmann noch nie gehört. Heinz hat den Namen der Firma, die den Computerkäfer herstellt, schon wieder vergessen....es war "irgendwas mit Obst"..... und deshalb wird er auch noch nach dem Crash der alten kleinweichverseuchten Geräte sich plagen und beten, falls es überhaupt ein neues Jahrtausend gibt.... Thomas Manegold (Zahlenangaben ohne Gewähr)

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(Juli 1999)
von cAHos

Die Lüge liegt im Auge des Betrachters

Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters, das ist ja ein alter Hut. Verhält es sich mit der Wahrheit dann nicht genau so? Ist es nicht so, das eine "Wahrheit" für jemanden eine Lüge sein kann, weil er es einfach so sieht? Ein kleines Beispiel: Ich sag zu Dir: In der Girls Under Glass Besprechung lautet der fünfte Satz: Die CD wurde innerhalb eines Monats aufgenommen. Dann schaust Du nach und siehst: Völliger Quatsch. Dann ändere ich aber den Text (natürlich nur des Beispiels wegen ) und schon stimmt's. Dann ist die Wahrheit in Deinen Augen Lüge. Man könnte Wahrheit und Lüge auch als siamesische Zwillinge betrachten; Je nach dem, von welcher Seite, blickt man in ein anderes Gesicht. Was will ich damit sagen? subKULTur ist die Wahrheit. UNSERE Wahrheit. Unsere Wahrheit kann Deine Lüge sein, wenn Du es anders siehst. Unsere Wahrheit kann aber auch DEINE Wahrheit werden, wenn Du liest, was nur Du lesen kannst, nämlich zwischen den Zeilen, und Dir deine eigene Meinung bildest.... Über die Sonne und ihr knapp dreiminütiges Verschwinden von der himmlischen Bildfläche... über die Mittelalterbarden von IN EXTREMO und über die Bücher, die zumindest einer von uns für lesenswert hält. DEINE Interpretation UNSERER Wahrheit ist ähnlich einem Geschlechtsakt: Es entsteht etwas Neues, nicht völlig neu, aber trotzdem noch nie da gewesen. Und da die Paarung (und Vermehrung) Ziel allen Lebens ist, ist dann auch das wahre Ziel von subKULTur erreicht: Die Veränderung Deines Bewußtseins über Gehirnwaschgang und Konsumschleuder hinaus. Viel Spaß beim mentalen Koitus wünscht cAHos bodystyler,

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(Juni 1999)

von Thomas Manegold

Eine kleine Utopie

Die Telefongesellschaft, die mich monatlich abkassiert, sagt, sie wäre für das Scheißwetter verantwortlich, und was sich wie eine neue Form radioaktiven Fallouts anhört, entpuppt sich als neue Prozessorgeneration.
Seitdem dieser Spot läuft, verabschiedet sich mein Rechner immer häufiger. Ich möchte mal wissen, wie Kleinweich & Co das immer wieder auf den Tag genau berechnen. Nach zwei Neustartversuchen gebe ich auch auf und schalte den Ton vom Fernseher an. So zwischendrin fällt mir auf, daß jener große Kunstdruck seit Langem unbeachtet vor sich hingammelt. Nie war Zeit, den mit Posterstripes befestigten Dali auch nur anzusehen. Allerdings gab es, so kann ich mich dunkel erinnern, einen Grund, warum er dort hing. "Die Reflexionen der Elefanten".... Schwäne mimen Blüte und Niedergang des Lebens und spiegeln sich im Wasser. Flügel werden zu Ohren und alte Bäume verwandeln sich in Beine. Nein, ich habe nichts geraucht um zu entspannen, und ich habe auch keine Pillen genommen, um vor dem Computer nicht einzuschlafen. Das hat der Typ wirklich gemalt....
Irgendein Idiot bestellt gerade lachend eine runde Freibier. Er trinkt sein Glas auf ex und sieht plötzlich alles in Zeitlupe. Der Typ, der jetzt genau das tut, was Kohl früher gemacht hat, entschuldigt sich plötzlich bei Irgendjemandem, den Bill´s Army mal wieder aus Versehen getroffen hat. Kein Wunder, das die Arbeitslosenzahlen sinken.
"Saisonale Gründe" könnte das Unwort des Jahres werden.... oder "Schwarzromantiker", wie die Gruftis offiziell heißen, seitdem "return" von DEINE LAKAIEN im Supermarkt aus den Boxen tropft. Das habe ich jedenfalls von Jemandem gehört. Ich selber habe für so etwas ja keine Zeit mehr. Auch die Menschen, denen ich mal etwas bedeutet haben soll, sehe ich nur noch sehr selten. Meine Freundin will sich unbedingt mal mit mir unterhalten. Möchte mal wissen, worüber. Es gibt nichts, was sie mir nicht mailen könnte.
Gleich nach dem Flugzeugabsturz kommt wieder eine vollkommen unrealistische Hochrechnung. Aus Kostengründen werden die Hungertoten jetzt nicht mehr gezählt, sondern nur noch grob geschätzt. Wie soll man auch dreidimensional denken, wenn man so ein flachbrüstiges Gerippe sieht. Das ist schrecklich und niemand will das sehen, dieses augemergelte, in teuren Sackleinen gehüllte Schönheitsideal im Blitzlichtgewitter.... Aah! Die ersten Herbstkollektionen werden über die Laufstege geschickt.
Das geht mir alles zu schnell. Ich brauche unbedingt dieses Bier, das alles um mich herum langsamer werden läßt. Jaaa, das Gesöff für die Zeitlupe.
Ich meine, ich bin doch nicht von gestern. Ich habe seit Kurzem sogar Internet, das hat man eben heutzutage. Handy ist total out, habe ich aber trotzdem, weil es bald wieder schick ist. Momentan verrecken nämlich die ganzen Billighandys, die sich beim Sonderangbeot vor einem Jahr jedes dumme Schwein gekauft hat. Immer, wenn die Garantie abgelaufen ist, als hätten sie bei Kleinweich und Co abgeschaut, aber ich paß auf, ich bin nicht von gestern.
"Teuer war gestern" sagt da jemand. So ein Scheiß, gestern war Freitag.
Trotzdem komme ich mit diesen ultrakurzen Totalen auf die zerfetzten Unfallopfer nicht zurecht. Ich kann es nicht leiden, wenn ich die Schlußpointe der Talkshow erst kapiere, wenn der Werbeblock vorbei ist. Die Welt redet sich zu Tode und hat sich doch nichts zu sagen, jedenfalls die große weite Welt der flimmernden Kisten. Gibt es eigentlich noch eine andere? Thomas Manegold

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( Mai 1999)
von Jan van Bruck

"Käuflichkeit ist eine Zier"

Warum gerade in den letzten Monaten fast jedes geschriebene Blatt versucht, das geschriebene Wort durch beigelegte Silberlinge zu ergänzen, bleibt mir ein Rätsel. Eine Bereicherung an objektiver Information sind diese CDs meistens nicht, vielmehr ein fragwürdiger Kaufanreiz. Die verfügbaren Minuten dieser Tonträger lassen sich die jeweiligen Zeitschriften (machmal auch selbstitulierte Magazine) mehr oder weniger gut bezahlen. (Hallo, ihr löblichen Ausnahmen!) Bei diesen sogenannten Hörproben zählt deshalb nur selten Qualität. Abenteuerliche Titelfolgen (und dies ist nicht im positiven Sinn gemeint) gebären sich als undefinierbarer Brei irgendwelcher Musiklandschaften, die auch nicht selten mit der Überschrift progressiv oder innovativ vorgestellt werden. Das Ohr des informierten und interessierten Hörers wird in 90 % aller Fälle mehr oder weniger intensiv beleidigt und, was noch weit aus fataler wirkt, der unbedarfte Neueinsteiger zum schlechten Geschmack hin manipuliert. Die subkulturelle Musiklandschaft wird schon seit geraumer Zeit großflächig umgestaltet. Die Industrie kauft sich in den "progressiven" Independent Markt ein, während die kleinen Label (sog. Independent Label) versuchen, ihre Produkte über Subverträge mit Großvertrieben an den Käufer zu bringen. Nicht Qualität, sonder Budget der jeweiligen Produktionsfirma entscheidet über die Präsenz - gerade in der sogenannten "unabhängigen" Presse. Ohne Anzeigen gibt´s keine Artikel, und schon gar keinen Beitrag auf dem, unserem Papierstückgut beigelegten Tonträger.
Und so entstehen viele, leider all´ zu kurzlebige Märchen: Es war einmal eine große bunte Plattenfirma, die suchte sich neue Kinder, sie lockte sie mit dem süßen Duft der großen weiten Welt. Als dem Sprößling dann nach einer kurzen Gnadenfrist die guten Noten (hier in Form von Verkaufszahlen) fehlten, verkam das geknuddelte Adoptivbaby zum ungeliebten Stiefkind.... Spätestens dann merkte es, daß man vom süßen Duft allein nicht leben kann. Kinderspiele tun nicht weh, verkünden dir die Wahrheit nur. (Ich könnte da noch ein paar Vergleiche mit lila Kühen und Grimms Goldesel anführen- ToM)
Versuchen wir jetzt unsere Polemik ein wenig zu zügeln und subKULTur - das Magazin vorzustellen: Ich erlaube mir, ES als mehrdimensional und als doch nicht käuflich zu bezeichnen. (Die Käuflichkeit bezieht sich hier auf den Aspekt menschlicher Bestechlichkeit). Die subKULTur- Redaktion besteht aus Menschen mit gleichen Zielsetzungen, aber unterschiedlichen Meinungen. Und selbst die gleiche Meinung bedeutet nicht immer den selben Standpunkt, denn bekanntlich manifestiert sich Vieles erst durch einen variablen Blickwinkel. Erheben wir also unsere virtuellen Gläser und stoßen an- auf die Illusion von der Unabhängigkeit und auf das, was kommen wird. Jan van Bruck

subKULTur.com
(Mai 1999)
von Thomas Manegold

Ein paar Worte zur Geburt

Nun ist es also soweit. "subKULTur.com" hat das Licht der (virtuellen) Welt erblickt. Es soll wachsen, langsam und stetig. Deshalb verpassen wir dem Sproß schon nach dem ersten Monat eine Frischzellenkur. In welche (kreative) Richtung sich der Virus nun ausbreitet, ist noch nicht ganz klar. So etwas bestimmt nicht zuletzt das Zählwerk dieses Unternehmens. subKULTur.com versteht sich als Forum. So nutze unser Gästebuch und die in absehbarer Ewigkeit entstehenden Versammlungsräume. Entdecke die Möglichkeiten, mit uns in Kontakt zu treten. Hilf` diesem Baby auf seine Füße! subKULTur.com ist wie eine Zeitung aufgebaut. Du kannst also Seite für Seite durchblättern. Natürlich ist es auch möglich, im Inhaltsverzeichnis auf jede einzelne Seite per Mausklick zuzugreifen. Außerdem kannst Du unsere aktuellen Leitartikel direkt über die Titelseite erreichen. Nach dem Update werden die meisten Artikel der vorherigen Ausgabe noch abrufbar sein. Deshalb sind alle Neuzugänge gekennzeichnet. Auch wenn ein Artikel oder eine Seite "verschwindet", kannst Du sie immer noch im Archiv wiederfinden. Nichts geht verloren, alles ist möglich. subKULTur.com hat keine Philosophie und hegt auch nicht den Anspruch, irgend eine kulturelle Szene vollständig auszuleuchten. Erstens ist das unmöglich und zweitens gibt es schon genug Magazine, die diesen Anspruch haben und sich gegenseitig streitig machen. subKULTur.com sucht das Andere, das Exotische, das Geile, das Exzentrische im Datenoverkill der Endzeit. subKULTur.com spielt mit den verschiedenen Medien, die Künstler nutzen, um sich auszudrücken. Natürlich spielt Musik dabei eine große Rolle, soll aber bei Weitem nicht alles sein. Unser Baby soll seinem Namen gerecht werden. Es soll transformieren- kulturelle Minderheiten der Mehrheit zugänglich machen, Vernachlässigtes unterstützen, Unerhörtes verstärken, Sehenswertes sichtbar machen.... an Vergessenes erinnern und die Zukunft gestalten. Viel Spaß den Konsumenten und Dank an die Aktiven! Thomas Manegold

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