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subKULTur.com
Interview Januar 2001
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STILLSTE STUND |
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Nietzsches Einzug in
die "got(h)ische Epoche"...
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Mit STILLSTE STUND stellt sich eine Dark-Wave/Elektro-Formation
der Öffentlichkeit vor, die ein großes Augenmerk auf den lyrischen
Aspekt legt und aufgrund des Zusammenspiels von Textrezitationen und elektronischer
Musik innerhalb eines großen musikalischen Spielraums nicht selten
an GOETHES ERBEN erinnert. Ich fühlte STILLSTE STUND-Mastermind Oliver
Uckermann ein wenig auf den Zahn, um mehr über das mysteriöse
erste Album "Ein Mensch, Ein Ding, Ein Traum" zu erfahren...
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Gewähre uns doch zunächst einmal einen
kurzen Einblick in die Historie von STILLSTE STUND und rücke die dahinter
stehenden Personen ein wenig von der Dunkelheit ins Licht...
"STILLSTE STUND leitet sich im wesentlichen von meiner Person ab. Einige Stücke werden zudem durch die Stimmen von Birgit Strunz und Inanis Kurzweil abgerundet. Anders würden Titel wie ‚Elfentanz’ nicht funktionieren. STILLSTE STUND ist das Ergebnis meiner persönlichen musikalischen Entwicklung. Ich mache seit 1989 Musik und fühlte mich innerhalb von Bands - egal ob Punk, Indie oder Synth-Pop - immer irgendwie unverstanden und zu Kompromissen gezwungen. So entstanden viele Stücke im Alleingang und gelangten mit der Gründung von STILLSTE STUND und dem ersten Album "Ein Mensch, Ein Ding, Ein Traum" an die Öffentlichkeit." |
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Mit welcher Intention wurde das Projekt ins Leben gerufen bzw. wird sie heute betrieben? "Die Intention ist es, in eigene Tiefen abzutauchen und das, was sich dort finden läßt, aufzuarbeiten. Sicherlich kann man diesen Vorgang auch als eine Art Selbsttherapie bezeichnen. STILLSTE STUND legt aber auch gesellschaftliche Abgründe bloß. Diese beiden Aspekte werden immer den zentralen Kern des Projekts bilden." Wo würdest du euch musikalisch/stilistisch einordnen? Siehst du STILLSTE STUND einer Szene zugehörig? "Wir fühlen uns alle sehr den dunklen 80ern verbunden. Es gibt bei STILLSTE STUND daher diese darkwavigen Elemente atmosphärischer Melancholie und Romantik ebenso wie moderne Gothic-Themen. Einige brachialere Titel, wie ‚Der Untergang’, werden von der Presse gerne der Neuen Deutschen Todeskunst zugeordnet. Das ist für uns in Ordnung, solange man nicht die anderen, ebenso wichtigen Seiten an STILLSTE STUND vergißt." STILLSTE STUND ist sicherlich mehr als "nur" ein Name, oder? "Die STILLSTE STUND ist aus einem Ausspruch von Friedrich Nietzsche abgeleitet. Es geht um die Zeit, in der man die Dinge um sich herum und in sich selbst zu sehen und zu verstehen vermag. Dies sind Momente, die man im täglichen Leben weniger finden kann. Hierfür ist ein konsequenter Rückzug nötig." "Ein Mensch, Ein Ding, Ein Traum" besticht vor allem durch seine ungewöhnlichen, aber auch undurchsichtigen Texte. Handelt es sich um ein Konzept-Album? "Nein, es ist insofern kein Konzept-Album, als daß es anfangs keinen Plan dafür gab. Es hatte sich erst nach und nach herauskristallisiert, in welche Richtung alles treiben sollte." Und wie würdest du einem Außenstehenden die Richtung, in die deine Texte letztlich trieben, beschreiben? "Nun, es sind sehr persönliche Aufarbeitungen, egal ob in Form von apokalyptischen Visionen, wie in ‚Heimweg’ und ‚Der Untergang’, in märchenhaften Erzählungen wie in ‚Tausende von Welten’ oder in direkter, auf meine Person beschränkte Form wie bei ‚Dornen’ und ‚Das Ende aller Sehnsüchte’. Die Inhalte sind mir in jedem Fall sehr wichtig, egal, ob in offensichtlicher oder in metaphorischer Form." Gibt es Autoren/Dichter, die dich lyrisch beeinflussen? "Friedrich Nietzsche spielt für mich eine wichtige Rolle. Aber auch Hugo von Hofmannsthal, der auf dem Album in ‚Drei sind eins’ und ‚IV’ rezitiert wird. Ansonsten bietet der tägliche Kampf ums Überleben in einer stumpfsinnigen Welt genug Inspirationsquellen." ‚Heimweg’ hinterfragt unsere menschliche Existenz recht passend, gibt jedoch keine Antwort... Also, mit welchem Sinn ist unser Sein behaftet? "Kein Mensch kann das mit Gewißheit und schon gar nicht für die Allgemeinheit sagen. Für mich liegt der Sinn in der eigenen Weiterentwicklung. Stillstand ist mit dem Ende, dem Tod gleichbedeutend." Sind wir nur Marionetten auf einer riesigen Bühne namens Erde? "Nicht, wenn wir es nicht zulassen. Bei der Mehrheit der Menschen scheint es jedoch zuzutreffen." Welchen Platz nehmen STILLSTE STUND auf dieser Bühne ein? "Was Live-Konzerte anbelangt, ist momentan nichts Größeres geplant. Wir sind einfach zu sehr mit der Arbeit am zweiten Album beschäftigt. Und zum philosophischen Aspekt deiner Frage, STILLSTE STUND wird die Welt kaum verändern können – leider! Wir können nur den Leuten, die sich uns verbunden fühlen, nur sagen: ‚Ihr seid nicht allein!’" Sascha Blach dankt für das Interview |
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