ALLE SCHEINWERFER AUF EINEN  KLICK
BestandsAbnahme
Das Ende des subCLUB in Bayreuth
Perspektiven, (Hinter)Gründe,

April 2004

In der Stadt kursieren Gerüchte. Sie widersprechen sich gegenseitig. Sie alle zusammengenommen, würden sie sich aufheben, es würde noch nicht einmal warme Luft übrig bleiben. Das ID² schließt. Das ist kein Gerücht, sondern eine Tatsache. Alles, was deshalb oder danach geschehen wird, wissen noch nicht mal die Beteiligten. Alle Dinge, die darum erzählt werden, sind also nicht mehr wert, als der Furz nach zuviel Zwiebeln. Eine Befreiung für den Luftverpester und eine Belastung für die Umwelt.

Die Meldung vom Ende bescherte dem ID² nun, erwartungsgemäß, eine Menge Publicity. Genau, wie es mit den früheren Projekten war, die nach ihrem Ende zum Kult avancierten. Inzwischen ist es für mich bittere Wahrheit, daß dies ein lokales Phänomen ist. Nirgendwo sonst wird so viel gejammert, so wenig getan und so verklärend über Vergangenheiten gesprochen, an denen die Mehrheit der Laberer nie beteiligt war. In der Etage Bayreuth, in der mein Wirken begann, hatten alle eine gute Zeit, allein es waren, bis auf einige Ausnahmen so wenige, daß der Club sich weder Extravaganzen in Sachen Equipment, noch der Betreiber größere Sprünge leisten konnte, als von daheim in seinen Laden. Ich hörte seit der Schließung der Etage durch Ende des Pachtvertrages , pausenlos, wie toll das damals war. Allerdings haben nicht annährend so viele Leute den Club von innen gesehen, wie ihm heute nachtrauern.

Im RAS CLub war es ähnlich. Die Leute, die da waren haben sich wohl gefühlt. Es war auch einigermaßen gut besucht, nur hat die Freizeitgestaltung dort ebenfalls mindestens zwei Existenzen gekostet. Es war sowieso ein andauerndes Phänomen, daß ich, der ja subKULTur im weitesten Sinne anbietet, immer dann in die Clubs gelassen wurde, wenn alles andere nicht funktionierte. Der Abschaum als letzte Rettung. So auch im U- Boot, wo der letzte Strohhalm zu einem Großereignis wurde und der INDEPENDANCE DAY zu dem wurde, was nach der Schließung des U- Bootes unter dem Namen SECOND RAGE im KOMM eine würdige Nachfolge bekam. Inzwischen ist vergessen worden, daß die SECOND RAGE als Übergangslösung begann und sich ethablierte, daß jene drei Leute, die das ID² aufmachten, maßgeblich dran beteiligt waren. Inzwischen wird massiv geglaubt, diese drei hätten mit der Party, die sie selber aufgebaut hatten, ein Problem und wollten sie von Anfang an totmachen. Stattdessen wurde im ID² das Programm so umgestellt, daß keiner dem anderen wehtut. Eine Szene muß wachsen, nicht wandern, sage ich immer. Und genau das will Bayreuth nicht, weder wachsen, noch wandern. Die paar, die sich langweilen, lassen sich schubsen, von einem Ort zum anderen, feiern Parties in Treppenhäusern und Abrißgebäuden, und fühlen sich dabei cool und unkommerziell.

Seit ich die SECOND RAGE verließ, wurde ich von allen Seiten mit Dreck beworfen. Es wurde behauptet, das ID² sei ein Abschreibobjekt, da subKULTur.com zu viel Geld verdienen würde. Auch andere unschöne, vollkommen blödsinnige Sachen kreisten in der Herde. Das einzige, was stimmt, ist, daß wir uns verändert haben, weil wir plötzlich sehr viel Verantwortung übernahmen und weil, im Falle eines Scheiterns, einem das Fell über die Ohren gezogen wird. Deshalb wurden aus den Partymachern etwas ernstere Leute, die sich plötzlich über andere Dinge und andere Summen unterhielten, wohlbemerkt Summen, die sie aufbringen mußten, nicht einsacken. Geld verändert den Menschen, so oder so. Ich kenne auch sehr viele, denen temporäres Einsacken überhaupt nicht bekommt, die beim Zählen Anstand und jegliche Umgangsformen vergessen. Nun sind wir nicht gerade devot veranlagt. Das Übernehmen des Clubs war notwendig, um ihn zu retten. Wir haben jeden, der glaubte, es besser zu können, angeboten, den Club zu übernehmen, denn frei von Verantwortungen läßt sich die eigentliche Kultur viel besser inszenieren. Aber selbst bis heute hat niemand eingewilligt. :-) Und wir wären froh, wenn sich noch jemand finden würde, denn es wäre bis zum 03.04.04 immerhin noch möglich, den großen Worten Taten folgen zu lassen.

Wirtschaftlich arbeiten heißt nicht, reich zu werden. Ich selbst bin an Profit nicht interessiert. Alles, was reinkommt, wird in meine Arbeitskraft und in die Sache selbst reinverstiert. Ich muß allerdings niemanden darüber Rechenschaft ablegen, wie und warum ich das tue. Auch nach 10 Jahren erfolgreicher Arbeit ist beim Manegold weder der Wohlstand noch der Größenwahn ausgebrochen. Nichts von dem, was ich besitze, hat einen wirtschaftlichen Wert. Urlaub ist weiterhin ein Fremdwort. Mein Verdienst beläuft sich vor, während und nach dem ID² auf einen Betrag, der unter dem allgemeingültigen Existenzminimum liegt. Und ich bin immer noch sehr weit davon entfernt, mich darüber zu beschweren. Ich steh drauf, mag es nur nicht, daß über goldene Schüsseln geredet wird, die einfach nicht da sind und daß Leute, die ihre Gier nach wasauchimmer nicht stillen können, diese verschleiern, indem sie andere dieser Gier beschuldigen. Zum Thema Neid ist im Eisbrecher Interview alles gesagt. Wer 8 Stunden für jemand anders rackert, hat meine Hochachtung. Nur wer ein Problem damit hat, und zu feige ist, in die Freiheit zu gehen, den bedauere ich aufrichtig. Und denen, die deshalb die "Anderen" mit Steinen bewerfen, verdienen Verachtung.

Natürlich sind auch in Bayreuth wir nicht die Einzigen, die sich "Macher" nennen dürfen. Und selbstverständlich sind wir auch nicht die einzigen Prellböcke. Jeder, dem man Erfolg nachsagt, wird zur Zielscheibe, nicht nur in meinem geliebten Residenzkaff. Und unsere Arbeit war ein voller Erfolg, bis zum Schluß. Das sie sich nun wirtschaftlich nicht trägt, schmälert diesen Erfolg nicht, es dezimiert nur die Anzahl der falschen Freunde und derer, die die Hand aufhalten. Auch den Leuten, die es immer gewußt haben, ist der finanzielle Ausgang einer Unternehmung egal. Entweder sie haben recht behalten oder sie hatten schon immer eine andere Meinung. Ich werde auf jeden Fall alles tun, um jede etwaigen Forderungen, sofern sie legitim sind, irgendwie zu begleichen. Zwar bietet unser System da einige Alternativen, aber ich möchte davon keinen Gebrauch machen. Sicherlich werden das einige für vollkommen bescheuert halten, aber das ist mir egal. Von Anbeginn ging mir die Tatsache auf den Geist, daß die rechtlichen Voraussetzungen jeder Unternehmung so eng gestrickt sind, daß der Ehrliche immer der Dumme zu sein scheint. (Ulrich Wickert hat diesem Umstand ein ganzes Buch gewidmet, daß sehr viele Menschen gekauft haben. Die sollten endlich mal mit dem Lesen anfangen :-). Sobald man aber jedem Schein den Sinn des Wortes zugesteht, nämlich nur "Schein" zu sein, begibt man sich auf neues Terrain. Der Schein, der sagt, daß Du irgendwas gelernt oder abgeschlossen hast, ist nur so viel wert, wie Du kannst. Und der Geld Schein ist soviel Wert, wie Du im Wert zugestehst. Geld ist der Motor dieser Welt, der Katalysator. Aber es ist in erster Linie Papier. Das Zahlungsmittel ist nicht das Wichtigste im Leben. Es kann Dich weder heilen noch aufwerten. Es zu Horten schafft Probleme, ihm Sicherheit zuzuschreiben, ist sehr gefährlich. Es gibt keine Sicherheit. Diejenigen, die in T- Aktien investierten, haben die selbe Erfahrung gemacht, wie diejenigen, die in Zeiten der großen Inflation mit einem Wäschekorb voller Scheine Brot eingekauft haben.

Was das ID² angeht, wird da ein großer Batzen Scheine übrig bleiben, den ich gern mit allen teilen möchte. Leider ist ein großes Minus davor, und so wird das wohl mein Batzen bleiben. Niemand ist, wenn überhaupt, daran Schuld, außer ich selbst. Ich habe an eine Sache geglaubt und mich dafür regelrecht aufgearbeitet. Es ist nichts geworden. Punkt. Das mag einige zum Händereiben animieren. Das ist ihr Problem. Ich fange mal an mit Händeschütteln, und zwar jene Hände, die bereitwillig alles gegeben haben und auch jene Hände, die das annahmen, was wir anboten. Ich bereue keine Minute, die ich im ID² verbracht habe. Und ich möchte die Erfahrung nicht missen, die der Club mir bescherte.

Was kommt danach. Ich werde mein zweites Buch beenden und im Sommer, gemeinsam mit Sascha Blach, eine Poetry CD veröffentlichen, die wir auch promoten werden. Inwieweit ein gewisser Herr von Sturzbach sich in dieses Projekt mit einbringen wird, werden wir sehen. Ebenso sind alle Gewinner des PoetrySlams² herzlich eingeladen, an diesem außergewöhnlichen Projekt mitzuarbeiten. Außerdem wird es den Independance Day weiterhin geben, nur eben nicht mehr explizit in Bayreuth und nicht mehr so häufig. In erster Linie werde ich aber erstmal das in Angriff nehmen, was dieses eine Jahr liegengeblieben ist. Dieses Internetmagazin, unsere Projekte und das Top Act Zapfendorf, das ich viel zu lange vernachlässigen mußte, unsere "Grufthochburg", die Dank uLI jener einmalige Ort geblieben ist und nicht im Chaos versank. Im Gegenteil. Die Obscuren Nächte sind besser denn je, sowohl, was Besucherzahlen angeht, als auch in Punkto Qualität der Veranstaltungen. Wir werden nun versuchen, das Top Act Zapfendorf auch als Live- Location außerhalb der Gothic Szene zu ethablieren. Außerdem werden mit PARANOISE, der LEGACY PARTY & mit SAMSARA einige anders gestrickte Parties dort Einzug halten. Und wir werden uns verstärkt bemühen, unsere Events dort so zu gestalten, daß sich weite Anfahrtswege auch weiterhin lohnen. Auch im Top Act Zapfendorf leisten viele Menschen eine Menge und auch diese Leute möchten weder ausgelacht noch angemacht werden, weil es ihnen Spaß macht, alles zu geben. Es ist nämlich ein geiles Gefühl, wenn etwas funktioniert, wovon man immer geträumt hat. Die Voraussetzung, daß es "funzt", ist in erster Linie, mit dem Träumen aufzuhören und AUFZUWACHEN.

Im Falle Bayreuth ist uns das gelungen. Wir stopfen keine Löcher mehr, die wir nicht gerissen haben und werden mit Sicherheit nicht weiterhin versuchen, die Langeweile und den Frust, der sich immer und immer wieder breit macht, zu bekämpfen. Ich freue mich auf den ersten Sommer seit 3 Jahren, den ich nicht im Dunkeln verbringe und auf neue Herausforderungen. Nie wieder Konzerte mit 30 Leuten, die man 200 km weiter locker mit 300 Leuten auf die Beine stellen kann. Nie wieder Diskussionen, warum man in einem Club Eintritt verlangt und warum das Glas Wein soviel kostet, wie bei Aldi eine ganze Flasche. Wer ein Problem hat, kann es nur selbst lösen. Und das muß er erstmal wollen. Nehme ich ihm sein Problem ab, wird er ein neues an die alte Stelle stetzen. Irgendwann ist er sauer, weil im kein neues Problem mehr einfällt.

In diesem Sinne! Gute Nacht Bayreuth! Allen Hinterbleibenden von Herzen alles Gute!

Thomas Manegold

 

www.subclub.de

www.lanuitobscure.de

www.goettertanz.de

www.sonnentod.de

 

 

Auch ohne Independance Day & Co. wird es in Bayreuth genügend Alternativen zu 30+
und FetenHits geben:

 

Second Rage

Hurricane Sound

MotorHorst.de

Glashaus

Nervous Breakdown

Flower Power Party

Das Zentrum